Sonntag, 15. november 2009
Liebe Genossinnen und Genossen,
unter folgendem Link
http://www.bildungsgemeinschaft-salz.de/objekte/denkwerkstatt/theorie/ubersicht/ubersicht.html
befindet sich die
Übersicht
Eine offene Debatte - Einige Beiträge zur Zukunft der Linken
1) Zum
Einstieg: Wildcat-Artikel zum Antiimperialismus
2) Fragen und Anmerkungen Brief von Michael Rieger mit Anmerkungen der Wildcat-Redaktion
3) Weitere Anmerkungen von Michael Rieger
Wir sind bestrebt auf der SALZ - Webseite unter Denkwerkstatt eine
Debatte über den Wildcat-Artikel zum Antiimperialismus unter
Einbeziehung der ersten Fragen und Anmerkungen von Michael Rieger
zu führen.
Die bei uns dazu eingehenden Beiträge erscheinen dann auf der Webseite
www.bildungsgemeinschaft-salz.de
Linken / Eine offene Debatte - Einige Beiträge zur Zukunft der Linken) und
dienen der weitergehenden Diskussion.
Bezüglich der Berliner Verbredungen, auf der SALZ - Seite eine Forum für
den wissenschaftlichen Beirat einzurichten, sind die ersten Schritte bereits
unternommen worden. Michael richtet es ein. So bald es erstellt worden ist,
steht die Seite den wissenschaftlichen Beiratsmitgliedern zur Verfügung.
Die eingehenden Beiträge zur Diskussion des wildcat - Artikels bitte an literaturundmehr@yahoo.de sowie per cC an salzkreis@yahoo.de schicken, damit sie auf die Webseite gelangen und/oder
an InteressentInnen verteilt werden können.
Im kommenden Jahr wird es eine zweite Debatte auf der SALZ - Seite
geben, die sich initiativ mit den verschiedenen Positionen der
antikapitalistischen, marxistischen Linken und deren Praxis auseinandersetzen
wird.
Aus beiden Ansätzen können sich danach u.E. sehr gute Impulse für unsere
Arbeit entwickeln.
Herzlich,
Peter
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Wildcat
85
Nur wenn wir das antiimperialistische Erbe überwinden…
… eröffnet sich die Perspektive der sozialen Revolution!
http://www.wildcat-www.de/wildcat/85/w85_antiimp.htm
»Die Erde wird rot«
Antiimperialismus ist seit den 50er Jahren die politische Ausrichtung des Kampfes gegen das imperialistische Zentrum
USA, dem alle anderen Erwägungen untergeordnet werden. Er entstand aus der Annäherung der Führer der antikolonialen Befreiungskämpfe in Asien, Lateinamerika und Afrika an das »sozialistische
Lager«. Eine Zeitlang sah es so aus, als würde die weltweite Landkarte rot, wenn ein Land nach dem anderen – oft mit militärischer Unterstützung durch die Sowjetunion oder China – die
nationale Selbständigkeit erreichte
Der antikoloniale Kampf in Algerien hatte ein weitverzweigtes Unterstützungsnetz in Frankreich und der BRD. Der
Vietnamkrieg löste eine weltweite Solidaritätsbewegung aus, die sich an der immer brutaleren Kriegsführung der USA radikalisierte (Sabotageaktionen, verstecken und über die Grenze bringen von
desertierten GIs usw.). Der Schahbesuch und der Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Berlin radikalisierte eine ganze Generation. Die Unterstützung der »Befreiungsbewegungen« in Angola,
Zimbabwe und Namibia, überhaupt die Solidarität mit den Kämpfen im »Trikont« wurde in den 70er Jahren zur Orientierungslinie für eine ganze Generation. Eine Orientierung, die ohne große Theorie
auskam, weil sie gegen die blanke Ungerechtigkeit in der Welt Sturm lief.1 Auf der einen Seite argumentierte man moralisch: »Ausbeutung der Dritten Welt«, ungleicher Tausch, abhängige Entwicklung, usw. Auf der anderen Seite begeisterte man sich für
den radikalen Kampf, wobei radikal fälschlicherweise mit bewaffnet gleichgesetzt wurde. Es war auch eine Suche nach der existentiellen Entscheidung.
Trotz verheerender Erfahrungen mit der Niederschlagung dieser Bewegungen – und noch schlimmer: mit den
erfolgreichen Befreiungsbewegungen an der Macht (Zimbabwe, Südafrika, Nicaragua…), folgen heute in Bezug auf Venezuela viele immer noch der paranoiden Logik: »der Feind meines Feindes ist mein
Freund«. Kritik an Chavez nutze nur dem US-Imperialismus usw. Berichte über die reale soziale Situation in Venezuela erreichen die Fans dieses »Sozialismus des 21. Jahrhunderts« gar nicht.
Deshalb stellen wir den folgenden Artikeln ein paar Überlegungen voran. Da wir uns kurz fassen wollen, machen wir dabei ausgiebig Gebrauch von links auf ältere Artikel. Im nächsten Heft
werden wir mit einem Artikel zur iranischen Revolution 1979 nochmal ausführlich auf diese Fragen zurückkommen.
Marx oder Sozialdemokratie
Der US-amerikanische und europäische Imperialismus entstand mit der Herausbildung des auf serieller Massenproduktion
basierenden Kapitalismus in der »long depression« im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. In der marxistischen Tradition war es von Anfang an umstritten, in welchem Verhältnis die Ausbeutung der
Arbeiterklasse im Innern mit der Ausplünderung der dabei entstandenen »Dritten Welt« steht. Marx hatte in seinem Briefwechsel mit Wera Sassulitsch1881 von einer »besonderen historischen
Möglichkeit« gesprochen, dass die Kämpfe der ArbeiterInnen in den entwickelten Gegenden mit denen der Landbevölkerung in Russland zusammen kommen. Die Sozialdemokratie hatte sich stattdessen drei
Jahrzehnte später auf den Standpunkt des deutschen Kapitals gestellt, das »den Negern die Zivilisation bringen« müsse. Rosa Luxemburg hatte dagegen wieder im Gefolge von Marx den Zusammenhang von
Imperialismus und Kapitalismus als permanente »ursprüngliche Akkumulation« zu fassen versucht, um eine revolutionäre Perspektive von unten zu erkunden. Letztlich geschichtsmächtig wurde aber
Lenins Stadientheorie und das davon abgeleitete Bündnis mit den »unterdrückten Völkern«. Lenins Antiimperialismus ist das Gegenkonzept zu »Arbeiterklasse«
und denkt die Revolution von oben.
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