Tuesday, 26. february 2008
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Ein zugegebenermaßen schwierigerer Vorgang ist die weltweite Vergesellschaftung bereits "vergegenständlichter" Produktionsanlagen. Es ist vorstellbar, dass dies erst nach einer relativen
Annäherung der Produktivkraftniveaus möglich sein wird, was mit der Akzeptanz für „Produktpiraterie“ wie z. B. der chinesischen einhergehen muss. Hierbei geht es nicht um einen einmaligen
Rechtsakt, der aus einem Privatbetrieb einen Staatsbetrieb macht. Dessen Zweifelhaftigkeit greift Kuczynski ja mit dem Beispiel der "realsozialistischen" Erfahrungen ja gerade an.
Es stellt sich erst einmal die Frage der Grenzen der Abschaffung des Privateigentums. Den ersten Schlüssel dazu hat Marx selbst im Kommunistischen Manifest angeboten: Er liegt in der Akzeptanz
dessen, WAS denn Gegenstand des Eigentums sein kann. Wie zieht Marx gegen die Vorstellung zu Felde, dass die „Weiber“ als Eigentum aufgefasst würden, dies Grundlage der bürgerlicher Ehe sei, und
bei Anerkennung solcher Denkweise dieselben Weiber nun Eigentum aller Männer werden müssten.Die Entwicklung der Produktivkräfte wird uns also bei immer mehr Sachverhalten nahelegen, wie unsinnig
ihr privater Besitz ist - so wie umgekehrt die Besitzerihrerseits versuchen, aus allem Privatbesitz zu machen, bis sie auf Widerstand stoßen wie im Fall "privater Daseinsvorsorge"
(Wasserversorgung).
Eigentumsverhältnisse sind nun mal Produktionsverhältnisse, die sich mit der Entwicklung der Produktivkräfte verändern. Das ändert auch unser Denkverhältnis zu ihnen. Welche Beziehungen haben die
Ururenkel von Bill Gates zu dessen bedeutenden Leistungen? Was haben sie sich selbst davon schöpfend „angeeignet“? Müssen sie dann Milliarden „Guthaben“ besitzen, das sie nicht verbrauchen,
höchstens privat verschwenden können? Welche Erbschaften sind also akzeptabel?
Welcher Art Eigentum wird also nur bleiben?
Nennen wir es persönlichkeitsbildendes, notfalls vereinfachend persönliches Eigentum, wobei dies missverstanden werden kann. Gehen wir wieder in den Urkommunismus zurück, und zwar in eine Phase,
in der regionalspezifisch in einer Mehrprodukt zeugenden und sich bewusst gegen private Aneignungen behauptenden Gemeinschaft existierte (Brosius).
Den Verstorbenen wurden Gegenstände mit besonderer persönlicher Bindung, egal, ob „wertvoller“ Schmuck, Werkzeuge in individueller Nutzung oder Sachen i.w.S. , die mit dem Menschen besonders eng
verbunden waren, als Grabbeigaben überlassen. Ich meine nun nicht analoge Beerdigungsriten, sondern all das, woran eines einzelnen Menschen „Herz“ hängen kann, wird sein Eigentum sein. Dies kann
eben selbst ein „Handwerksbetrieb“ sein. Der Status des relativen Eigentums ergibt sich aus der allgemeinen Akzeptanz, nicht aber aus dem juristischen Erbtitel.
Die andere Seite, das „Allgemeineigentum“, existiert über reale Verfügungsgewalt. Solch reale Verfügungsgewalt funktioniert nicht bei Beibehaltung reinen kapitalistischen (Privat-)Eigentums (an
den Produktionsmitteln). Umgekehrt ist sie aber nicht durch die formale Deklaration von „Volkes eigen“ erreicht. Kuczynski geht auf die notwendige Entwicklung der Wirtschaftsdemokratie, vornehm
ausgedrückt, etwas wenig ein. In ihr aber liegt der Unterschied.
Sozialistisches Eigentum, wenn wir diesem Begriff Leben einhauchen wollen, ist die reale Verfügung von Großgruppen über die Nutzung aller vorhandenen Produktionsmittel, i.w.S. also noch "privat".
Die Losung „Plane mit, arbeite mit, regiere mit“ drückt dies durchaus gut aus. Sie musste allerdings im Stadium einer volksveralbernden Losung stecken bleiben.
Die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen schließt ein, dass die Werktätigen kreativ bei der Planung ihrer Welt mitwirken können und wollen. Schlimm an den
„realsozialistischen“ Gebilden war, dass sie es sollten, ohne zu können, wodurch sie oft nicht mehr wollten.