Durch die kapitalistische Produktivkraftentwicklung wird nun die Existenzgrundlage der Menschheit bedroht (nach Regenfällen in Kolumbien, 22.2.2008)
Foto: AP
|
Nach Karl Marx bestimmen die Produktivkräfte und die Produktionsverhältnisse in ihrer Einheit den Charakter der jeweiligen Produktionsweise. Im »Kommunistischen Manifest« heißt es: »Auf
einer gewissen Stufe der Entwicklung dieser Produktions- und Verkehrsmittel entsprachen (...) die feudalen Eigentumsverhältnisse den schon entwickelten Produktivkräften nicht mehr. Sie hemmten
die Produktion, statt sie zu fördern. (...) Sie mußten gesprengt werden, sie wurden gesprengt« (MEW 4, S. 467).
Somit entwickelte Marx aus der Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen ihren Widerspruch. Am eindrucksvollsten ist dies wohl formuliert im Vorwort von »Zur Kritik der
politischen Ökonomie«: »Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen (...). Aus
Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein« (MEW 13, S. 9). Dieser Kerngedanke kehrt in vielen
Schriften von Marx und Engels wieder. Aber beide warnen auch, wenn »die Produktivkräfte der bürgerlichen Gesellschaft sich so üppig entwickeln, wie dies innerhalb der bürgerlichen Verhältnisse
überhaupt möglich ist, kann von einer wirklichen Revolution keine Rede sein. Eine solche Revolution ist nur in den Perioden möglich, wo diese beiden Faktoren, die modernen Produktivkräfte und die
bürgerlichen Produktionsformen, miteinander in Widerspruch geraten« (MEW 7, S. 440).
Aber damit entstehen sogleich die entscheidenden Fragen: Wann erreicht denn dieser Widerspruch zwischen Produktivkräften und Eigentumsverhältnissen seinen Höhepunkt, auf dem die Fesseln gesprengt
werden müssen und können? Wann ist diese »gewisse Stufe« erreicht, auf der eine Epoche »sozialer Revolution« eintritt? Woran erkennt man die daraus folgende Möglichkeit und Notwendigkeit der
sozialen Revolution?
Marx und Engels haben diesen Zeitpunkt im »Kommunistischen Manifest« so beschrieben: »Die Produktivkräfte, die ihr (der Bourgeoisie, H. M.) zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung
der bürgerlichen Zivilisation und der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, (...) sie gefährden die Existenz des bürgerlichen Eigentums« (MEW 4, S. 468). »Es tritt hiermit offen hervor, daß die
Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben« (MEW 4, S. 473) bzw. daß »die kapitalistische Produktionsweise ihrem Wesen nach über einen gewissen Punkt
hinaus jede rationelle Verbeßrung ausschließt« (MEW 23, S. 506).
Meißner zitiert im Manifest richtig das Beispiel des notwendig gewordenen Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus: entsprachen (...) die feudalen Eigentumsverhältnisse den schon entwickelten Produktivkräften nicht mehr. Sie hemmten die Produktion, statt sie zu fördern. (...) Sie mußten gesprengt werden, sie wurden gesprengt« (MEW 4, S. 467).
Das war zu dieser Zeit zweifelsfrei in erster Linie ein quantitativer Fall: Die neuen Maschinen brachten die Möglichkeit eine bis dahin unvorstellbare Menge von Produkten herzustellen. Technisch ging das. Aber es wurden eben "freie" Arbeitskräfte gebraucht.
Nun stelle man sich das heutzutage vor!!! In so gut wie keiner Richtung ist eine solche Entwicklung überhaupt wünschenswert (wenn man einmal von dem regionalen Massenhunger absieht, den der imperiale Kapitalismus aber kaum anrührt, weil diesen Hungernden die Zahlungskraft fehlt.
Fortschritte in immer neu konzipierter Unterhaltungsindustrie u.ä., Erneuerung um der Erneuerung, der Bedarfsproduktion wegen.
Wenn dies als Sinn der Gesamtarbeit verstande wird, genauer: so lange wie..., dann wird die Herrschaft der Weltbourgeoisie erhalten bleiben, der Widerspruch Pk-Pv keine sprengende Qualität erreichen.
Der Entwicklungsstand der Pk aber ermöglichte einen ganz anderen Qualitätssprung: Die Arbeitszeit könnte auf ein Bruchteil der jetzigen sinken und die Menschen könnten ihr Hauptaugenmerk auf die breite Entfaltung ihrer Persönlichkeit richten, eine Community der Lebenslust schaffen. Im umfassenden Sinne entzieht sich diese art allumfassende Lust nicht pornographisch zu Ware machen lässt.