Istvan Szarmati
„Gibt ’s Probleme?“
„Nein, nein, ganz und gar nicht.“
Der Pilot bleibt ruhig in der Tür stehen. Istvan fühlt sich immer noch nicht wohl in der Rolle des Commanders für diesen ungewöhnlichen Flug. Endlich sieht sich Boris wenigstens genötigt, eine Decke über seinen nackten Körper und die Standardpuppe Sylvia zu ziehen. Immerhin verkneift er sich ein Is-noch-was? Und nach einem Moment erklärt er: „Wir sind immer noch auf dem programmierten Suchkurs. Zwei Drittel Maximum.“
Istvan lächelt. „Hauptsache, Sylvia behält den Überblick.“
Er schließt die Tür von draußen, schüttelt den Kopf und denkt: Das ist nun der Haufen, der in wenigen Monaten als Helden des Weltraums herumgereicht werden möchte. Na gut, über Sylvia redet dann niemand mehr. Aber es macht seine Aufgabe als Commander mit Sicherheit nicht leichter, dass die heimreisenden Frauen so wenig zu den Männern passen. Sollte er mit Uschi sprechen? Andererseits –wie wird die ihm das auslegen? Als Anmache? Er zuckt mit den Achseln. Normalerweise wären sie alle schon fast auf der Erde, um sich wahrscheinlich nie wieder zu sehen.
Nonscho Barit-En, ein Biometriker der Ko
So etwas darf einfach nicht sein. Und wenn, dann ist das ein wahrhaft schwarzer Tag. Nonscho versucht, sich zum endgültig letzten Mal zu konzentrieren. Einmal noch will er die biometrische Steuerung probieren. Wenn sie dann immer noch nicht funktioniert, wird er zugeben, dass er seiner Arbeitsaufgabe nicht gewachsen ist. Man würde natürlich etwas Geeignetes für ihn finden. Jeder Ko ist nützlich. Aber ist er denn zu Unrecht stolz, etwas Besonderes zu tun? Er würde sich hüten, das anderen gegenüber zu behaupten; dann wäre er ja überheblich. Nur ganz im Ernst: Mit den eigenen Hirnströmen riesige Maschinensysteme zu überwachen und zu steuern, das ist doch eigentlich die wichtigste Arbeit, die einem Ko übertragen werden kann … wenn er sie meistert.
Nonscho peitscht seine Mittelarme auf den Boden. Ein Glück, dass jetzt keiner seine Gedanken liest. Schließlich tut jeder Ko das, was er am besten kann und was anderen nützt. Deshalb sind sie alle gleich viel wert. Das versteht doch jedes Kind, dass kein Ko sich eben genau deshalb einen größeren Anteil an dem Reichtum der großen Gemeinschaft zubilligen darf als andere. Für besondere Gaben kann keiner was – weder dafür, dass er sie hat, noch wenn er sie nicht hat. Im Gegenteil, weil er, Nonscho, sich etwas zu tun anmaßt, was er wohl nicht gut genug kann, ist er ein Ko, der hart an sich feilen müsste. Aber wozu hat er Freunde. Shi muss ihn wieder einmal vor der Blamage retten. Er würde ihn nicht verraten. Der Wert eines Ko liegt in der Tiefe seiner Freundschaften. Während Nonscho versucht, Shi anzukoppeln, empfindet er die Weisheit dieses Spruches. Shi ist manchmal noch ein verspieltes Micro, aber seit dem geglückten zweiten Anlauf mit Ascha ein Talisman für alle Biometriker. Wem immer etwas fehlschlägt, der leuchtet als erstes Shi an. Der scheint mit den alten Telesymbolern am besten klarzukommen. Seine Hirnstrahlen lassen sich am leichtesten verstärken und fixieren. Keiner spottet mehr darüber, dass Shi wohl nur die technischen Einheiten beherrscht, sich aber beim Aufbau seiner biologischen Einheit mit demselben Sinn Ascha gegenüber so hilflos war.