„Ist eure Regierung so konservativ, so schwerfällig? Warum wählt ihr sie nicht ab? Ersetzt sie durch kreativere Führer!“
„Du meinst Rat? Der ist nicht wichtig. Nur Ersatz, wenn Gemeinschaft kann kommen zusammen nicht. Ich wüsste keine kreativeren Führer. Funktioniert denn das bei euch?“
„Ja, eben, …“
Nonscho bemerkt, dass der Mensch unsicher stockt.
„Wenn wir die eine Partei satt haben, dann stimmen wir für die andere und umgekehrt. Aber eigentlich hast du Recht. Irgendwie bleibt immer alles gleich. Deshalb wählen ja überhaupt nur noch wenige Menschen. Ist doch logisch: Wenn du es einmal nach oben geschafft hast, wirst du dich nicht von irgendwelchem Pöbel wieder abschießen lassen. Das brauchst du ja auch nicht, denn du hast die Mittel der Macht: Manipulation, verstehst du? Also mit geeigneten Informationen, egal, ob sie stimmen oder nicht, kannst du jeden dazu bringen, dass er sich sogar noch freut, wenn es ihm schlechter geht als vorher.“ Plötzlich unterbricht er seine Eingabe. „Aber das verstehst du wohl nicht.“
„Vernünftig kommt vor es mir nicht.“
Unsicher leuchtet Nonscho Shi über seinen Rücken an: Willst du ihn etwa einweihen, dass du im Güllscho bist?
Shis ganzer Rücken ist jetzt grün. Nonscho hofft, dass der TS des Fremden nicht mit übersetzt hat. Schnell schreibt er für den Menschen. „Sollen zeigen wir dir einige der Kristalle?“
„Warum nicht“, antwortet Mc Phearson. „Aber so nebenbei hätte ich gern gewusst, was das für Zeug ist.“
„Das du hättest fragen müssen unsere Ahnen. Denn die Entstehung der Kristalle ist Legende. Das Forschungszentrum, in dem gezüchtet worden sein sollen die ersten, ist abgebrannt. Wir wissen nur, dass das Zeug verwandt sein müsste eigentlich mit Karbonium und Silizium und verglichen werden kann mit einem Lebewesen. Es bildet Gitter und wächst, indem es sammelt Energie. Unsere Vorfahren experimentierten viel mit extrem großen Kernen. Wahrscheinlich es war trotzdem Zufall, dass sie erreichten bei Kernladungszahl 256 plötzlich ein neues stabiles Element mit total verrückten Eigenschaften. Wir haben aufgegeben, das Innere der Kristalle zu untersuchen, weil wir zerstören müssten dann wieder eines. Eine Neuzüchtung ist gelungen nicht nachher. Wozu auch – aber das ich habe erklärt ja schon. Die vorhandenen reichen aus. Als unsere Vorfahren fanden endlich Methoden zur gesteuerten Entnahme von Energie, es war nur noch ein kleiner Schritt bis zu unseren Materialisatoren. So wurden glücklich wir wunschlos. Aber nicht junge Ko wie Shi.“
„Warum wohnt ihr dann so spartanisch?“, tippt Mc Phearson ein. Nun zeigt der TS „Nicht definiert“ an. „… so äußerlich ärmlich?“ korrigiert Mc Phearson seinen Ausdruck.
„Was wir brauchen denn? Wir haben alles, und wenn wir vermissen etwas gerade einmal, wir materialisieren es. Durch die Verschmelzungen wir werden geistig reicher immer neu und wirklich. Indem wir sind alle anders, wir sind alle gleich letztlich.“
Wahrscheinlich hätte Shi weiter Vorträge in den TS eingegeben. Aber Nonscho mischt sich nun doch ein: „Wollten wir unserem Gast nicht unser Kristalllager zeigen?“ Er öffnet eine Tür, deren Bedienplatte unbenutzt aussieht. In dem Gang dahinter bewegt sich Nonscho vor den anderen her. Trotzdem entgeht ihm die Erregung nicht, die den Menschen erfasst hat.
„So, da wir wären. Das unser Reservelager ist mit den Kristallen ohne aktuellen Einsatz und Energiesammlungsfunktion.“
„Wie ein Diamantenschuppen. Ein unermesslicher Reichtum.“ Mc Phearson nickt mit dem Kopf. „Da werdet ihr wohl noch eine Weile mit auskommen.“
„Manchmal ich glaube, dieser Reichtum ist das Schlimmste, was passieren konnte unserem Volk. Jeder Schlangenbaum in unseren Wäldern, der die Ur-Ko zwang zur Aufmerksamkeit, ihnen war Herausforderung, und der Entwicklung ihrer Gehirne tat besser als das hier. Bald wir entwickeln uns auch zurück nach außen sichtbar. Innerlich wir sind dabei schon.“
„Shi, nun übertreib nicht immer so! Was soll denn unser Gast von uns denken?“
Der aber tippt in sein TS: „Welcher Mensch würde sich über einen Reichtum wie euren nicht freuen?“
„Wenn ihr sucht solche Freude, wir helfen gern euch. Das kein Problem ist. Ihr könnt pflegen doch euren Flugkristall später. Bestimmt bekommt ihr mit noch ein paar kleine von hier als Geschenk.“
Nonscho bemerkt, wie sich der Mund des Menschen bewegt. Als ob er mit den Lippen trommelt. Leider zeigt der TS keinen Sinn an.
„Ich sollte an meinen Arbeitsplatz mal wieder“, verabschiedet er sich von den beiden Besuchern. „Ihr scheint wirklich wenig Wert auf diesen Reichtum zu legen?“ sieht er den Menschen weiter fragen. Auch Shis Antwort fängt sein TS noch ein. „Ihr habt seltsame Ausdrücke. Reichtum klingt wie besonders schön oder nützlich. Dabei diese Kristalle hier nichts als Reserve. Überhaupt kein Sinn…“ Mehr liest Nonscho nicht mit. Es ist ihm zu kompliziert. Außerdem scheint auch der Mensch sein anfängliches Interesse verloren zu haben.
Eigentlich ist es eine interessante Begegnung gewesen. Warum fühlt sich Nonscho dann nur so bedrückt? Obwohl er keinen Grund zum Ärgern weiß, schimpft er sich vergeblich einen Grün-Ko, was der TS den Menschen wohl als Trottel übersetzt hätte. Was hat er nur falsch gemacht?
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