Freitag, 16. mai 2008
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sollte schon etwas Besonderes sein – und ist doch nur ein kleines Anhängsel an eine kleine Artikelfolge. Es ging mir um Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung und dabei um Gesetzmäßigkeiten, wie in der Biologie sich das Gesetz der Entwicklung vom Niederen zum Höheren zeigt. Dabei wagte ich, die Darwinsche Lehre als Entwicklungslehre anzugreifen – allerdings nicht aus „kreationistischem“ Blickwinkel natürlich.

Fragen wir noch allgemeiner:

Warum bleibt die Erde genau auf der Bahn, auf der sie sich um die Sonne bewegt – weshalb die Bedingungen für das Leben auf diesem Planeten relativ konstant positiv bleiben? Warum bleibt die Entfernung zur Sonne konstant?

Wer sich damit beschäftigt, wird sehen, dass dies auf einem ausgleichenden Zusammenspiel einander entgegen wirkender Kräfte beruht: Auf der einen Seite die Anziehung der Sonne – auf der anderen Seite die aus der Bewegung erwachsende Fliehkraft der Erde.

Wer andere wesentliche „Zustände“ genauer beobachtet, wird dieses scheinbare Nullsummenspiel überall antreffen. Bei manchen Vorgängen fällt es uns nur nicht auf. Wer wunderte sich darüber, auf einem Stuhl zu sitzen? Kreativität und bewusste Sitzhaltung des Menschen… gleichen natürlich die Erdanziehung aus, schaffen vorübergehend ein Gleichgewicht, durch das wir unnatürlich sitzen können – ansonsten würden wir auf dem Untergrund landen, je nach Form und Wirkung der Erdanziehung.

Dieses Prinzip sollte bei der Entwicklung des Lebens nicht gelten?

Ich möchte noch einmal meinen Anti-Darwin aufnehmen, weil er möglicherweise selbst ungenau bzw. unvollständig ist.

Ich bleibe dabei, dass die Entstehung und Entwicklung der Arten (nur) durch Auslese eine einseitige und damit falsche Darstellung ist. Aber ich muss ergänzen, dass dies unter mehreren Gesichtspunkten zutrifft.

Ausreichend dargestellt ist die vom Ursprung her, dass also Auslese immer nur aus etwas Vorhandenem vorgenommen werden kann, sie also wenigstens mit einer Sinnlosigkeit des Entstehens von dem verbunden sein müsste, was nachher negativ ausgelesen wird.

Genauso wichtig ist jedoch die Gleichgewicht herstellende Richtung der Entwicklung.

Gäbe es NUR die Auslese der Stärksten, der Angepasstesten, dann blieben diese theoretisch irgendwann allein übrig (im Vergleich hieße das beim obigen Bespiel stürzte die Erde in die Sonne).

Es muss also eine Gegenkraft geben, die die Wirkung der Darwinschen Auslesekraft ausgleicht. Und die gibt es wirklich: Nennen wir sie Biodiversifizierungskraft.

Es bilden sich in der Natur immer neue sprunghafte Abweichungen, die eventuell in einer neuen Lücke höherer Ebene Platz finden. Die ganze Natur ist aber voll von Lücken. Gleichgewichte bestehen eben nicht nur zwischen Raubtieren und Pflanzenfressern, nicht nur zwischen Pflanzenfressern und von ihnen gefressenen Pflanzen, nicht nur zwischen diesen „Futterpflanzen“ und anderen Pflanzen, nicht nur zwischen diesen Pflanzen und sie bestäubenden Insekten, nicht nur zwischen diesen Insekten und dem, was sie jeweils als Nahrung aufnehmen, sondern z. B. auch zwischen allen diesen „Kettengliedern“ und niedrigzelligen Parasiten, die durch Mitvermehrung von Krankheiten eine explosionsartige Ausbreitung eines Kettengliedes verhindern (sollen) und mitunter zu „Kettengliedern, die auf den ersten Blick absurd oder an den Haaren herbeigeholt erscheinen. Bei zu einfachen Abhängigkeiten aber könnten z. B. alle Mitglieder einer Population Jagdbeute der anderen geworden sein, was danach auch das Aussterben des Jägers zur Folge hätte.

Die Richtung der erschaffenden „Auslese“ in der Natur ist (tendenziell) eine so unüberschaubares Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten, dass sich stabile Gleichgewichte innerhalb von dauerhaft kurzfristigen Ungleichgewichten ergeben. (Ein Mückenjahr führt deshalb zu keinem Anwachsen der Mücken auf Jahre usw.)

Trotzdem erreicht die spontan sich regulierende Natur einen Punkt, wo sie sich nicht mehr selbst verbessern kann. Hier greift bewusste Intelligenz ein. Diese besäße potentiell die Möglichkeiten, harmonische Naturkreisläufe zu kreieren. Allerdings erst nachdem diese Intelligenz sich dieses Ziels bewusst geworden ist und es sich zu eigen macht (dieses Ziel, nicht die Natur). Das Risiko für die Natur ist der Zeitraum des Übergangs, indem die handelnde Intelligenz bereits umgestaltend in alle Kreisläufe eingreift, sie aber in ihrer Komplexität nicht versteht bzw. verstehen will.  U. U. muss dann die Selbstregulierungskraft der Natur die eingreifenden Zerstörungsmechanismen eliminieren.

veröffentlicht in: Anti-Darwin Community: Linke Literatur & Toleranz
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