Wahrscheinlich strotze ich vor Naivität. So bin ich früh in die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit eingetreten, also zu Zeiten, als sie noch ein Verein und eine Partei war.
Ich erlebte kurz eine stürmische Aufbruchsstimmung. Hier in Berlin war „links“ total „in“. Vom Grundkonsens war klar: Das, was da entstehen sollte, sollte die Entgleisungen, die die PDS in Richtung „neoliberale Politik“ oder „Realpolitik“ durchspielte – zu Lasten der einfachen Menschen – sichtbar machen, abfangen, in linke Opposition gegen den Senat bündeln.
Ein ehrenwertes Ziel.
Aber schon in Runde 1 gab es Grund, die Augenbrauen hochzuziehen wie Mr. Spock in seinen schönsten Zeiten. Da schoss eine Abwahlinitiative gegen den Berliner „rot-roten“ Senat als Hexenring wilder Pilze aus dem Boden, die anfangs nur gegen etwas war … und offenbar in Kauf nehmen wollte, dass eine CDU/FDP-Regierung die existierende ablöste. Insofern akzeptierte sie merkwürdige Bündnispartner und verstand nicht das Unverständnis politisch Interessierter.
Immerhin beeindruckte mich die Breite des Spektrums an Interessierten, die in Berlin durchaus kommunistische Ansätze einschloss und damit durchaus den basisdemokratischen Gründungskonsens sehr positiv interpretierte. Mich irritierte mitunter nur die teilweise totale Unbedarftheit beim Umgang mit Begriffen und Gesellschaftsbildern. Aber das schien mir bei der ja beabsichtigten unterschiedlichen Herkunft der Beteiligten nur natürlich. Schließlich ist es erst einmal eine Nebensache, ob jemand die heutige Gesellschaftsordnung Kapitalismus oder anders nennt – wenn er dasselbe meint – und ob er sie zur Hölle schicken will, weil ihm das das Kommunistische Manifest oder die Bergpredigt nahe liegen. Und wer bestimmte Übel dieser Gesellschaft ehrlich verändern will, muss (so meine damalige Überzeugung) irgendwann merken, dass es in ihren eigenen Grenzen nicht geht, also ihre Wurzeln ausgerissen werden müssen. Jeder Gärtner kennt diese Weisheit, dass Unkraut nur so halbwegs dauerhaft bekämpft werden kann.