1948 ging alles Schlag auf Schlag. Am 20. März stellten die Westmächte die Mitarbeit im ,,Alliierten Kontrollrat für Deutschland ein. Am 24. April begann die zweite Tagung der Londoner Separatkonferenz der Westmächte über Deutschland. die die Gründung eines Staates aus den drei westlichen Besatzungszonen empfahl. Am 16. Juni legten die Westmächte die Alliierte Kommandantur der Stadt Berlin lahm. Am 18. Juni proklamierten die Mlltärgouvemeure der Westzonen eine eigene Währung. Am 24. Juni wird auch in den Westsektoren Berlins die neue Währung eingesetzt. Am 1. September beginnt mit der Konstituierung eines ,,Parlamentarischen Rates" der westdeutschen Länder in Bonn die Gründung eines westdeutschen Teilstaates. Am 10. Dezember beginnen in Washington die Schlussverhandlungen über die NATO-Gründung. Am 27. Dezember empfehlen die Vereinigten Stabschefs der US-Militärs dem Präsidenten, mit Kernwaffenschlägen 70 sowjetische Industriegebiete und Großstädte zu vernichten. Nun ging es um Leben und Tod. Dem entsprach eine Hetze, die kaum 36 Monate nach dem Hitlerfaschismus in Deutschland offene Ohren fand.
Den USA und ihren deutschen Vasallen mussten die Grenzen ihres währungspolitischen, wirtschaftlichen und militärpolitischen Vorgehens deutlich gemacht werden. Auch galt es, die Wirtschaft der ostdeutschen Länder vor verheerenden Folgen der westlichen Währungsabspaltung zu schützen. Besonders der Hauptstadt drohte mit der Einführung der US-D-Mark das Chaos. Die ostdeutschen Landesregierungen, der Berliner Magistrat. die sowjetische Besatzungsmacht trafen Vorkehrungen, um das massenhafte Eindringen im Westen wertlos gewordenen Geldes zu verhindern. Briefmarken ähnliche Aufkleber sorgten notdürftig für Unterscheidung. Strenge Kontrollen und auch Sperrungen an Zonen- und
Sektorengrenzen wurden unvermeidlich. Allerdings war es im Juni 1946 nicht leicht, den USA und den deutschen Revanchisten ihre Grenzen zu zeigen, denn die UdSSR brach erst 15 Monats später das Atombombenmonopol der USA.
Auch bedurfte es gewaltiger Anstrengungen, um den Berlinern in den Westsektoren vor Augen zu führen, dass sich die Schritte des Ostens nicht gegen deren Versorgung richteten. Deshalb konnten die Berliner der Westsektoren ihre Lebensmlttelkarten in Geschäften an den Grenzen des Ostsektoren anmelden und dort auch einkaufen. Jedoch nur etwa 100 000 Menschen nutzten diese Möglichkeit. Die Annahme sowjetischer Lebensmittellieferungen In die Westsektoren lehnten die Westmächte brüsk ab. Selbst Verhandlungen über Strom- und Gaslieferungen verweigerten sie. Als der in Westberlin amtierende Oberbürgermeister Friedensburg in die Leipziger Straße im sowjetischen Sektor fuhr, um über ein ostdeutsches Angebot zu reden, wenigstens Brlketts, Brennholz und Einkellerungskartoffeln gegen die schlimmste Not zu liefern, konnte er etwas erleben. Der britische Militärkommandant befahl Ihn zu sich und brüllte ihn an: I shall kill youl Die Westberliner darbten und froren weiter. Und alle vom Antikommunismus benebelten, glaubten an eine ,,sowjetische Hungerblockade".