Samstag, 28. juni 2008

Das Chaos kommt doch immer näher! Immer mehr Entscheidungsfähige werden es bemerken, und sie werden so darauf reagieren, wie sie es verstehen. Und die einfachste Reaktion ist die: Wenn für zehn alle Reserven für zwanzig Jahre reichen, dann reichen sie für fünf noch vierzig, für zwei für hundert, für mich allein sogar noch für unerreichbare zweihundert Jahre. Irgendwie werden wir einen neuen Kannibalismus bekommen. Im großen Stil natürlich. Die Welt wird aufgeteilt in Iraks und Nicht-Iraks. Kreuz und quer, also Irakis sind natürlich auch solche Habenichtse wie ich. Noch lebe ich in Nicht-Irak. Wie lange noch? Wie lange darf meinesgleichen noch arbeitend darauf hoffen, mit Beutetropfen aus den immer mehr Iraks rundum durchgefüttert zu werden? Wo Hunde sind, sind Herrchen nicht weit, Leitwölfe, Leitkulturwölfe, die die Halbwölfe brauchen, die glauben, was zu sein, was sie nicht sind.

Ich glaube gar nichts. Ich schiebe meinen angespitzten Hirnpenis in die Sofaritze und versuche ihn mit meinem breiter werdenden Hintern abzudecken. Es gelingt mir nicht. Mir fällt immer wieder ein, daß ich schon sehe, was da auf mich und dich und alle zukommt. Und ich weiß warum. Und ich weiß, was ich dagegen machen kann und du und alle. Und ich weiß, daß es dasselbe ist, nur, daß ich es allein tu, es dem Brüllen gegen den Sturm entspricht. Es ist so sinnlos.

Ja, was da mit unbarmherziger Notwendigkeit auf uns zukommt, ist nicht ein Krieg. Es wird das Gefühl sein, in einem immerwährenden Krieg zu leben. Einem Krieg gegen den Terror, der der Krieg des Terrors sein wird. Mitteleuropa hatte so einen ähnlichen Zustand schon einmal erlebt. Heute heißt das Dreißigjähriger Krieg. Für die, die da friedlich arbeiten wollten, wechselten die Fronten rasch. Mal waren es die einen, die die Hütte anbrannten und den Stall plünderten, mal die, die das Land vor eben jenen zu befreien vorgaben, die die Tochter, die sich beim ersten Durchmarsch versteckt hatte, vergewaltigten. Nur hatten die Söldner dieses Krieges damals keine Raketenwerfer und Atomwaffen. Ihr Guantanamo zog mit ihnen weiter, wenn sie in der nächsten Schlacht dem Kriegsgott opferten.

Mensch wird sich dran gewöhnen.

veröffentlicht in: Zukunft denken Community: Linke Literatur & Toleranz
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