Sonntag, 29. juni 2008

Aber Mensch wird dabei die Schätze, die ihm die Natur bisher nicht vorenthalten konnte, wie ein riesiger Hans im Unglück verschwenden, bis nichts mehr da ist. So einen winzig kleinen Vorgeschmack bekommen wir gerade zu kosten. Damit die Leitwölfe übersättigt bleiben können, geht es den einfachen deutschen Massenmenschen ein klitzekleines bisschen schlechter. Sie dürfen sich nicht mehr sicher fühlen. Die ersten von ihnen dürfen merken, dass sie überflüssig geworden sind. Zurück in die Antibabypille und als halbverdaute Hülle ausgeschieden und runtergespült. Wenn sie sich wenigstens den Goldenen Schuss setzten. Nein, sie müssen die Alimente ihres Räuberstaates vorm Frühstücksfernsehen versaufen. Bekiffte Schüler haben es verstanden. Sie sind Müll, bevor sie verwendet wurden. Ich habe da noch geträumt, wozu ich alles gut sein würde. Mein Kind träumt das auch. Ich hasse die alltägliche Angst, wie die Filterlöcher der Auslese ständig kleiner werden, bis mein Nicht-Super-Kind hängen bleibt. Soll ich es ihr erzählen? Ihr meine Sorgen weitergeben? Vielleicht hat sie Glück? Bei jedem Casting gibt es auch einen (einzigen) Sieger.

Das ist es nicht. Nennen wir den Teufel einfach beim Namen: Kapitalismus.

Spuck, ätz, nun ist es raus!

Die Natur sei ein ewiges Fressen und Gefressenwerden. Falsch! Die Natur ist ein ewiges Wachsen. Dazu gehört das Fressen. Aber dieses Fressen begrenzt sich selbst: Gingen in einem Revier die Beutetiere aus, verminderte das die Zahl der Räuber, bis von beiden wieder ein Gleichgewicht bestände. Die Menschen schaffen sich ihre Gleichgewichte aber nicht nach blinden, ungeschriebenen Naturgesetzen, sondern sie schaffen sich ihre Gleichgewichte nach ihrem eigenen Verstehen. Das funktionierte wunderbar, solange es wirtschaftlichen Fortschritt gab. Manchmal funktionierte das etwas grausam. Deshalb Manchester- oder Raubtierkapitalismus, aber das Ergebnis zählte. Mehr Schiffe, mehr Maschinen, mehr Bedürfnisse, die befriedigt werden konnten, mehr Brosamen für die Rehpinscher am Trog der Siegernationen. Wenn denn mehr zu verteilen war. An wen aber sollen wir die Speicherchips der neuen Werkzeugmaschine verteilen? Wenn ich eine automatische Produktionsstrecke habe, was soll ich dann noch mit den nicht arbeitenden Menschen, deren Wohnwunsch die grüne Landschaft verschandelt? Die wollen nur von mir abhaben!

veröffentlicht in: Zukunft denken Community: Linke Literatur & Toleranz
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