Montag, 30. juni 2008

Wie wahrscheinlich wird das 21. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung zum Endpunkt der menschlichen Existenz – philosophisch?

 

Philosophie ist etwas Anmaßendes. Sie ist die Wissenschaft, die die Erkenntnisse aller Einzelwissenschaften zu einem Gesamtkonzept verbindet, das die grundlegenden Zusammenhänge des Seins mit allen seinen Widerspiegelungen darstellen muss, um daraus vernünftige Handlungsanleitungen für die Menschheit abzuleiten.

Aus dieser Definition ergeben sich bereits notwendige Einwände: „Die Menschheit“ ist eine abstrakte Kategorie, die es in dieser Selbsteinschätzung aller konkreten Menschen nur sehr graduiert gegeben hat und gibt. Die Marxisten fanden daher eine engere, die geschichtlich Handelnden genauer charakterisierende Kategorie: Die Klassen. Sie entdeckten, dass es Gruppen von Menschen innerhalb der theoretischen Gemeinschaft „Menschheit“ gab (und gibt), die auf Grund ihrer Stellung in eben dieser Gesellschaft eine verengte Sicht auf die Verhältnisse haben müssen, weil sie ihre Interessen eben als die der Menschen als Ganzheit (der Menschheit) empfinden. Was für mich gut ist, ist auch für alle gut.

Am einfachsten zeigt sich dies in den Sklavenhalterordnungen der Antike. Bei den Griechen waren einfach nur Freie „Menschen“. Die Sklaven waren Produktionsmittel, mit denen nach eigenem Gutdünken pfleglich umzugehen war. Die Demokratie schloss per Definition von vornherein die biologischen Menschen vom Status „Sklave“ aus der Menschengemeinschaft aus. Es war selbstverständlich für die großen Denker dieser Zeit, wer zum Volk gehörte – die Sklaven nicht.

Auch Philosophen des Bürgertums meinten, dass das, was sie aus ihrer Sicht für richtig erscheint, auch im allgemein-menschlichen Sinne richtig sein muss. Soweit sich dies auf die Zerstörung der feudalen Entwicklungsschranken bezog, war dies vorübergehend sogar unangefochten richtig.

Ein Problem ist natürlich generell, dass eine Dachwissenschaft nur die geistigen Zuarbeiten der Einzelwissenschaften verarbeiten kann, sich auf das Material von deren empirischen Untersuchungen stützen muss. Das trifft besonders auf die Geschichtsforschung zu.

An beiden Mängeln schwächelt der klassische Marxismus. Bei ihm kommt noch ein verstärkendes Element dazu: Er vertritt zwar den Standpunkt der historischen Entdeckung „Arbeiterklasse“, wurde aber erarbeitet und weiterentwickelt von Menschen, die sozial ihrer eigenen Arbeiterklassendefinition nicht entsprachen und sich selbst in etwas hineinzudenken versuchten, was sie selbst nicht waren. Somit beschränkten diese Marxisten ihre Sicht auf die Brille der ihr nahe stehenden Arbeiterklasse, konnten aber auch nur geschichtliche Prozesse verarbeiten, die bis dahin vorlagen.

veröffentlicht in: Zukunft denken Community: Linke Literatur & Toleranz
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