Dienstag, 8. juli 2008

Gegner der Planwirtschaft behaupten, daß es in einer zentral geplanten Wirtschaft wenig Anreize gibt. Kann die Verwendung moderner Technologie diesen Mangel lösen?

Sie kann helfen, weil die Produktivitätskontrolle einfacher wird. Aber die Anreiz-Frage wird oft aufgebauscht. Nehmen Sie moderne Open-Source-Soft­ware, den Linux-Betriebssystemkern zum Beispiel. Leute aus der ganzen Welt leisten in ihm eine großartige Arbeit, und die Anreize sind in erster Linie nicht materiell. Die Mitwirkenden genießen das Gefühl, etwas geleistet, eine gute Arbeit vollbracht zu haben, und die Anerkennung ihrer Gruppe. Wir sähen gern, wenn sich dieses Modell auf alle Formen der Produktion erstreckte. Die Abschaffung kommerzieller Geheimhaltung würde in dieser Hinsicht helfen.

Was waren Ihrer Meinung nach die Gründe für den Mißerfolg der zentral geplanten Ökonomien?

Das ist eine sehr große historische Frage. Ein Teil der Antwort besteht darin, daß mit der Oktoberrevolution der Sozialismus in einem rückständigen, zum größten Teil durch Bauern geprägten Land in feindlicher Umzingelung triumphierte. Der folgende Bürgerkrieg und die Diktatur hinterließen einen unheilvollen Stempel auf der Entwicklung des Sozialismus sowjetischen Typs, was am Ende nicht bewältigt werden konnte. Aber wir würden zwei spezifisch ökonomische Faktoren hinzufügen. Erstens machten die Sowjets den Fehler, die Arbeit unterzubewerten und damit zu verschwenden. Die Löhne waren niedrig und Verbrauchsgüter hoch subventioniert. Wie sagte schon Marx über den Kapitalismus: Wo die Arbeit billig ist, wird sie verschwendet werden; der Anreiz zu arbeitssparender Innova­tion fehlt. Wir schlagen vor, die Kosten für Güter und Dienstleistungen in ihrem vollen Umfang, d. h. ihren direkten Kosten plus indirektem Arbeitsinhalt, zu berechnen. Zweitens war die für eine effektive Planung der Volkswirtschaft erforderliche Computertechnologie erst in den achtziger Jahren herangereift – da waren die Sowjets aber bereits auf dem Weg zu »Markt«-Reformen, die die Integrität des Planungssystems unterminierten und den Weg für die Wiederherstellung des Kapitalismus vorbereiteten.

Auf technischem Niveau hatten die Sowjets Fähigkeiten zur Planung in jenen Sektoren der Wirtschaft ganz gut entwickelt, die die höchste Priorität hatten, wie Verteidigung und Raumfahrt. Aber sie hatten nicht die Computerressourcen, um eine detaillierte Planung auf die gesamte zivile Wirtschaft auszudehnen; sie konnten sich nur auf eine kleine Teilmenge der Produkte konzentrieren.

FF
veröffentlicht in: Theorie Community: Linke Literatur & Toleranz
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