Aus meiner Kindheit

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Ob die Ausführungen zu meinen DDR-Erlebnissen jemals an anderem Ort veröffentlicht werden, vermag ich noch nicht zu ahnen. Da sie in ihrem Untypischen gerade das Typische für die Ansätze des Sozialismus in der DDR zeigen und andeuten, wo es hätte lang gehen müssen und können, veröffentliche ich es einfach hier.

 

...Keine Ahnung, wie ich geworden wäre, wäre meine Familie nicht im Frühjahr vor Abschluss der ersten Klasse in die Stadt gezogen. Zuvor war ich als Außenseiter regelmäßig verprügelt worden. Das wichtigste Gefühl meinen potentiellen künftigen Mitschülern gegenüber war am Anfang deshalb nackte Angst. Um keinen Preis wollte ich aber wieder so isoliert bleiben wie zuvor.

Die Rolle des Chefs war vergeben, die des Klassenkaspers frei, und wenigstens in den folgenden drei Jahren füllte ich sie fantasievoll aus. Den Unterricht zu stören fiel mir nicht schwer und die dümmsten Kinderwitze verwandelten sich in meinem Mund in lange Geschichten. Die Rolle hatte mehrere „Vorteile“: Man schenkte mir Aufmerksamkeit und beim großen Mitschülermobbing konnte ich zusehen. Das Hauptopfer war über viele Monate ein Mädchen, das durch ihren Geruch und ihre staksigen Bewegungen auffiel und das Hinundherschubsen dadurch vergnüglicher machte, dass sie so herrlich Angst zeigte und „Was hab ich euch getan?“ oder „Lasst mich doch in Ruhe!“ jaulte. Dem Zugriff der Lehrer entzog sich der Terror dadurch, dass „Erdnuss“ erst nach Unterrichtsschluss und draußen vor dem Schulgebäude gequält wurde. ...

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