Ausgefuchstes (2)

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Nachdenken über vergangene Fehler

 

Nachher ist man immer klüger. Eine der ewig wichtigen Fragen ist die, wer ist wie weit in welcher Situation ein Verbündeter. Da kann man viel falsch machen. Wenn man die Gedanken dieses Bürgerlichen heute liest, scheinen sie einem Teil der "Linken" beeits zu links ...

 

Neues Nachdenken über die kritische Friedensforschung 

Nach der Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten und Willi Brandts zum Kanzler Anfang der 70er Jahre entwickelte sich in Teilen der Bevölkerung der BRD die Hoffnung, es werde möglich sein, aus der von der CDU getragenen aggressiven Politik des Kalten Krieges auszubrechen. In dieser Atmosphäre erlebte die Friedensbewegung einen bedeutenden Aufschwung, und in ihr erlangte auch die wissenschaftliche Erforschung zu Problemen von Krieg und Frieden wachsende Bedeutung. Eine einflußreiche Strömung war die kritische Friedensforschung, als deren Repräsentanten Senghas, Narr, Krippendorf und vor allem der Norweger Johan 

Galtung genannt seien.

Das Neue von Galtungs Ansatz war die Unterscheidung von negativem und positivem Frieden sowie zwischen personeller und struktureller Gewalt. Frieden sei nicht erreicht, wenn lediglich die Waffen schwiegen, vielmehr müsse die strukturelle Gewalt überwunden werden, um zum positiven Frieden zu gelangen. Strukturelle Gewalt sei dann gegeben, wenn gesellschaftliche Verhältnisse bestünden, unter denen Millionen Menschen verhungern, obwohl auf der Erde die natürlichen Bedingungen vorhanden sind, 12 Milliarden Menschen ausreichend ernähren zu können. Sie werde angewandt, wenn in Afrika Kinder an Krankheiten sterben, die in Europa leicht zu heilen sind und für deren Behandlung die Pharmakonzerne über genügend Medikamente in ihren Lagern verfügen. Strukturelle Gewalt sei 

es auch, wenn Agrarkonzerne die Preise für Lebensmittel durch Spekulation so in die Höhe treiben, daß sie die Masse 

der Bevölkerung nicht mehr erwerben könne, während zugleich die kleinbäuerlichen Betriebe zugrunde gerichtet würden. Schließlich müsse man auch von struktureller Gewalt sprechen, wenn die Lebenserwartung der oberen Schichten der Gesellschaft fast doppelt so hoch ist wie die der ärmeren.

Der norwegische Gelehrte schuf nicht nur eine neue Theorie, sondern nahm auch selbst aktiv am Friedenskampf teil: 

durch persönlichen Einsatz bei der Konfliktlösung und schriftliche Meinungsäußerungen wie jüngst beim von außen 

angefachten Syrienkonflikt. Gegen alles Kriegsgebrüll gerichtet, schrieb er: „Wenn statt der neumodischen und höchst blutigen NATO-Einsätze die klassische internationale Friedenssicherung gemäß Kapitel 5 der UN-Charta wieder bemüht werden könnte, wäre einem anspruchsvollen Frieden konkret geholfen.“ 

Der Verfechter dieses Gedankens wurde für seine Aktivitäten mit dem Alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sein Denkansatz zu struktureller Gewalt und positivem Frieden ist heute in der Sozialwissenschaft weitgehend anerkannt und dient vor allem in Afrika und Lateinamerika als Ausgangspunkt für tiefer lotende gesellschaftswissenschaftliche Untersuchungen. 

Bekannt wurde auch der geplante Auftritt des namhaften UNO-Menschenrechtlers Jean Ziegler (Schweiz) bei den jüngsten Salzburger Festspielen. In dessen vorbereitetem Manuskript heißt es: „Es wurden durch die EU-Staaten, die USA, Kanada und Australien viele Milliarden an die ,Bankhalunken‘ gezahlt, zur Rettung der Spekulationsbanditen. Aber für humanitäre Soforthilfe ist kein Geld da.“ Es versteht sich, daß diese Rede nicht gehalten werden durfte.

Wir Friedensforscher der DDR verfolgten die hier dargestellten Überlegungen der kritischen Friedensforschung mit regem Interesse, jedoch überwiegend mit Skepsis, statt Gemeinsamkeiten mit ihr zu suchen und herauszuarbeiten. 

Dr. sc. Fritz Welsch, Berlin

Veröffentlicht in politische Literatur

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