Ausgefuchstes (6) - Chiles Kommunisten ...

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Irgendwie beeindruckend: Also ich zumindest wusste nicht, dass dem Wahlerfolg Allendes so viele aus unterschiedlichen Gründen fehlgeschlagene Anäufe vorausgegangen sind. Man braucht also Ausdauer und die richtigen Menschen im richtigen Moment ...

 

Zum Hundertsten der KP Chiles 

Grüße an die Partei von Pablo, Luis, Victor, Gladys und Camila

 

Seit 100 Jahren gibt es nun schon in Chile organisierte Kommunisten. Am 12. Juni 1912 gründete der Buchdrukker Luis Emilio Recabarren mit 30 Bergleuten und Proletariern anderer Berufe in den Räumen der Zeitung „Despertar de los Trabajadores“ die Sozialistische Arbeiterpartei. Diese nahm dann auf ihrem 2. Kongreß im Januar 1922 den Namen KP Chiles an, nachdem sich ihre Mitglieder für den Anschluß an die durch Lenin begründete Kommunistische Internationale (Komintern) ausgesprochen hatten. 

Seit ihren frühen Tagen sah sich die KPCh wütenden Attacken seitens der Herrschenden ausgesetzt. Wiederholt 

gipfelten deren Repressalien im totalen Entzug legaler politischer Betätigungsmöglichkeiten. Doch immer aufs neue verstand es die Partei, sich abermals zu konstituieren. Mitglieder der KPCh wurden mißhandelt, eingekerkert und in nicht geringer Zahl ermordet. Unter den Opfern des weißen Terrors befand sich auch Chiles großer Volkssänger und genialer Songwriter Victor Jara.

1933 schloß sich die KPCh mit der Sozialistischen Partei, der Radikaldemokratischen Partei und der  Gewerkschaftszentrale erstmals in einer Volksfront zusammen. Sie unterstützte das republikanische Spanien und leistete der UdSSR nach Hitlers Überfall ebenfalls beträchtliche materiell-moralische Hilfe. Obwohl einmal mehr in den Untergrund gezwungen, stand die KPCh bereits 1952 an der Seite Salvador Allendes, als dieser erstmals bei Präsidentschaftswahlen kandidierte. Um ein erfolgreiches Abschneiden des Sozialistenführers zu begünstigen, 

hatte sich eine Nationale Befreiungsfront aus Kommunisten und Sozialisten formiert, die unter den damals gegebenen 

Bedingungen allerdings noch keine Siegeschancen besaß. 1958 unterstützte die KPCh mit ihrem antiimperialistischen und antioligarchischen Programm im Rahmen der Volksaktionsfront (FRAP) wiederum Salvador Allende. Obwohl dessen Stimmenanteil diesmal erheblich anwuchs, verhinderte eine rabiate antisozialistischantikommunistische Haßkampagne der chilenischen Reaktion und ihrer Medien auch diesmal seine Wahl. 

In der Folgezeit nahm der Einfluß der KPCh weiter zu. 1964 ließ die Massenunterstützung für Allende, der abermals 

antrat, auf dessen Sieg hoffen. Doch in letzter Minute zogen die Rechtsparteien die Notbremse: Ihre Kandidaten steckten ausnahmslos zugunsten des christdemokratischen Bewerbers Eduardo Frei zurück und sicherten so dessen Einzug in die Moneda.

Als sich sechs Jahre später unter dem Namen Unidad Popular eine neue Linksallianz bildete, schlug das Pendel zu deren Gunsten aus. Allende errang den Sieg. Seiner Regierung gehörten auch mehrere kommunistische Minister an. Als der Präsident dann zur Verstaatlichung der Kupferindustrie schritt und Maßnahmen einleitete, um die Lebensbedingungen der ärmsten Chilenen spürbar zu verbessern, schrillten in Washington wie bei den einheimischen Oligarchien die Alarmglocken. 

Am 11. September 1973 entfesselte die CIA bei maßgeblicher Mitwirkung Henry Kissingers einen von langer Hand vorbereiteten Putsch faschistischer Militärs unter Führung des Generals Augusto Pinochet. Der Konterrevolution fielen 

Tausende Linke, darunter viele Kommunisten, zum Opfer. Zehntausende Antifaschisten wurden verschleppt oder in die Emigration gezwungen. 

Chiles Nationaldichter Pablo Neruda fand unter ungeklärten Umständen den Tod. Die Version, er habe Selbstmord begangen, wird mit gutem Grund angezweifelt. Die Schergen verhafteten auch den in die Illegalität gegangenen KPCh-Generalsekretär Luis Corvalan, der im Ergebnis einer internationalen Solidaritätskampagne freikam und nach Moskau ins Exil gehen konnte. Dem Terror der ans Ruder gelangten Faschisten die Stirn bietend, formierte sich 1974 – 

nach der Verhaftung oder Exilierung der meisten ZK-Mitglieder – eine neue illegale Inlandsleitung.

1990 wurde Pinochet nach 17jähriger Schreckensherrschaft zur Aufgabe gezwungen. Dennoch bestanden auf Grund einer Reihe unter der Diktatur eingeführter „Gesetze“ und der weiter geltenden Verfassung bestimmte Regelungen fort, die den politischen Handlungsspielraum der KPCh und deren Teilnahme an der parlamentarischen Arbeit stark einschränkten. Trotz dieser diskriminierenden Bedingungen beschloß die Partei, sich auf allen Ebenen den Wählern zu stellen. 

1999 errang die unvergessene KPCh-Generalsekretärin Gladys Marin, die als Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei 

angetreten war, mit einem Stimmenanteil von 3,2% einen Achtungserfolg. Nach ihrem frühen Tod – Gladys Marin erhielt ein Staatsbegräbnis – nahm Guillermo Teillier, ein anderer herausragender Revolutionär, den Platz der heute in Chile als Nationalheldin Verehrten ein. Bald zogen wieder drei kommunistische Abgeordnete, die auf den Listen einer breitgefächerten demokratischen Koalition gewählt worden waren, in Chiles Nationalparlament ein. Unter ihnen befand sich auch Teillier.

Seit Sommer letzten Jahres besitzt die KPCh in Gestalt der politisch hochtalentierten und überaus dynamischen Camila Vallejo – der Vizepräsidentin des nationalen Studentenverbandes Confech – eine neue Sympathieträgerin. 2011 stießen die landesweit befolgten Kampfaktionen der akademischen Jugend, die Camila mit anführte, auch bei der Arbeiterklasse und anderen werktätigen Bevölkerungsschichten Chiles auf starken Widerhall.

RF, gestützt auf „Granma“, Havanna 

Veröffentlicht in Venezuela u.a.

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