Das Kolonat im römischen Kaiserreich und seine vier Perioden (als der erste Anlauf zum Feudalismus in seiner klassischen europäischen Form)

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  1. Periode:

Ca. ab 2. Jh. v.u.Z.

Mit dem Ende der Republik begann sich das System der kleinen Bodenpacht herauszubilden, um dann über mehrere Jahrhunderte sehr großen Umfang zu erlangen. Die größeren Güter, die Latifundien, waren in republikanischer Zeit meistens Viehzuchtbetriebe und beschäftigten Hirtensklaven. Für die eigentliche landwirtschaftliche Produktion auf Großgütern fand sich nun neben der Sklavenarbeit, deren Beaufsichtigung dort zum Problem wurde , eine andere Möglichkeit, die Parzellierung des Bodens und die Verpachtung der Parzellen an Kolonen. Eine solche Verpachtung war auch in den Villenwirtschaften vorhanden, doch wirkliche Bedeutung sollte sie erst im weiteren Verlauf der Geschichte vor allem für große Güter erlangen.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch zwei Faktoren. Die Ausbreitung des Sklaverei hatte neben den Kriegen eine beträchtlichen Teil des freien Bauerntums Italiens in eine solche Lage gebracht, dass seit dem 2. Jh. v.u.Z. immer eine Schicht vorhanden war, aus der sich Kolonen rekrutieren konnten, landarme und landlose Bauern sowie die städtische Plebs. In der Kaiserzeit stagnierte mit dem Rückgang der Eroberungskriege die Zufuhr von billigen Sklaven, weshalb jetzt auch die Arbeitskräftesituation insgesamt prekärer wurde.

 

  1. Periode:

Ca. Mitte des 1. Jh. v.u.Z. bis etwa Marcus Aurelius / Ende 2. Jh. u.Z.

In der zweiten Periode nimmg die Zahl der Kolonen mit dem Wachstum des Großgrundbesitzes auf dem Lande stark zu. Sie werden aus eine mehr und mehr wichtigen Schicht in ihrer ersten Periode zu einer wichtigen Klasse, die schließlich die der Sklaven an Bedeutung für das Reicht in der dritten Periode übertreffen wird. In Ciceros Spätschrift, De officiis (vom pflichtgemäßen Handeln), werden die Kolonen bereits als allbekannte, weitverbreitete Erscheinung beschrieben.

Auch in dieser zweiten Periode setzen sich die Kolonen wie in der ersten zusammen, nur dass unter ihnen das Übergewicht der Kleinpächter noch viel größer ist und der Prozentsatz der Kriegsveteranen stark zugenommen har. Im 2. Jh., unter dem Kaiser Mark Aurel, werden auch Kriegsgefangene, statt zu Sklaven gemacht, mehr und mehr als Kolonen angesiedelt. Bedenkt man diese Tatsache, und dass in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreicht, also keine Sklaven mehr durch die Eroberung neuer Gebiete beschafft werden konnten, wird man verstehen, welche Bedeutung die Kolonen im Laufe der Zeit für die Landwirtschaft gewinnen mussten.

 

  1. Periode:

Ca. bis zum Beginn des Dominats 3. und 4. Jh. u.Z.

Diese Periode ist gekennzeichnet durch den Verfall der städtischen Wirtschaft, einschließlich der munizipalen Villenbesitzer, auf denen vornehmlich mit Sklaven produziert wurde. Sie ist ebenso gekennzeichnet durch prosperierende Latifundien großer Grundbesitzer, die vornehmlich mit Kolonen, vor allem Kleinpächter, arbeiten. Sie ist gekennzeichnet auch durch einen Währungsverfall, der die Städte und ihre Umgebung natürlich viel härter traf als die Großgrundbesitzer und ihre Kolonen. Wir groß schon die politische Macht der Großgrundbesitzer zu Ende der 2.

2

 

Periode war, deutet ein Gesetz des Kaisers Pertinax vom Jahre 193 an, in dem er brachliegendes Land im gesamten Reich privaten Latifundienbesitzern bei zehn Jahren Steuerfreiheit schenkte.

Zum Ende des 4. Jh. werden die Kolonen immer mehr auf lange Zeit an den Boden gefesselt, was den Verpächtern entgegen kommt. Die Freiheit den Boden wieder zu verlassen wurde ihnen schließlich per Gesetz (Kaiser Konstantin I. 30.10.332) genommen. Eigentlich kann man auch hier schon den Beginn des Niedergangs ansetzen. Die Schuldfesselung an den Boden beginnt größere Ausmaße anzunehmen.

(Vorläufer der mittelalterlichen Leibeigenen)

 

  1. Periode:

Ca. 4. bis 6. Jh. u.Z.

Schon in der dritten Periode hatte eine Verschiebung des Reichtums und damit der politischen Bedeutung von der Stadt auf das Land begonnen, verbunden mit eine zunehmenden Inflation. Die Geldwirtschaft nahm dem folgend an Bedeutung ab, zugunsten der Naturalwirtschaft. Steuern und Pacht mussten mehr und mehr auch in der Stadtwirtschaft und ihrer Umgebung in Naturalien geliefert werden. Zur Zeit des Kaisers Diokletian (284-305) scheint die Naturalwirtschaft bereits überwiegend verbreitet. In seiner Steuerreform haben die Naturalabgaben bereits das Übergewicht.

Die erste Verstaatlichungswelle der Geschichte setzte ein beim städtischen Handwerk, vor alle bei kriegswichtigen Gewerken und beim Transport.

Dazu kamen Aufstände in den Provinzen, der Ansturm der Germanen und die sich vertiefenden Reichsteilungen.

Vor allem aber fand eine völlige Wandlung der Stellung der Kolonen statt. Die Ursache war das Bestreben der Latifundienbesitzer, in einer Zeit sinkenden Geldwertes und zunehmender Unsicherheit des Staatsgefüges mehr und mehr aus ihnen herauszupressen. Gab es im 4. Jh. noch kaiserliche Verfügungen gegen die zunehmende Belastung der Kolonen, so gab es in der Folgezeit gerade solche Verfügungen, die die Latifundienbesitzer verantwortlich für das Eintreiben von Steuern und Abgeben machten, Anlass zu solchen Erpressungen. Spätestens im 5. Jh. wurden dann geflüchtete Kolonen wie geflüchtete Sklaven behandetl.

 

(nach Kuczynski „Asche für Phönix“ / die Gliederung hier erscheint gut verständlich und zum größten teil tragbar, wobei ich nicht alle Thesen im Buch so mittragen würde, was aber in unserem Zusammenhang nicht von Bedeutung ist )

 

 

 

Das Kolonensystem erscheint als Vorgriff auf den Feudalismus und den hörigen, schließlich leibeigenen Bauern, wobei dazwischen noch der freie fränkische Bauer steht (frei nach Engels)

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