Der 8. Mai … kein Tag der Befreiung mehr!

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Als DDR-Bürger hatte ich mich einst ehrlich gefreut: Es gab auf der Welt noch so viele Menschheitsgeißeln, aber in meiner Heimat konnte ich mir sicher sein, dass diese eine, der Faschismus, mit all seinen Wurzeln ausgerottet worden war und alles Nötige gegen neue Saaten getan wurde. Wer Verbrecher gewesen war, konnte sicher sein, dass er verfolgt werden würde mit aller Härte, die zur Verbrechensverfolgung eben gehört. Wer die geistigen Schlammprodukte des Faschismus, also vor allem Rassismus und Nationalismus, hätte verbreiten wollen, hätte mit keinem offenen, aber auch keinem heimlichen Wohlwollen von Staatsorganen, aber auch nicht der Bevölkerung rechnen dürfen. Mag das „verordneten Antifaschismus“ nennen, wer will. Diese „Krankheit“ muss bekämpft werden.

Dass zur selben Zeit im „Westen“ bereits Geheimdienste und „bewaffnete Organe“ gerade in Entscheidungsebenen von alten und – von diesen sorgsam herangepflegt – neuen Faschisten durchsetzt waren, war mir … fern.

Heute macht sich genau das, wovon wir uns „befreit“ wähnten, wieder allgegenwärtig, ich soll es Heimat nennen. Ich meine damit nicht in erster Linie den NSU-Skandal, der nun zur NSU-Show wird, wenn Richter als befangen abgelehnt werden können, weil sie wahrscheinlich irgendwann das Wort „Faschismus“ haben fallen lassen. Ich meine die Existenz von quasi-faschistischen Vereinigungen, die sich z.B. „Verfassungsschützer“ nennen dürfen; ich meine quasi-faschistische Ergüsse von einem SPD-Mitglied (!!!), die hofiert und zum Bestseller aufgebauscht werden. Also sowohl, dass solche Ergüsse überhaupt erfolgen, mehr noch aber, dass sie eine solche Förderung erhalten.

Müssen gerade die Sowjetsoldaten, die meinten, mit „Hitler kaputt“ hätten ihre Mühen und die Opfer um sie herum wenigstens einen dauerhaften Sinn gehabt, sich nicht im Grabe herumdrehen? Und die, die an die Front gezwungen worden waren, obwohl sie lieber in Ruhe ihrem friedlichen Alltag nachgegangen wären … wenn man denen von deutschen Soldaten am Hindukusch erzählte, was würden die verstehen?

Tag der Befreiung?! Wovon befreit? Seien wir froh, dass es bewusste Antifaschisten noch und immer wieder gibt. Menschen, für die das Ende des deutschen Faschistenstaates kein Tag der Kapitulation bedeutet, weil sie sich nicht mit deutschen Kriegern, die 1945 zum Glück haben kapitulieren müssen, in einen Topf werfen lassen, und weil sie auch nie vor den nachwachsenden Faschisten kapitulieren werden. Nie.

Ach ja ... Ich kapituliere auch nicht:

 

Es ist wieder Zeit für Utopien 
Es ist wieder Zeit für Utopien!

Es reicht nicht, jene einzelnen Stückchen des "Kapitalismus" nicht zu wollen, die gerade am meisten weh tun. Es reicht nicht einmal, den Kapitalismus insgesamt nicht zu wollen. Wir müssen auch etwas Anderes, Alternatives bewusst wollen und darauf hinarbeiten.


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Strawinski 05/12/2013 08:51

Also erstmal waren 40% der Politischen Eliten in der DDR NSDAP Mitglieder gewesen. Dann war es uns vollkommen egal was am 8. Mai war. Außerdem war die gesamte DDR rassistischer als alle anderen
Staaten. Der Grund ist ganz einfach. DDR Bürger wurden nicht entnazifiziert, sondern stalinisiert. Und wie Menschenverachtend dieser Sohn eines Georgischen Schuhmachers war, wissen wohl alle.
Zum Schluss noch eines. Wer glaubt die NSU Morde wären eine rechte Geschichte, der irrt wohl ein wenig und kennt unsere geliebte alte DDR Garde nicht mehr, die noch aktiv ist......