Der italienische Philosoph und Historiker Domenico Losurdo ist tot ...

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Am Dienstag trat der Publikumsmagnet in der jW-Ladengalerie auf. Es ist das zweifelhafte Verdienst dieser Tageszeitung den Thesen des Buchautors Bedeutung einzuräumen. Man mag es Mut nennen, sich für Stalin einzusetzen. Es ist auch richtig, dieser zweifelhaften Persönlichkeit den ihm zustehenden Platz in der Geschichte zuzuteilen. Geschichte ist Gewordenes und Werdendes und keine Persönlichkeit in der Geschichte ist in ihrem Rang erklärbar ohne die gesellschaftlichen Entwicklungen, die sie zu dem werden ließen, was sie dann wurde.

Es gibt offenen ideologischen Krieg. Dazu gehören die Versuche, Stalin und Hitler aufeine gleiche Ebene zu zerren. Es ist wichtig, sich dagegen zu wehren, weil dies nur eine Seite der geistigen Perversion ist, "Nationalsozialismus" als Form des Sozialismus / Kommunismus zu verkehren.

In die Bemühungen Losurdos dringen jedoch unmerklich andere antikommunistische Logiken ein, die gleichfalls zu bekämpfen sind.

Zitat jW:

"Ausgangspunkt seines einstündigen Referats, dem sich eine 90minütige, zumeist sachliche Diskussion anschloß, war die Feststellung, daß Stalin von nicht wenigen, zum Teil antikommunistischen Historikern und Politikern bis Anfang der 50er Jahre als höchst positive historische Figur betrachtet wurde, heute aber mit Hitler gleichgesetzt werde. Losurdos Frage: »Müssen wir also von der Totalitarismustheorie ausgehen?« Sein Nein darauf begründete er in drei Punkten. Erstens: Nikita Chruschtschow habe 1956 Stalin auf dem XX. Parteitag der KPdSU als »militärischen Idioten« dargestellt. Namhafte westliche Militärhistoriker feierten aber bis in die Gegenwart Stalin als strategisches Genie. Fest stehe: Der sowjetische Staatschef sei der entscheidende Gegner Hitlers gewesen und habe ihn letztlich bezwungen."...

 .Das ist verschleierter Antikommunismus. Ausgerechnet ausgewiesene Antikommunisten mit positiven Wertungen über die Person des Josef Stalin in den Zeugenstand zu rufen, ist von der Herleitung perfide. Diesen imperialistischen Staatsmännern war nichts so fremd und zuwider wie die Leistungen des Sowjetvolkes beim Aufbau der Grundlagen des Sozialismus. Nun gab es ja Erfolge, die sie nicht zu leugnen vermochten. Also zerrten sie dies von der Ebene der sich bereits andeutenden Vorzüge einer neuen Gesellschaftsform auf die Führungskraft eine Persönlichkeit. Das mag ihrem Geschichtsverständnis entsprechen. Dem eines Kommunisten allerdings nicht. Und bei Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" ... Es stehe fest, "der sowjetische Staatschef" ... habe ihn (also Hitler) letztlich bezwungen." Das darf nicht unwidersprochen bleiben. Vielleicht kein militärischer Idiot, aber auch kein Genie. Die Zahl der Sowjetbürger, die ihr Leben dank der unscheinbaren Genialität ihres Führers verloren, ging in die Millionen. Nicht nur, dass die ganze Führung der Armee vor Kriegsbeginn geschwächt worden war, die Information über den genauen Kriegsbeginn zu ignorieren, nur weil sie von einem Deutschen stammte, und damit einen Teil der aktiven Grenztruppen überrollen zu lassen, zeugt von vielen ... von Genialität nicht.

 

Für mich ist dieser "Stalinist" gestorben. Mit seinen Bezügen zur Person schadet er der Sache. Der Hitlerfaschismus ist von vielen Faktoren zusammengenommen besiegt worden. Die wichtigsten waren aber die Eigentumsverhältnisse in der Sowjetunion, die eine planmäßige Konzentration auf die Verteidigung des Landes vereinfachten, und der millionenfache Heldenmut einfacher Sowjetmenschen, die wussten, wofür bzw. wogegen sie arbeiteten und kämpften, die Panzer bauten, wo kurz zuvor noch nicht daran zu denken war. Nicht ein Mann. Auch, wenn dieser Mann eine Preisgabe all unserer Errungenschaften nicht Gorbjezinschsch zugelassen hätte, hat er doch eine Nachfolge in positivem Sinne nicht mitorganisiert ...

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