Der Prütz (1)

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Berlin hat politisch mindestens eine Besonderheit: Während in vielen Gegenden Deutschlands noch eine gewisse Berechtigung bestehen könnte, die Partei mit dem anmaßenden Namen "DIE LINKE" als gesellschaftliche Alternative zu sehen, ist hier der Prozess der Integration ins kapitalistische Regime wahrscheinlich abgeschlossen. Viele "Genossen" haben sich und ihre Ideale aufgegeben, haben sich arrangiert, stehen als hilflose Don Quichotes herum, hoffend, man müsse doch etwas machen können dagegen ... Aber eigentlich ist der Landesverband eine Schmiede für Austauschkader: Noch von der NPD abgesehen hätten sie sich kaum verbiegen müssen, um mit ihren Ansichten Plätze in den bürgerlichen Parteien einzunehmen. Immerhin reichte bishe ihr Geschick aus, um den Erfolg kreativer Alternativen zu atomisieren ... wenn man einmal vom Volksentscheid gegen die Wasserprivatisierung absieht.  Es ist also ein eigentlich starkes "linkes" Spektrum vorhanden - es fehlt nur an einem "Magneten", der dies zusammenführte.  Hier nun ein Streitpapier, mit dem sich ein Häuflein um Michael Prütz in diesem Sinne in die Bewegung einzumischen versucht: 

 

 

Neue Antikapitalistische Organisation?

Na endlich !

Worüber müssen wir uns verständigen und worüber nicht

 

Sie ärgern sich zwar über Eure Lektion, aber sie können

trotzdem nicht aufhören, „Klasse", „Proletariat" und

„Revolution" mit demselben Akzent zu sagen wie Ihr,

nämlich mit dem Akzent der III. Internationale."

Offener Brief von MANIFESTO an LOTTA CONTINUA 1972 (1)

 

Teile der (post)autonomen Bewegung / der radikalen Linken diskutieren z. Z. sehr ernsthaft die „Organisationsfrage" (die AVANTIS sprechen sogar von einem „Neuen kommunistischen Projekt"), was wir auf’s Schärfste begrüßen.

Sicher nicht zufällig fällt die Diskussion zusammen mit einer Krise der ‚Interventionistischen Linken’ (IL) als Struktur, Debattenforum, „Dachverband" der außerparlamentarischen Linken in Deutschland.

Die (Selbst)kritik an den offenkundigen Defiziten der IL – mangelnde bzw. überhaupt nicht vorhandene Verbindlichkeit, linksradikale „Selbstreferenzialität", keine erkennbare strategische Ausrichtung („Eventhopping"), mangelnde Klassenorientierung geht u. E. in die richtige Richtung.

Wobei wir keineswegs verdrängen, dass „unsere Richtung", also die „traditionelle" klassenorientierte radikale Linke, sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten ebenfalls nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.

Soll die Überwindung sowohl der unverbindlichen „Konferenzeritis" als auch des sektiererischen Zirkelwesens wirklich gelingen, müssen „Marxismus" und „Autonomie", Links-Sozialisten / Links-Kommunisten und Bewegungslinke eine solidarische und kontroverse, ergebnisoffene und zielgerichtete Debatte anfangen.

Dabei werden alle Beteiligten auf liebgewordene Vorurteile verzichten müssen:

Die einen haben mehr zu bieten als „Parteibuch-Marxismus", die anderen mehr als „Autozündelei".

Wir wollen uns mit diesem Papier ernsthaft an der Debatte beteiligen und sind – Einigung in entscheidenden Fragen und eine gewisse Performance des neuen Projekts vorausgesetzt – auch zu organisatorischen Konsequenzen bereit.

„Ernsthaft" hieß für uns u. a., nicht nur das zu wiederholen, was wir immer schon gesagt haben, sondern uns auch mit dem auseinanderzusetzen, was die potentiellen Partner meinen.

Allerdings gestaltete sich die „Quellenlage" für uns etwas schwierig – der programmatische „Output" der (Post)autonomie zur beginnenden Diskussion ist recht überschaubar (vielleicht liegt das auch daran, dass die Debatte – noch – etwas „klandestin" geführt wird).

Fündig wurden wir bei AVANTI, nämlich dem „Grundsatzpapier" vom Mai 2004, mit welchem wir- was uns selbst überrascht hat- ein hohes Maß an Übereinstimung festgestellt haben.

Soweit nicht anders gekennzeichnet, beziehen wir uns bei den Zitaten auf dieses Dokument.

Wir wollen damit niemanden „erschlagen" oder „Pflöcke einschlagen" in einer Diskussion, die ja erst beginnt - wir hoffen vielmehr, dass die Leser dies als Ausdruck unseres Interesses an einer seriösen Diskussion werten.

„Wir" – das ist eine kleine Berliner Gruppe (eher Diskussionszusammenhang) von mittelalten bis älteren Genossen, die vorwiegend linkssozialistisch / trotzkistisch sozialisiert sind.

Für die hoffentlich bevorstehenden Barrikadenkämpfe sind wir eher nicht mehr geeignet (wird immer schlimmer mit den Zipperlein), dafür bringen wir was anderes mit:

jede Menge Erfahrung.

Denn seit frühester Jugend träumen wir nicht von Modelleisenbahnen, sondern von einer revolutionären Massenorganisation.

Und wahrlich, wir haben das in den letzten Jahrzehnten – in teilweise unterschiedlichen Zusammenhängen - schon ein paar Mal probiert.

Bisher ist es immer mehr oder weniger in die Hose gegangen.

Warum also sollte es 2011 / 2012 anders laufen ?

Veröffentlicht in Debatte

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