Der Snowden-Krieg (2)

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Einen Erfolg hat die Snowden-Jagd bereits erzielt: Medial ist das Weltverbrechen der uneingeschränkte Bürgerentblößung in den Schlagzeilen bereits hinter dem Hechelspiel, kriegen sie nun den Whistleblower oder nicht, zurückgetreten. Soweit ist die Botschaft angekommen. Wir jagen euch bis ans Ende der Welt, wenn ihr unsere Verbrechen ins Licht rückt.

Und wieder die Janusköpfigkeit deutscher Staatsgangster zweiter Klasse: Wir machen so etwas nicht, bei uns ist das verboten (das sollte es ja auch sein), aber wenn ihr schon unsere Bürger ausspioniert habt, dann gebt uns wenigstens die Ergebnisse. (ähnlich der Folter: ohne selbst foltern zu dürfen, werden doch Ergebnisse, die wahrscheinlich unter Folter produziert worden sind, benutzt).

 

Die Frage ist klar: Wie ist ein Mensch zu bewerten und behandeln, der etwas öffentlich macht, was „dem Feind nutzt“, weil es die kriminelle Verderbtheit des eigenen Systems bloßlegt? Wenn die eigenen Weltkrieger Menschen, die sie am Boden als nicht-Kriegsgegner bereits identifiziert haben, als Ballerspielziele missbrauchen. Man sollte annehmen, da könnte nur die Frage stehen, welche Strafe für die Schützen angemessen wäre. Als Außenstehender erscheint in diesem Fall Mord aus niederen Motiven die sinnvollste Bewertung. Aber die Täter trugen die Uniform der Freiheitbringer. Verfolgt wird, wer das Verbrechen aufdeckt.

 

Eddy Snowden ist nicht naiv. Als Geheimdinstzuarbeiter wusste er um die mafiosen Regeln. Er offenbarte aber den schlimmsten Charakterzug, den ein Wächter über die Freiheit der Welt am wenigsten haben darf: Gewissen.

Es ist ein Unterschied, ob man etwas ahnt oder es weiß. Eigentlich dürfte nun jeder Mensch in der „freien Welt“ wissen, dass er mehr ausspioniert wird als ihm das in den schlimmsten Stasi-Jahren hätte passieren können.

Das hat allerdings eine positive und eine negative Potenz: Positiv sollte sein, dass ihm nun klar sein KANN, dass die Horrorbilder von Stasi, KGB usw. bereits Wirklichkeit in der Welt sind, in der er lebt. Durch ein „kommunistisches Regime“ kann sich auch dahingehend für ihn nichts verschlechtern (Ich habe nicht behauptet, dass der Normalbürger diese logische Kosequenz wirkllich zieht. Ihm sind abe Fakten in die Hand gegeben worden, dass er sie ziehen könnte.)

 

Die negative ist natürlich der erhöhte Anpassungsdruck. Der gewöhnliche, unbescholtene Bürger darf nun zittern bei all seinem Tun, ob er sich vielleicht gerade verdächtig macht. Womit, weiß er ja nicht, weil ja erst einmal ALLE Bürgerkommunikation gesammelt wird. Auf die Idee, welches Lachchaos er anrichten könnte, könnte er sich mit allen Seinesgleichen einigen, an einem konkreten Tag eine Mail zu versenden, die „PRISM“, „Bauanleitung gefunden“, „Bombe“ und „in die Luft jagen“ enthhielte, kommt er ja leider nicht. Der Krieg gegen seine Aufmüpfigkeit ist ja eigentlich genauso lächerlich wie gefährlich wie aufwändig …

Veröffentlicht in politische Praxis

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