Die Entwicklung der Produktivkräfte im weströmischen Reich und den Folgestaaten im 5. und 6. Jahrhundert u.Z. (zusammengefasst)

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1.

In der untergehenden Sklavereigesellschaft war es zu einem zeitweiligen Rückschlag in der Entwicklung der PK gekommen (4 Perioden des Kolomats). Der Verfall der antiken Produktionsweise und der Niedergang der Stadt bedingten sich gegenseitig.

Das noch nicht sehr hohe Mehrprodukt hatte sich in hohem Maße in der städtischen Wirtschaft konzentriert, wo es in seit der Zeit des röm. Kaiserreiches zunehmend parasitär verbraucht wurde und zwar vom Kaiser bis zur städtischen Plebs.

Die zahlreichen Kriege und die Einfälle der Germanen vernichteten auch PK. Die Bevölkerung ging zurück, die Verödung nahm zu, Produktionsstätten wurden aufgegeben, mansche Produktionserfahrungen (zumal des Handwerks) gerieten in Vergessenheit.

Im Zusammenhang mit dem Untergang des Sklaverei in Westrom (auch in Byzanz, aber da auf anderem Weg) wurde das Mehrprodukt zunehmend für die Steigerung der agrarischen Produktion verwendet und zunächst mehr in der Landwirtschaft als im städtischen Handwerk investiert. Diese Entwicklung war um so bedeutsamer, ja stärker bei der bäuerlichen Landnahme der Germanen die herrschaftliche zu überwiegen begann.

Stagnation und zeitweiliger Zerfall der PK erwiesen sich im 5. Jahrhundert u.Z. in Gallien und Spanien als so schwerwiegend, dass die fränkische und die werstgotische Gesellschaft rund zwei Jahrhunderte brauchten, um einen neuen, bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung einzuleiten.

In Italien setzte in ostgotischer Zeit (Theodosius) eine merkliche wirtschaftliche Belebung ein, dann aber wurden durch die Kriege Justinians, die in Verbindung mit epidemisch auftretenden Seuchen zu einer starken Reduzierung der Bevölkerung führten, diese Ansätze wieder zunichte gemacht, und erst unter den Langobarden kam es im 7./8. Jahrhundert zu einer Weiterentwicklung der PK. Burgund und das Vandalenreich waren zu kurzlebig, als dass während ihrer politischen Existenz schon die Stagnationsperiode hätte überwunden werden können.

 

2.

Im 6. Jahrhundert war bei den Franken bis zu den Thüringern noch der Hakenpflug in Gebrauch, sie kannten den schollenwendenden Pflug noch nicht.

Zu dieser Zeit waren auch die Kurzgewannfluren – kleine Ackerabschnitte der freien bäuerlichen Siedlungen – noch allgemein verbreitet.

Seit etwa dem 7. Jahrhundert bildeten sich (besonders in der Nähe von Pfalzen und adligen Grundherrschaften) Siedlungen mit großräumigen, langstreifigen Fluranlagen, die von zinspflichtigen Königsbauern und anderen feudalabhängigen Bauern bewirtschaftet wurden.

Seit dem Ende des 7. Jahrhunderts nahm die ländliche Bevölkerung wieder wesentlich zu und die landwirtschaftliche Nutzfläche dehnte sich aus. Die Zahl der Gehöftstellen wuchs, die Rodungstätigkeit wurde organisiert, neue Dörfer entstanden.

 

 

 

 

 

3.

Arbeitsgeräte aus Eisen waren anfangs noch selten und kamen erst mit dem 9. Jh. Stärker auf. Im Laufe des 8. Jh. Begann sich im Frankenreich die Dreifelderwirtschaft durchzusetzen.

Neben der Sichel verwendete man bei der Getreideernte zunehmend die Sense. Die Mühlentechnik wurde weiterentwickelt. Auf den Feldern wurden inzwischen alle heute allgemein bekannten Getreidearten angebaut. Allerdings trat in Mitteleuropa allmählich der Roggen stärker in den Vordergrund, er erforderte eine intensive Bodenbewirtschaftung. Die Erträge stiegen allerdings. Unter den Hülsenfrüchten werden Bohnen, Erbsen und Linsen erwähnt. Auch der Lein-, Wein- und Gemüseanbau war verbreitet. In den Gärten wurden zahlreiche Obstsorten kultiviert. Eine systematische Vorratswirtschaft ist seit etwa dem 8. Jh. nachweisbar.

 

 

4.

Die römische Landwirtschaft besaß ein hohes Niveau. Aber dieses Niveau war nur mit einem erheblichen Arbeitsaufwand erreicht worden; so musste der Ackerboden in römischer Zeit viermal gepflügt werden, um die gewohnte Ernte zu erzielen. Um etwa einen Morgen (1/4 Hektar) Land zu pflügen, brauchte man damals vier Arbeitstage.

Die neuen PK erlaubten eine erhebliche Rentabilitätssteigerung und eine Verringerung des gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Hinzu kam, dass durch die selbständige Wirtschaftsführung der Bauern ihr persönliches Interesse am Arbeitsergebnis erhöht und intensivere Arbeitsmethoden stimuliert wurden. Nicht zuletzt sind das allmähliche Wachstum der PK, die zunehmende Differenzierung der Bauern und die einsetzende Bevölkerungsvermehrung Ausdruck dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen.

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