Die Geschichte vom Geist des Geldes (3)

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Der Schmuck (das Gold) hat mit allen anderen getauschten Dingen eines gemeinsam: Bevor er gegen etwas Anderes getauscht werden kann, hat schon jemand Zeit hineingesteckt, das selten Schöne und Dauerhafte in der Natur zu finden und zu Schmuck zu machen. Bis er dort angekommen war, wo er Schmuck war, war er für den Zwischenbesitzer das Versprechen, ein Pferd werden zu können, ein Rind, Kleidung für den Winter, neues Werkzeug … alles was er an Wünschen erfüllt bekommen wollte – nur eben nicht unbedingt alle gleichzeitig erfüllbar … wenn es auch (bis zur Entscheidung) hätten viele verschiedenen Wünsche sein können.

Da kamen kluge Leute, die meist nur mit dem Kopf arbeiten, auf eine verblüffend einfache Idee: Wozu musste das, was erst einmal keinen persönlichen Nutzen haben sollte außer dem, einmal in einen Nutzen verwandelt zu werden, überhaupt einen anderen haben als eben das Versprechen, irgendetwas dagegen eingetauscht zu bekommen, was in einer bestimmten Zeit erarbeitet werden könnte? Und erst in dem Moment, in dem dieses Versprechen vorgelegt wird, bewiesenermaßen erarbeitet worden ist?

Eigentlich, so ist es ja immer, wenn man einen Zauber erfindet, war alles wie zuvor: Irgendwo steckte irgendwer Arbeit in irgendwas, was irgendwann ein anderer Irgendwer gegen ein anderes Irgendwas eintauschte, das er haben wollte, aber nicht machen konnte. Der andere hatte in sein Irgendwas auch schon Arbeit gesteckt. Nur zwischendurch verwandelte sich diese Arbeit in ein aufgeschriebenes Versprechen „Ja, du kannst mich wieder in etwas Nützliches eintauschen, was dir dann im Ausgleich zu mir gehört.“

Nur ist das mit den Versprechen so eine Sache. Die sind leichter gegeben als ein Krug getöpfert werden kann. Und da diese Versprechen von Hand zu Hand gingen, wusste bald niemand mehr, wann wer welche Arbeit vorher darin gesteckt hatte. Die Menge der Versprechen und der Möglichkeiten, sie einzulösen, blieb aber lange noch klein. So hatten die meisten Angst, sie könnten die letzten sein, die sie einzulösen hätten und so war längst schon in nützliche Dinge hineingesteckte Arbeit da zum Tausch gegen die Versprechen, wenn dieses Geld sein Wunder vollbringen durfte. Es war höchstens ein Problem, dass die nützlichen Dinge immer weniger zu den Wesen passten, die sie hätten in erfüllte Wünsche verwandeln können. Die da am meisten arbeiteten und die so viele Wünsche hatten, bekamen so wenige Versprechen, ihre Wünsche zu erfüllen, während andere sich einen einzigen Wunsch zu erfüllen versuchten: aus vielen Versprechen, Wünsche zu erfüllen, immer mehr Versprechen zu machen, über die sie verfügten.

Veröffentlicht in Adam & Eva + Hartz IV

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