Energiesparlampen überall ... oder wo "Beschiss" ein einfaches Wort für "Kapitalismus" ist

Veröffentlicht auf

Manchmal brauchen wir Gutachten für Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind.

Das, was so freundlich umschrieben sich selbst "Marktwirtschaft" nennen lässt, hat den inneren Zwang, sich den Markt zum Absatz der Produktion für den eigenen "Profit" notfalls und manchmal überwiegend selbst zu schaffen. Da entstehen Situationen, wo die Funktionsweise der eigenen Wirtschaftsweise unmittelbar nur noch an der Zerstörung der eigenen Lebensumwelt arbeitet.

Obwohl jedem das einleuchten sollte, dass es nicht gut sein kann, wenn der Gebrauchswert eines Gutes nicht Ziel seiner Herstellung ist, sondern ein abstrakter Gewinn (Profit!), wird es so ungern geglaubt, wenn es von Linken behauptet wird. Diesmal ist es aber kein Gutachten von Linken ... von denen wird es nur aufgegriffen und verbreitet:

21.03.2013 / Inland / Seite 4Inhalt

Kaputt nach Plan

Gutachten: Die Industrie baut ihre Elektrogeräte auf Verschleiß

Von Jürgen Kaspenbrock
Die Mikrowelle ist kaum gekauft, da gibt sie auch schon den Geist auf. Zu dumm, daß die Garantie gerade abgelaufen ist. Was Verbraucher ärgert und gewaltig ins Geld geht, hat offenbar System. Hersteller von Elektrogeräten bauen in ihre Produkte gezielt Schwachstellen ein, die deren Lebensdauer verringern und den Zyklus von Neuanschaffung und Entsorgung beschleunigen. Zu diesem Befund kommt die am Mittwoch in Berlin vorgelegte Studie »Geplante Obsoleszenz«, die im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellt wurde. Kaputt nach Methode ist demnach keine Seltenheit; Tricks und Täuschung gehören vielmehr zum Geschäft.

Besonders perfide: In Druckern sind vielfach Zähler verborgen, die das Gerät nach einer festgelegten Seitenzahl einfach lahmlegen. Stellt man den Zähler zurück, läuft wieder alles wie geschmiert. Und auch Akkus von Notebooks gaukeln »Erschöpfung« vor, obwohl sie topfit sind. Schlappe Stromspeicher in elektrischen Zahnbürsten machen gleich das ganze Gerät schrottreif, weil sie sich nicht auswechseln lassen. In Laptops werden Komponenten verklebt statt verschraubt, wodurch eine Reparatur erschwert und verteuert wird. Bei Kopfhörern sind Kabelbrüche wegen mieser Verarbeitung auch bei korrekter Nutzung fast der Normalfall.

Das Gutachten führt eine Vielzahl weiterer Beispiele auf, die illustrieren: Pfusch ist Programm. »Der geplante oder zumindest bewußt in Kauf genommene frühzeitige Verschleiß von Produkten ist allgegenwärtig«, beklagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion Dorothea Steiner bei dessen Vorstellung. Das verursache »nicht nur hohe Kosten, sondern auch immense Müllberge, die in den Ländern des Südens zu fatalen Umwelt- und Gesundheitsproblemen führen«. Für die Grünen-Verbraucherpolitikerin Nicole Maisch ist die geplante Obsoleszenz eine »ökonomisch und ökologisch fatale Einbahnstraße«. Nötig wären eine »ganzheitliche Rohstoffstrategie, klare Vorgaben für die Reparierbarkeit und Austauschbarkeit von Einzelteilen und die Überarbeitung des Gewährleistungs- und Garantierechts«.

Daß hinter dem Phänomen ziemlich sicher eine Strategie der Industrie steht, um den Absatz anzukurbeln, offenbart auch ein Blick zurück. Laut Untersuchung haben Elektrogeräte früher tatsächlich länger gehalten, obwohl der Stand der Technik stetig fortgeschritten ist. Ursächlich für die Entwicklung sind für Autor Christian Kreiß vier Faktoren: Überkapazitäten, intransparente Märkte mit einer Überfülle an Produkten, die Kapitalmarkt- und Gewinnorientierung sowie der dadurch mitbedingte moralische Verfall beim Management. Zum Beleg seiner These verweist der Volkswirt auf die US-Automobilindustrie der 1950er Jahre. Der damals gesättigte amerikanische Markt habe die Hersteller »geradezu in einen Wettlauf um immer kürzer haltende Fahrzeuge« getrieben. Umgekehrt habe die in Frankreich zum selben Zeitpunkt sprunghaft gestiegene Nachfrage zu einer großen Langlebigkeit der französischen Fabrikate geführt.

Den Beweis, daß die Industrie vorsätzlich auf miese Qualität setzt, kann allerdings auch die Studie nicht liefern. Indizien dafür gibt es aber inzwischen haufenweise. Mitverfasser Stefan Schridde hat auf seiner Internetseite murks-nein-danke.de bereits 2000 Einzelfälle zusammengetragen, und er fragt sich zum Beispiel: »Ist es purer Zufall, daß die Hersteller auf Elektronikplatinen wärmeempfindliche Bauteile neben Wärmequellen verbauen?« Nach Schriddes Expertise enthalten Computer vielfach zu kleine Elektrolytkondensatoren (ELKOS). Größere könnten die Nutzungsdauer um bis zu zehn Jahre verlängern. Mehrkosten: weniger als ein Cent.
Quelle: junge welt

Veröffentlicht in Taktik des Gegners

Kommentiere diesen Post