Energiewende, Strompreise und Volksverdummung (3)

Veröffentlicht auf

Die verrückteste Position bei der Kostenkalkulation sind die Abschreibungen, also die Kosten für das fixe Kapital. Hier kann mit „Federstrichen“ der Gesamtkostenbetrag in einschneidender Weise verändert … manipuliert werden. Eigentlich logisch ist das grundsätzliche Verfahren: Man kalkuliert im Voraus eine Laufzeit des Gesamtbetriebskomplexes. Das setzt man ins Verhältnis zur Gesamtmenge der Produkte, hier also des insgesamt zu liefernden Stroms, und schlägt dann diesen „Durchschnittsanteil“ auf den Einzelpreis auf. Nach Ablauf der geplanten Laufzeit ist das vorgeschossene Geld wieder rein. Frühere Stilllegung mindert den Profit, längere bedeutet Extraprofit über den kalkulierten hinaus. Die tatsächliche Laufzeit ist ein technisches Problem, die Kalkulation ein buchtechnisches. So sind u.a. „Sonderabschreibungen“ und „degressive“ Abschreibungen in steuerlicher Hinsicht bedeutsam. Diese bewirken, dass in den ersten Jahren praktisch auf den real erzielten Gewinn weniger Steuern zu bezahlen sind.

Die „Abschreibungen“ als Preiskomponente steht bei Großobjekten im Zusammenhang mit Finanzierungskosten. Man kann unterstellen, dass ein Kraftwerk fremdfinanziert wird. Das neue Werk ist also mit einem Kredit belastet, dessen Zinsen und Kosten in den Preis eingehen. Das ist vernünftig, denn wer sollte einem Privatunternehmen zumuten, dass es erst in 10 Jahren anfängt, Profit zu machen und bis dahin nur Zinsen und Tilgung erbringt. Nun weist man natürlich ungern darauf hin, dass im Moment Kredite relativ billig, diese Kosten also im mittelfristigen Zeitvergleich relativ gering sind. Trotzdem ist es natürlich eine Manipulation, wenn man die Anlaufkosten mit Auslaufkosten alter Fabriken vergleicht – wir haben ja vorher gerade gesehen, dass durch frühzeitige Abschreibungen, offene und versteckte Subventionen die erhöhten Anfangsfinanzierungskosten mehr als ausgeglichen werden können.

 

Es ist selbstverständlich, dass generell ein Profit einkalkuliert wird. Sonst würde ja kein Privater ein Unternehmen anfangen, wenn in der Erwartung nicht mehr herauskäme, als er planen muss hineinzustecken. Er entschuldigt das u.U. mit einem „Risikoaufschlag“ für sein Unternehmertum. Bei einem Stromversorger ist dies allerdings eine relativ faule Entschuldigung, da sein Risiko um ein Vielfaches kleiner ist als bei einem Apfelverkäufer, der „blöd dasteht“, wenn er am Ende des Tages mit vorgegammelten Früchten wieder den Markt verlassen müsste.

 

Hoffentlich wurde klar: Veröffentlichte Preiskalkulationen, die stromerzeugerische Äpfel, Birnen und Kohlköpfe miteinander vergleichen, sind viel eher politische Absichtserklärungen als wirtschaftliche Wirklichkeit. Wer hier wie viel als Ertrag ausrechnet, ist keine „marktwirtschaftliche Größe. Wie soll es das sein, wenn z.B. eine „Netzgebühr“ um 5 Cent pro Einheit hoch- (oder herab-)gesetzt werden kann?

 

Veröffentlicht in Debatte

Kommentiere diesen Post