Es gibt ihn noch - den Roten Brandenburger

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Klar "Roter Brandenburger" ... das ist die Monatspublikation der Brandenburger DKP. Irgendwie sporadisch scheinen die zu arbeiten. Eigentlich bin ich im Verteiler, doch das letzte online-Exemplar kam im April / Mai. "Klassenkampf" ist da etwas kontinuierlicher. Egal. Ist ja ein zeitloses Blatt. Die Rede eines Genossen zum und am 1.9. im Oktober zu "dokumentieren" und deshalb eine "Weltfriedenstag"-Seite einzurichten ist nur durch eines zu entschuldigen: Die Rede könnte (ohne Hinweis auf den Tag) täglich gehalten werden ... und müsste es leider auch:

(Hinweis: Korrigiert werden sollte der Satz mit der Friedensfähigkeit in ""Der Imperialismus ist so friedensfähig wie seine organisierten Gegner ihn machen." Beanstanden würde ich noch das "bereits" bezogen auf die Ziegenhals-Tagung. Zu den Lehren der damaligen Zeit sollte gehören, dass man nicht früh genug anfangen kann, eine breite Front des friedlichen, aber aktiven Widerstands zu bauen. Die "Machtergreifung" war am 7.2.33 unter den Bedingungen der Illegalität bereits nicht mehr umzukehren ...)

 

Wir dokumentieren die redaktionell bearbeitete Rede des Gen. Frank Erhardt aus Potsdam:

Heute jährt sich zum 73. Mal der Überfall auf Polen. Dieses Datum wird gemeinhin als Beginn des 2. Weltkrieges gesehen. Manche sehen den Krieg gegen das spanische und baskische Volk, 3 Jahre zuvor, als dessen Beginn an.

Kein Platz für Besserwisserei und Streit! Das Resultat zählt: nämlich ca. 55 Millionen tote Menschen. Und noch mehr sollten uns die Ursachen interessieren. Die Ursache für Faschismus und Krieg liegt nicht bei der Einzelperson Hitler – sie liegt im Kapitalismus!

Der Kapitalismus ist nicht friedensfähig!

Heute am 1. September 2012 stehen wir unmittelbar vor der Kriegsgefahr für zwei weitere Länder, denn Syrien und Iran sind unmittelbar vom Krieg bedroht. Und die BRD mischt wieder mit! ...

„Frau Merkel, unter Ihrer Führung werden Kriegswaffen aus der Deutschland AG an Terrorregime weltweit verkauft, oder im Falle von Israel eben auch mal verschenkt.

Frau Merkel, Sie sind mitschuldig an Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, unterlassene Hilfeleistung und und und.“ …

Meine Großeltern und ihre Generation haben vor 73 Jahren geschwiegen. Sie sind sogar mitgelaufen. Sie haben nichts gegen den Krieg, gegen den Rassismus, gegen die Konzentrationslager unternommen.

Heute ist die bundesdeutsche Bevölkerung wieder soweit. Die Warnung vor Krieg, der Widerstand gegen alte und neue Faschisten wird geahndet. Nicht die Naziaufmärsche, nicht die öffentliche Kriegshetze und Vorbereitung eines Angriffskrieges, wie es das Grundgesetz fordert, wird bestraft, sondern die Billigung des Abfackelns dieser Fakten.

Antifaschisten, die einen Naziaufmarsch blockieren, werden zuerst massenweise ausspioniert und abgehört, dann mit brachialer Gewalt und Wasserwerferunterstützung von der Straße geprügelt, dann werden sie erkennungsdienstlich behandelt und am Ende mit Geldstrafen belegt. Das habe ich alles am eigenen Leib erlebt.

Diejenigen, die als zum organisierten Widerstand und zur Aktionseinheit gegen den aufziehenden Faschismus bereits am 7. Februar 1933 aufgerufen haben, nämlich die Teilnehmer an der illegalen Tagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands unter der Führung Ernst Thälmanns in Ziegenhals, werden heute totgeschwiegen.

... Die Gedenkstätte in Ziegenhals ist unter heutiger Regierung vernichtet worden.

Es wird scheinheilig der Mauertoten gedacht, und am Rande der Festung Europa krepieren tausende Menschen – vor unser aller Augen! Die EU-Grenztruppe Frontex sorgt für aktive Flüchtlingsbekämpfung (im wahrsten Wortsinn), statt für regulierte Zuwanderung.

Deutsche Soldaten dürfen jetzt auch am Strand von Somalia gezielt töten. Bei dem afghanischen Ort Kundus sind auf deutschen Befehl über 120 Zivilisten zu Tode gebombt worden – so etwas bleibt heute ungestraft.

Im Gegenteil, der damalige Oberst Klein wurde zwischenzeitlich zum General befördert! Vor Syrien wird mit deutscher Besatzung und deutscher Technik die legitime syrische Regierung ausspioniert und die Erkenntnisse werden den sogenannten bewaffneten Rebellen in die Hände gespielt.

Die damalige Regierung, ich spreche von Rot-Grün, die 1999 in den ersten Angriffskrieg einer deutschen Armee nach 1945 trieb, hat konsequenterweise drei Jahre später auch die Hartz I – IV Gesetze verabschiedet. Denn Kriege führen kostet Geld.

Dieses Geld spart die Regierung im Auftrag der Banken und Konzerne bei den untersten Schichten der Bevölkerung

– bei den Kindern, Rentnern, Arbeitslosen und Minijobbern

– bei der Bildung und im Gesundheitswesen.

Das ist der Zusammenhang zwischen dem Krieg nach Außen und dem Krieg nach Innen. Nicht zuletzt, um heraufziehende soziale Unruhen im Keime zu ersticken. Nicht diejenigen sind Terroristen, die Bundeswehrfahrzeuge abfackeln – so kontraproduktiv das auch immer sein mag – sondern diejenigen, die sie bauen und einsetzen!

Und noch eins: Lasst uns gemeinsam für Frieden und gegen die imperialistischen Kriege kämpfen – tragen wir gemeinsam massenhaft unseren Protest ins Land.

Lasst uns von dieser Stelle aus für ein Potsdam ohne Militaristentempel – für ein Potsdam ohne Garnisonkirche kämpfen.

Seite 4  Oktober 2012 Rot e r B r a n d e n b u rge r

Weltfriedenstag 2012

 

Veröffentlicht in politische Literatur

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