Euro oder nicht „Euro“ - Ist das hier die Frage?

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Die Linken haben es geschafft: Nach Jahren plumper Selbstverständlichkeit, dass „Euro“ und „Europa“ Synonyme für Fortschritt sind, zu dem man sich bekennen muss (und wer das nicht tut, ist ein Hinterwäldler), wird zumindest über diese angebliche „Selbstverständlichkeit“ diskutiert.

Erst einmal: Innerhalb der bestehenden Macht- bzw. Eigentumsverhältnisse gibt es keine Erscheinung, die nicht in letzter Konsequenz zu Lasten der Massen geht. Wer also nicht nach dem Namen des Sumpfes fragt, braucht sich über den Standort der einzelnen Sumpfgräser nicht zu viel Gedanken machen. Und der Sumpf heißt „Kapitalismus“ und „Privateigentum an Produktionsmitteln“.

Die Unterschiede zwischen einer gemeinsamen Währung und kleinen Einzelwährungsräumen liegen ja erst einmal „nur“ in den Verwertungsmöglichkeiten der nationalen Kapitale – wenn man unterstellt, dass es solche überhaupt noch gibt. Ungünstige Verwertungsbedingungen werden so wie so an die einfache Bevölkerung weitergegeben.

Das Problem ist aber, dass mit engerer Integration Entwicklungsvorteile des Stärkeren schneller durchgesetzt werden. Beispielsweise führten unausgeglichene Handelsbilanzen automatisch zu Wertverschiebungen der Währungen. Im Ergebnis würde eine Überschwemmung eines Landes mit billigen Importen gebremst bzw. umgekehrt die Binnenmärkte würden ohne protektionistische Staatseingriffe vor Exportweltmeistern gedämmt.

Was sollte Linke berühren?

Wie geht es den Werktätigen in JEDEM einzelnen Land? Also nicht, ob der deutsche Arbeiter aus der verschlechterten Lage der anderen einen vorübergehenden Vorteil haben könnte.

Letztlich ist die Frage der Integration wichtiger als eine Währungseinheit: Ist das Land der Griechen faktisch schon ein zurückgebliebenes Protektorat eines Deutsch-Europa oder gäbe es Spielraum, dort einen eigenen wirtschaftlichen und politischen Weg zu gehen. Eine primitive Hilfe, aber eben eine Hilfe, für die (einmal die nur herausgegriffen) griechischen Arbeiter wäre jede Losbindung, die der Entwicklung ihres Landes zur Freien Sozialistischen Republik im Wege steht. Also beispielsweise das Lissabon-Vertragskonzept der EU, die NATO-Mitgliedschaft usw. Alles, was einzelnen Völkern mehr Möglichkeiten gibt, einen eigenen – und damit eben auch einen sozialistischen – Weg zu gehen, ist im Interesse von Linken. In diesem Sinn ist eine gemeinsame Währung eine Fessel von vielen.

Dass sich das in einigen Folgen unter vielen mit den Wünschen von Typen deckt, die sich an der guten alten Deutschmark oder dem preußischen Reichstaler aufgeilen möchten, ist ein unglücklicher Zufall. Aber so etwas wird es immer geben. Linke müssen sowieso mehr zum Denken anregen und dürfen nicht bei Übschriftslettern stehen bleiben ...

 

 

 

 

Veröffentlicht in politische Praxis

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