Geld, Zins, Finanzen, Kapital (1)

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Im Folgenden habe ich mir vorgenommen, einige einfache logische Beziehungen darzustellen. Sollten dabei Gedankengänge in marxistische Nähe geraten, so liegt dies m.E. nur daran, dass der Marxismus offenbar logisch ist.

 

Dass ich versuche einige Gedanken zum Mitdenken anzubieten, liegt daran, dass die Fragen von Zins und Zinseszins einen besonderen Stellenwert in rechten Weltanschauungen hat (raffendes gegen schaffendes Kapital), dass Elemente der gegnerischen „Logik“ auch unter Linken offene Ohren finden, weil sie dem „gesunden Menschenverstand“ / Alltagsbewusstsein entsprechen und letztlich auch, weil es auch für die Beteiligten „so aussieht als ob“ …

 

Wo liegt das Problem?

Die kürzeste Erklärung, was „Kapital“ ist, lautet „Geld, das eingesetzt wird, damit es nach diesem Einsatz mehr Geld geworden ist“.

Für denjenigen, der sein Kapital-Geld einsetzt, ist dies als Definition ausreichend, für das Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge aber nicht. Da muss unterschieden werden, ob nur für das einsetzende Individuum ein Mehr herauskommt, also eine Umverteilung zu Lasten eines oder aller andern, oder ob ein „gesellschaftliches Mehr“ herauskommt bzw. herauskommen kann.

Beginnen wir beim zweiten Fall, denn der beschreibt das „Kapital“ im engen marxistischen Sinn, nachdem es eine ganze Wirtschaftsweise bezeichnet, weil es ihre wesentliche Beziehung beschreibt.

(Im Folgenden muss die Marxsche Methode angewendet werden, die logischen Elemente eines Gesamtprozesses getrennt zu betrachten, auch wenn sie im praktischen Vorgang deckungsgleich miteinander verbunden sein können:)

Der Produktionskapitalist kalkuliert, welchen Profit er mit dem Einsatz eingekaufter fremder Arbeitskraft erzielen kann. Er kauft sie, betreibt also sein Unternehmen und macht im positiven Fall den Profit, den er beabsichtigt hatte. Unterstellen wir dabei, dass er seine Maschinen und Anlagen zu ihrem Wert kauf und auch den Arbeitern zahlt, was diese „wert“ sind.

Verfügt er über nicht ausreichend Kapital, so hat er die Chance, es sich zu leihen. Für ihn ist also das geliehene Geld eine kalkulatorische Größe. Ist er normal, wird er den Kredit nur aufnehmen, wenn der Preis des Geldes, also der zu zahlende Zins, niedriger ist als der oben kalkulierte Bruttoprofit. Hat er seine Erwartungen zu hoch geschraubt, hat er Pech, hat er sie sehr viel zu hoch geschraubt, hätte auch der Geldgeber Pech.

Auf jeden Fall gibt also der „Produktionskapitalist“ dem Finanzierer einen Teil des realisierten Mehrwerts ab, den er selbst aus den eingesetzten Arbeitskräften erlöst – in marxistischer Ausdrucksweise also aus der Ausbeutung, die er betreibt.

 

Das und nur das ist „echtes“ Kapital, das der heutigen Welt ihren bestimmenden Namen gibt. Die Arbeitszeit, die die Arbeitenden über das zu ihrer eigenen Reproduktion hinaus notwendige Maß hinaus erbringen, wird „aufgeteilt“. Der Zins ist dabei im Normalfall der kleinere, aber sicherere Teil. ...

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