Geld, Zins, Finanzen, Kapital (4)

Veröffentlicht auf

Aber: Der sozialistische Staatsbürgersparer ist von der Position ausgeschlossen, echter Kapitalist zu werden, also mit seinem Geld tatsächlich produktive Investitionen zu tätigen. Er kann nur vorgeblich auf seinen Konsum verzichten, also diesen verschieben, damit der Staat, die Gesellschaft, dieses Geld wie Kapital behandeln könnte. Dies erfolgt aber nur in dem Umfang, in dem die Gemeinschaft produktiv investiert. Ansonsten ergibt sich ein demoralisierendes Nullsummenspiel:

Der Staat als Gesamtgebilde haftet sozusagen für die Gesamtgeldmenge. Er kann diese erhöhen, ohne dass dem eine Erhöhung der einlösbaren Warenmenge gegenübersteht. Im ungeregelten Markt müsste dies tendenziell zur Geldentwertung führen, was im Realsozialismus den überhöhten Preisen für Luxusgütern entsprach; soweit jedoch die Preise feststehen sollen, wird das Geldversprechen immer weniger einlösbar. Sparguthaben als Signal dafür, dass sich „die Leute“ nicht das Gewünschte kaufen können … und durch die gewährten Zinsen erhöht sich dieser Betrag noch, ohne dass sich die Warenmenge erhöht.

Zwischen gemeinschaftlicher und privatkapitalistischer Wirtschaftsorganisation bestehen noch andere Unterschiede.

Die gemeinschaftliche Wirtschaftsorganisation ist einfacher strukturiert. Hier gilt tatsächlich, dass verbraucht werden kann, was geschaffen wurde und je mehr heute produktiv investiert wird, umso weniger kann heute konsumiert, aber umso mehr kann „morgen“ konsumiert (und produziert) werden.

In diesem Sinn sind alle Rüstungsausgaben im weitesten Sinn Konsumtion, die den Umfang möglicher individueller Konsumtion genauso mindert wie den Umfang der produktiven Investition.

Beim kapitalistischen Wirtschaften wird zuerst einmal tatsächlicher Profit realisiert, da ja der Produzent sein Produkt wirklich verkauft. Er hat es als Ware realisiert. Käufer ist der Staat, für den theoretisch-logisch ein dem gemeinschaftlichen Wirtschaften ähnliches Problem aufzutauchen scheint. Einen vorgegebenen Haushalt unterstellt, geht jede Entscheidung zugunsten von Position A gleichzeitig zulasten der anderen Ausgabenpositionen. Aber: Die produktive Investition amortisierte sich bereits. Diese Warenposition hat bereits Ertrag abgeworfen. Rüstungsausgaben des Staates gehen also NUR zu Lasten des privaten bzw. gesellschaftlichen „Konsums“. Andererseits sind Rüstungsausgaben eine spezielle „produktive“ Konsumtion / Investition. Für den Starken bewirkt militärische Macht eine dauerhafte nichtäquivalente Tauschsituation. Also die Starken erhalten Produkte (Rohstoffe usw.) dauerhaft unter ihrem Marktwert in Marxschem Sinn und verkaufen ihre Produkte „überteuert“. Das muss man mitunter über mehrere indirekte Ecken sehen. So bezahlen die USA viele Waren mit „frischen“ Dollars, von denen sie wissen, dass diese als „Versprechen“ nie eingelöst werden können. Solange aber nicht alle Betroffenen versucht haben, ihre eigentlich wertarmen Dollars einzulösen, kann sich jeder für sich in der Illusion wiegen, diese Dollars wären das wert, was sie nominal von sich behaupten ...

 

Wohlgemerkt: Dies ist kein Wertschöpfungsprozess sondern einer der Umverteilung.

Veröffentlicht in unsere Epoche

Kommentiere diesen Post