Grünbuch Kommunismus - Teil 2 zu "Gemeinschaft der Glückssüchtigen" - Erstideen (8)

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Die chinesische Entwicklungsstrategie versucht offenbar, Generationen vorauszudenken. Es ist ja auch verlockend, sich vorzustellen, mit kapitalistischen Methoden im Verlaufe de nächsten 100 Jahre so reich geworden zu sein, dass das Ergebnis harmonischen Sozialismus bedeutet, der Kommunismus werden könnte. Einen solchen Typ „Kapitalist“ gab es auch in der Anfangsphase dieser „Gesellschaftsordnung. Ihren Betrieb wie ein Vater leitende, also mitarbeitende Kapitalisten, die sich für das Wohl „ihrer“ Mitarbeiter einsetzten. Spätestens in dem Moment, in dem es um die Erbschaft ging, war alle Menschenfreundlichkeit des Firmenvaters vergessen. Spätestens dann interessierte die Nachfolger nur noch der Profit, den der Laden abwerfen könnte, und wieso sollte der Vater von der Lisa weiter Pförtner spielen, nur weil er seine kranke Familie erhalten muss … und dann fehlt er eben mal? Tendenziell wird „Kapital“ immer abstrakt und ist dann nur an schnellst- und höchstmöglichem Profit interessiert. Das heißt ja nicht, dass es keine „Familienunternehmen mehr gäbe oder „Kapitalisten“ keine Gesichter mehr hätten. Das heißt nur, dass tendenziell jeder, der in der Rolle eines „Kapitalisten“ im Welttheater mitspielt, sich mit dieser auch identifizieren muss – auch, wenn er ein Kommunisten-Parteibuch bei sich trägt.

Ein Parteibuch kann dem Besitzer das Attribut „kommunistisch“ zuerkennen – es sagt wenig, wenn seine persönlichen Interessen andere sind, wenn der Kampf gegen „Korruption“ zum Kampf gegen die Konkurrenz wird.

Wir dürfen uns da kein Urteil anmaßen. Wir sollten aber Zweifel haben an schönen Papieren, die Parteitage beschließen, wenn die gesellschaftliche Wirklichkeit eine andere ist. Aber wir müssen bangen: Das Schicksal aller Menschen auf der Erde in einem absehbaren Horizont hängt mit den tatsächlichen Entwicklungen in China zusammen. Dabei spielen extrem viele Gedanken eine Rolle.

Nur ein Beispiel: Wir können uns darüber streiten, wie sich die „Arbeiterklasse“ entwickelt. Ich hänge eigentlich denen an, die diese Klasse im Schrumpfen sehen. Das wird aber dann richtig komisch, wenn wir bedenken, wie viele Menschen in China neu zur „Weltarbeiterklasse“ hinzustoßen. Aus der Warte der ganzen Erde wächst die Arbeiterklasse noch immer.

Ein Blick auf China lässt auch an einigen revolutionstheoretischen Selbstverständlichkeiten zweifeln.

 

Es ist ja irgendwie verständlich, wenn wir unser bestes Deutschland auf der Welt als Nabel derselben sehen. Wenn wir aber die Frage nach zukünftigen Entwicklungen stellen, müssen wir die Möglichkeit mitdenken, dass unsere heutige Rolle – bewusst eingeschlossen, dass die im Moment sogar noch wächst … eben der Gründe wegen, warum sie größer wird – der Treibstoff für die vierte deutsche Implosion sein könnte.

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