Hat das einen Sinn?

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Letzte Woche rief mich Brigitte Queck an. Ob ich zur Friedensmahnwache am ersten Samstag des Monats, also heute, 11 bis 12 Uhr unter der Weltzeituhr kommen könne. Krankheitsbedingt könne sie nicht Jeder reitet bestimmte Steckenpferde, Brigittes Pferdchen ist das der an Penetranz grenzenden Beharrlichkeit. Seit dem Jugoslawienkrieg Mahnwache vor der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz jeden Montag mit einem Häuflein Aufrechter Mahnwache der „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“, seit dem Libyen-Krieg eben die monatliche „fünf vor zwölf“.

Immer nur wenige, einander ablösende Leute, gelegentlich durch Gedichte und so aufgelockert.

Die Massen strömen voll Angst vorbei, sie könnten persönlich angesprochen werden …

Rein gefühlsmäßig halte ich die weltweiten Massendemonstrationen der Millionen vor der Irak-Invasion für die Psycho-Katastrophe der Friedensbewegung. Der Bush-Krieg begann unbeeindruckt von den ablehnenden Massen. Danach kamen trotz stiller Kriegsablehnung nie mehr wesentliche Massen zumindest in Deutschland zusammen.

Es ändert ja doch nichts.

So gesehen sind solche Mahnwachen (wie z. B. Montagsdemoüberreste) nur lächerlich.

Doch in Zeiten de Ego-Trips haben sie doch eine Bedeutung: 70 Prozent der Deutschen sind gegen Auslands“einsätze“. Eigentlich müsste jeder von ihnen ein schlechtes Gewissen haben. So klein sie auch sein mag – jeder, der nicht irgendetwas aktiv für seine menschliche Meinung getan hat, ist mitschuldig an der Kriegstoten und -versehrten … und auch, wenn es keine „Deutschen“ sind, so sind es doch Menschen. Wer wenigstens einmal mitdemonstriert hat, kann sich etwas damit reinwaschen: Wenn ich es auch nicht verhindern konnte, so habe ich es doch wenigstens versucht.

Irgendwelche tanzenden Jugendlichen, die damit „christliche Werte“ zu verbreiten versuchten, versuchten ein hübsches Sinn-Spiel: Jeder der Tanzenden holt einen am Rande Stehenden zum Tanz in den Kreis und immer so weiter …

Heutzutage haben Kriege eine „schleichende Komponente“ hinzugewonnen. Im Wesentlichen wurde vor Hiroshima eine bestimmbare Menge Menschen getötet und verletzt. Danach hatte die Zeit der Erbschäden begonnen. Noch immer werden in Vietnam Opfer des Entlaubungskrieges geboren. Jeder Schuss „abgereicherter Uranmunition“ setzt minimale Menge Staub frei – mit tausenden Jahren Halbwertzeit. Menschen, die nie an irgendwelchen Kampfhandlungen beteiligt werden führen ahnungslos jeden beendeten Krieg weiter. Und wir führen uns weiter auf, als lebten wir noch immer im Gladiatorenzeitalter …

Ein überraschendes und berührendes Erlebnis brachte die heutige Mahnwache auch: Ein Syrer mit Begleitung kam auf uns zu, las unsere Transparente, dankte uns herzlich und konnte sichtlich nur mühsam seine Tränen unterdrücken. Er wusste aus erster Hand, dass ohne NATO und internationalem Kapital die seinen zu Hause friedlich arbeiten könnten und ihre Probleme unter sich gelöst hätten. Nun hat er Angst, ob die Zurückgebliebenen überhaupt noch leben.

Ich gebe zu, ich hatte medienmanipuliert auch eher damit gerechnet, dass sich gerade Exilsyrer eine „Befreiung“ von Assad wünschten. Aber bedenken wir immer, wie Meinungen gemacht werden: So wie die gegen Wahlmanipulationen Demonstrierenden ihre Brust entblößten und die Pussy Riots für eine Minute schreiend in die Kirche stürmten … es hätte niemand bemerkt, wären nicht vorher die Kameras bestellt gewesen und hätten nicht die deutschen Medien genau diese je drei Russenmädchen als Symbol der Stimmung von Millionen Russen ins Bild setzen wollen. So wird auch von Syrien gezeigt und gemeldet, was gutgläubige Menschen sehen und glauben sollen.

Am Montagmorgen mahnt die Hiroshima-Glocke wieder: Jetzt sind es 67 Jahre, seit die Menschheit den Beweis angetreten hat, dass sie sich selbst zerstören kann. Es ist eine Frage der Würde jedes einzelnen Menschen, gelegentlich öffentlich unmissverständlich zu zeigen, dass er dies nicht widerstandslos über sich ergehen lässt.

 

 

Hiroshima-Tag: Termine

Sonntag


Belzig: Gedenkveranstaltung 20–22 Uhr, Stadionteich, Weitzgrunder Straße

Berlin: Aktion »Nacht der Kerzen«, 20 Uhr, Weltfriedensglocke im Volkspark Friedrichshain

Braunschweig: Lichterprozes­sion, 21 Uhr, Theaterpark, Okerbrücke Jasperallee

Köln: Gedenkveranstaltung 15 Uhr am Mahnmal »Atomwaffen abschaffen« im Hiroshima-Nagasaki-Park

Montag


Bad Hersfeld: Mahnwache 18 Uhr, Rathauspaltz (Lullusbrunnen)

Berlin: Anschlagen der Friedensglocke im Volkspark Friedrichshain (großer Teich), 8.15 Uhr; Gedenkmeeting 17 Uhr

Bochum: Aktion »Hiroshima mahnt«, 17 Uhr, Hauptbahnhof

Bonn: Kundgebung, 18 Uhr, Beueler Rheinufer, Nähe Brückenforum

Bremen: Mahnwache, 12 Uhr, Marktplatz

Brokdorf: Mahnwache, 14 Uhr, Hauptor AKW

Büchel: Lesung, 20.30 Uhr, in der Nähe des Haupttores zum Atomwaffenlager

Dortmund: Mahngang durch die Innenstadt, 16 Uhr vom Reinoldikirchplatz zum Rathaus

Frankfurt am Main: Mahngang, 19 Uhr, Baruch-Baschwitz-Platz (Bahnhof Rödelheim)

Frankfurt/Oder: Mahnwache, 16–18 Uhr, zwischen Oderturm und Lennépassage; Film: »Deadly Dust – Todesstaub«, 19 Uhr, St. Georg Gemeindehaus (Karl-Ritter-Platz 4)

Freiburg: Mahnwache, 16–19 Uhr, Rathausplatz

Hamburg: Kundgebung, 17 Uhr, Kriegsklotz (Stephansplatz)

Hanau: Mahnwache, 18 Uhr, Marktplatz

Hannover: Anschlagen der Friedensglocke, 8.15 Uhr

Hohen Neuendorf: Ausstellungseröffnung »Mayors for Peace – 5000 Poster«, 13.15 Uhr, Rathaus

Karlsruhe: Mahnwache, 17–19 Uhr, vor der Kleinen Kirche (Nähe Marktplatz)

Kiel: Gedenkveranstaltung ab 19.30 Uhr, Hiroshimapark

Köln: Mahnwache, 17.30 Uhr, Domplatte

Mannheim: Mahnwache, 17–18 Uhr, Paradeplatz

München: Mahnwache, 17–21 Uhr, Stachus

Nürnberg: Gedenkveranstaltung, 17 Uhr, japanische Säule in der Straße der Menschenrechte

Weitere Termine unter: www.friedenskooperative.de

(Quelle hier: junge Welt)

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