Heilsversprechen Himmelreich Kommunismus? (2)

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... Selbst der beste Marxist kann bei etwas eigenem Denken und Fühlen gelegentlich nicht am teuflischen Zirkelschluss vorbei: Es ist „der Mensch“ zwar nicht gottgegeben unveränderlich, aber der konkrete Mensch ist in seinem Denken und Handeln Produkt der Verhältnisse, die er ändern soll. Die konkreten Menschen, die der „gestrigen“ Welt noch entspringen, aber schon ansatzweise „morgig“ denken und die Veränderung der Verhältnisse, die sie geschaffen haben, anstreben und durchführen wollen und können, sind immer eine Minderheit.

In einer dafür besonders günstigen Zeit „predigte“ er die „historische Mission des Proletariats“. Das nahm unbewusst (?!) die Denkweise der zu Großem ausersehenen Messiasse, der führenden Propheten auf, verband sie aber mit dem Anspruch der strengen Wissenschaftlichkeit.

An letzterem scheiterte das Anliegen. Wieder folgte ein „Zirkelschluss“:

Die Arbeiterklasse „an sich“ entstand als notwendiges, unvermeidliches Produkt der Produktivkraftentwicklung. Die moderne Produktion erforderte eben „Unternehmer“ und „doppelt freie Lohnarbeiter“. Die Formung einer Arbeiterklasse „für sich“, also das vorsätzliche Handeln im Sinn der Erfüllung der verkündeten „historischen Mission“ aber ist ein Bildungsprozess in weitestem Sinn, aber eben einer, der in die Gestaltung des Überbaus der Gesellschaft gehört. Und so produzierte „die Gesellschaft“, die ja immer durch die herrschende Klasse geprägt wird, die Bedingungen, sie zu überwinden, sondern auch die Mittel, diese „Überwindungsbedingungen“ wieder zu neutralisieren.

Einfach gesagt: Erst einmal musste der Kapitalist für Großproduktion sorgen, damit also seine historischen Gegner zusammenballen und ihnen damit die Gelegenheit geben, sich gegen ihn aufzustellen / zu organisieren. Im Ergebnis dieser Stufe der Entwicklung müssen die sich Organisierenden „Lehrmaterial“ in die Hand bekommen – egal, ob das eine umfassende Theorie oder greifbare Erfahrung aus konkreten praktischen Kämpfen ist. Dem Kapitalisten sind diese „Lehrmaterialien“ jedoch mindestens genauso gut zugängig. Er kann die revolutionären Theorien lesen (dazu hat er mehr profane Bildungszeit) und sie mit der Leichtigkeit des primitiven Augenscheins widerlegen (im Sinne: jeder sieht doch, dass die Sonne dort auf und da untergeht, sich also um die Sonne dreht. Wenn wir die umkreisen würden, müsste uns ja schwindlig werden). Auch aus praktischen Erfahrungen lernt er – wenn auch aus umgekehrtem Blickwinkel. In dem Moment, in dem er sich durch die Konzentration der Arbeit seinen Reichtum hat potenzieren können, kann er Bedingungen schaffen, die dem seiner Natur nach revolutionären Proletariat diese Eigenschaft neutralisiert. Im Überbau ist das in erster Linie der Opportunismus, an der Basis der Gesellschaft die Zerstückelung in diverse soziale Gruppen und deren Prekarisierung.

 

Womit wir praktisch wieder am Anfang stehen. Allerdings mit mindestens zwei Unterschieden: Tendenziell wird der ideelle Gesamtkapitalist alles tun, um die Vereinzelung der Arbeiter praktisch zu fördern. Neue Fließbänder, an denen konkrete Arbeitermassen nebeneinander arbeiten, sind nicht in Sicht. Gegen eine strukturelle Neubelebung potentieller Massenkommunikation mittels Internet sind NSA und Konsorten aufgestellt. ...

Veröffentlicht in Zukunft denken

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