Hi Anonymus …

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Unter diesem Titel geruhte der Bundesvorsitzende meines Schriftstellerverbandes, Herr Imre Török, einen offenen Brief zu verbreiten, der mir durch die Veröffentlichung in „Buchreport“ zur Kenntnis kam. Von wesentlichen Aussagen dieses Briefes möchte ich mich hiermit ausdrücklich distanzieren.

Ja, es ist richtig: „Man muss offen und solidarisch für seine Ideale streiten.“

Die Methode des Anprangerns – so würde ich das nennen, was die sich hinter der Maske Verbergenden getan hatten, als sie die lautesten Egoisten auf Listen vorführten, wo doch Egoismus heute normal ist - ist der Würde jedes Menschen abträglich. Man bedenke, dass zu Mittelalterzeiten das an den Pranger Stellen als Strafe nach Verurteilung verhängt wurde, Anonymus beruft sich selbst zum Richter und Henker in einem.

Ja, es ist ein Problem: Wir leben in einer Welt, in der man Geld zum Leben braucht. Die Arbeit, die Schriftsteller leisten, ist eben, Worte zu Geschichten zu formen. Davon möchten sie leben können. Davon müssen sie leben können. Das muss gelöst werden, wenn nicht die schreibende Kunst restlos brotlos werden soll (Musiker und andere Künstler ähnlich).

Dann aber kommt das Aber.

Praktisch lassen sich hier Künstler vor einen üblen Karren spannen. Wenn Herr Török Urheberrechte zu „verbürgten Menschenrechten“ hochschreibt, kann ich mich nur angewidert abwenden. Auf solcher Art „Menschenrechte“ spucke ich. Da landet er bei „Menschenrechts“-Logik, die lieber Millionen Menschen sterben lässt als sie mit Generika sich retten zu lassen, weil damit Urheber-Menschenrechte verletzt werden. Ist das von dem Herrn so bedacht?

Von welchen „Freiheitsrechten“ spricht er da? So wie die einen von ihren genutzten geistigen Möglichkeiten leben können sollten, so sollen die anderen an ihren Produkten Genuss gewinnen dürfen. Die Unflätigkeit, von „Schwarmdummheit“ zu schwadronieren, weil sich da welche in der Form vergriffen haben, ist der Ton von jemandem, der nicht in meinem Namen spricht. Hier würgt ein selbstgerechter „Menschenrechts“-Apostel in tiefstem Gedärm steckende Verachtung gegenüber einfachen Menschen aus. Verachtung gegenüber „bildungsfernen Schichten“.

Was heißt hier Diktaturen? Was wird hier alles in einen Kübel geworfen? Es stünde einem Künstler besser zu Gesicht – mit und ohne Maske – sich dafür einzusetzen, dass nicht nur er sondern kein Mensch auf dieser Erde um ein anständiges Überleben betteln muss. Kreativität bedroht? Von Urheberechtsverletzungen?! Da schlage ich doch lieber eine solidarische Gemeinschaft vor, wo jeder so kreativ sein kann, wie er es eben kann, und jeder die Schätze der Weltkultur unbeschränkt nutzen kann, damit er kreativer wird.

Wie tief ist inzwischen der Schriftstellerverband gesunken. Einstmals eine Stimme des Menschheitsgewissen in deutschen Worten (wenigstens in denen) ist er herabgestiegen zur Standesorganisation beim Kampf ums größere Kuchenstück. Aber damit nicht genug: Man muss das noch zur Menschenrechtswahrung erklären.

Entschuldigt die Pickel im Gesicht. Die macht der Ekel. Fast wäre ich geneigt, „ein fürchterliches Gesicht hinter Grinsemaske“ aufzusetzen. Aber ich möchte ja doch „offen und solidarisch“ für mein Ideal streiten ...

 

http://www.buchreport.de/nachrichten/buecher_autoren/buecher_autoren_nachricht/datum/2012/05/16/fuerchterliches-gesicht-hinter-grinsemasken.htm



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