Kann man von einem Papst Revolutionäres verlangen?

Veröffentlicht auf

"Revolution" wird im Sprachgebrauch in zweierlei Sinn gebraucht.

Der häufigere Gebrauch ist der politisch oberflächliche: Die einen verjagen die anderen mittels ihrer speziellen Macht(Gewalt-)instrumente von der Herrschaft (Macht). "Revolutionen" dieser Art ist eigentlich gemein, dass sie das aktuell geltende Recht brechen. (Das einfachste Mittel, um "Revolution" einen negativen Klang zu geben.)

Der richtigere Gebrauch ist der philosophische. Paradoxer Weise bedient sich ausgerechnet die Werbung dieser Begrifflichkeit. Da strotzt es u.U. von "Revolutionen" in der Zahn- oder Haut- oder einer anderen Pflege, dem Autobau usw. So erheiternd komisch das im Einzelnen wirken mag (und so falsch die Behauptung im Einzelnen sein mag), so richtig ist der Begriff verwendet: Eine Revolution im philosophischen Sinn ist nichts Anderes als eine wesentliche / grundsätzlich veränderte Gestaltung eines bestimmten Systems innerhalb einer relativ kurzen Zeit. Insofern kann es "Revolutionen" innerhalb aller Bereiche der Wirklichkeit geben, sofern man sagen kann, davor war etwas so, danach eben eindeutig anders, und die allmähliche Entwicklung (Evolution) wurde ruckartig durchbrochen. (Insofern ist die Konterrevolution in der DDR eben auch eine Revolution.)

Eine bestehende Institution, die sich noch dazu mit den Verhältnissen, innerhalb denen sie existiert, "arrangiert" hat, ist erst einmal ihrem Wesen nach "konservativ", was in philosophischer Auslegung nur ein anderes Wort für "antirevolutionär" ist, weil das Wesen konservativen Herangehens an etwas Existierendes eben die Bemühungen um seinen (unveränderten) Erhalt darstellt.

Insofern ist die Kirche - dabei wieder noch herausgehoben die katholische - das Musterbild konservativen, also antirevolutionären Denkens. Die sollte man beachten, wenn man jene beeindruckende Analyse der aktuellen Schrift Evangelii Gaudium" von Papst Franziskus liest - was ich für empfehlenswert halte. Innerhalb der Grenzen des Papsttums kann man es durchaus revolutionär nennen, wenn die Schrift mit "Keine Revolution, aber ein Programm, das dazu führen könnte" bewertet und mit "Dem Kapital an die Wurzel" überschrieben wird. Das ist nämlich etwas, was das Wesen des Begriffs "radikal" ausmacht - und radikal aufzutreten, kann in Deutschland mit Berufsverbot bestraft werden ... 


Veröffentlicht in Geldzeit

Kommentiere diesen Post