"Klasse" als "Corporate Identity" - Entwurf eines Gedankenspiels (1)

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Wer redet denn heut noch von Klassenkampf?! (4)

 

Mit der Bestimmung einer „Kapitalistenklasse“ als Gegensatz zu einer „Arbeiterklasse“ schien zu Marx´ Zeiten das Ende der Klassenpolarisierung erreicht. Wahrscheinlich ist dies nur teilweise richtig: Die Klasse der „Großbourgeoisie“ hat sich immer weiter entpuppt. Ihr demonstriertes Klassenbewusstsein nähert sich inzwischen in ihrer verkehrten Widerspiegelung der Wirklichkeit jener des hohen Feudaladels im Niedergang.

Einigendes Merkmal der Klasse ist, dass sich ihre Beziehungen zum gesamten Wirtschaftsprozess auf Eigentum, Vermehrung des Eigentums und letztgültige Entscheidung reduziert ist. Das Schlimme daran ist, dass diese „Normen“ auch den nichtbourgeoisen Teilen der Menschheit „eingeimt werden konnte, dass das denken in der Reduktion auf ein angebliches „Wolfsgesetz“ auch von denen übernommen wurde, deren objektiven Interessen es widerspricht, die es zwingt, sich beständig Schwächere zu suchen, um sich nicht als unterste Schicht gesellschaftlicher Hierarchie zu erkennen.

 

 

 

Klasse“ als „Corporate Identity“?

 

Der Mensch ist evolutionstechnisch ein „Herdentier“. Also im Rahmen der Evolution bildete sich gemeinschaftliches Handeln als bevorzugtes Mittel im Kampf ums Überleben heraus. Die dafür erforderliche Kommunikation verfeinerte sich extrem. Nach bisherigem Stand der Forschung gibt es auf der Erde kein Lebenwesen mit einem vergleichbaren Umfang an Kommunikationsinhalten. Wir können „Begriffe“ bilden für eigentlich unfassbare Dinge. Also Erscheinungen haben Namen und werden von den meisten Mitmenschen verstanden, die völlig abstrakt sind, die man äußerlich nicht beschreiben kann, die nur in sehr eigenem Sinn „existieren“. Die Vielzahl der Sprachen grenzt die gegenseitige Verständigung zwar ein, zeigt aber auch, dass die Erkenntnis von Zusammenhängen unterschiedliche Menschengruppen für sich entwickeln können – nur für sich und parallel.

Hat „die Natur“ (die Evolution) aber erst einmal ein Mittel ausgeprägt, dann drängt es zur Anwendung – auch über den Entwicklungsanlass hinaus. Wir reden also nicht mehr nur deshalb miteinander, weil wir einander den Weg zum gerade entdeckten Futterplatz, dem Wild, der Gefahr usw. erklären müssen und wollen oder weil wir planen, wie wir ein großes Tier in eine Falle locken, sondern weil wir eben etwas sagen wollen, weil wir es können.

Gesang und Tanz erfüllen eine Doppelfunktion: Wir können unsere Gefühle „herauslassen“ und uns daran erfreuen, dass wir das können, wir können diesen Effekt aber noch steigern, indem wir ihn mit anderen teilen. Spiel und Training und Kommunikation auf vielen Ebenen und mit unterschiedlichen Notwendigkeiten mischen sich miteinander. Da tauscht jenes verhasste Schulproblem auf, dass es eben nicht allein, ja nicht einmal in erster Linie, darum geht, jenen konkreten Inhalt des einzelnen Unterrichtsfachs zu vermitteln. Da werden in jedem Schulfach zu dem konkreten Stoff 29 von 30 Schülern zurecht voraussagen, dass sie das in ihrem folgenden Leben nie mehr gebrauchen werden (von der Schriftsprache und den Grundrechenarten abgesehen). Gelernt aber wird zu lernen und miteinander umzugehen.

Gruppen bilden sich aus verschiedenen Gründen. Die urzeitliche Horde beispielsweise nach einer natürlichen Mathematik: In einer ganz bestimmten Stärke von Mitgliedern war ihre Überlebenschance einfach am größten. Diese Stärke war dabei von konkreten „Gegnern“ und Aufgaben abhängig.

Die natürliche Evolution ist normalerweise ein Prozess über verhältnismäßig lange Zeiträume. Alle „kurzfristigen“ Veränderungen der Umwelt haben deshalb merkwürdige Nebenwirkungen. Entweder sterben ganze Populationen rettungslos aus oder sie behalten ihre Merkmale in einer widersinnigen Umwelt wie „Blinddärme“ bei, sofern sie dem Überleben nicht zwingend entgegenstehen.

Die Entwicklung der Menschheit vollzog sich in der Vergangenheit immer schneller und zwar je näher sie der Gegenwart kam, umso weniger konnte das Tempo der Anpassung auf natürlichem Weg mit der gesellschaftlichen Entwicklung mithalten. Wir tragen also noch Reste des Verhaltens der aus dem Affenurvater herausgebildeten Urmenschen von vor mehr als 10000 Jahren in uns, wir tragen Anpassungsmechanismen von 10000 Jahren Herrschafts- und Unterdrückungsmensch in uns, aber sehr wenig Anpassung an Verhätnisse, die sich in den letzten 200 Jahren entwickelt haben. Denen wäre nur mit einem besonders Menschlichen beizukommen: Dem Verstand.

 

Vieles an unserem heutigen Verhalten ist eine schnelle pervertierte Umdeutung von irgendwann einmal Sinnvollem. (Wahrscheinlich habe ich bei der Urzeit geschummelt und es müsste noch ein langer Übergang gesetzt werden, in dem sich Verständnis für „Leben“ und Mitgefühl herausbildete.) ...

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