Spiegel: Sie sprechen von “Stolzkultur”. Ist das Ihr ideologischer Kampfbegriff für die Besserverdienenden?
Sloterdijk: Ich interessiere mich nicht für die Besserverdienenden, sondern für alle, die genug verdienen, damit sich bei ihnen der fiskalische Zugriff lohnt. Stolz ist außerdem kein Kampfbegriff. Es ist ein Weckruf, der darauf hinweist, dass die Gesellschaftsmaschine bis auf weiteres nur von den Leistungen der Steueraktiven lebt, und die bilden eine relative Minderheit. Leider hat man bei uns die Tatsachen und die Zahlen in den Keller gesperrt. Rund 25 Millionen Menschen zahlen in Deutschland in nennenswertem Umfang Steuern, sofern man von den Konsumsteuern absieht. Rein fiskalisch gesehen sind diese 25 Millionen Leistungsträger, die den Rest der 82-Millionen-Population in Deutschland mittragen. Nicht nur Junge und Alte, was völlig in Ordnung ist, sondern auch ein wachsendes Heer an Leistungsfernen, die, da sind sich die Experten einig, tendenziell nie wieder in der Leistungszone auftauchen werden, weil sie durch das Transfersystem in eine maligne Abhängigkeit getrieben werden.
Spiegel: Maligne bedeutet in der Medizin bösartig.
Sloterdijk: Bösartig ist, was sich weder von selbst noch durch die laufende Behandlung bessert (...)
Friedensblog
Friedenstexte
hier mitmachen
täglich!
Was ist sonst los?
bundesweit Termine:
https://www.dfg-vk.de/termine