Meine Tochter durfte am Max-Reinhardt-Gymnasium noch ihr Abitur erwerben …

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Schlimm, dass inzwischen auch linke Zeitungen die neoliberale Logik nachplappern, dass der Schulbetrieb wegen Schülermangels eingestellt wurde. Zumindest genauso wahr ist, dass für Bildung so wenig Geld da ist, dass man nicht bereit ist, um bildungsfreundlichere kleine Gruppen / Klassen zuzulassen. Nun also dürfen also auch die verbliebenen bildungshungrigen Hellerdorfer Jugendlichen eben länger unterwegs sein. Da regte sich kein Widerstand.

Als aber eine vorübergehende Bleibe für Asylsuchende als Nutzung des Objektes in Betracht gezogen wird, da meldet sich der Mob, der offenbar nur glücklich ist, wenn Hellersdorf mit negativen Klischees belegt wird. Plattenbau eben. Sozial Deklassierte, Verlierer.

Ungestört durften Menschen mit Vorurteilen so richtig „die Sau rauslassen“. Leute, die keine Ahnung haben, welchem Druck jene Menschen ausgesetzt waren, die sich entschieden haben bzw. die sich hatten entscheiden müssen, ihre Heimat zu verlassen, ihren langjährigen Freundeskreis, alle, mit denen sie sich verständigen konnten aufgeben mussten für die Hoffnung auf sicheres Überleben.

Wieder gejagt.

Es regt sich zum Glück auch Widerstand gegen die Freunde der Fremdenhassprogrome. Hellersdorf ist eine menschenfreundliche Umgebung. Hier gibt es mindestens genauso viele Menschen mit Mut zu offenen Armen und dazu, sich Hasspredigern in den Weg zu stellen wie anderswo.

Wenn unsere Kinder schon nicht gründlicher und umfassender Denken lernen dürfen, so sollen sie doch wenigstens Toleranz lernen. Faschismus ist schlimm. Das Schlimmste aber sind die Massen, die nichts dagegen tun, die lieber auch eine Fackel halten, damit sie selbst nicht dran sind.

unterstützt https://www.facebook.com/HellersdorfhilftAsylbewerbern

 

... Am Dienstag konnte man in Berlin-Hellersdorf einen besonderen Eindruck von dieser Haltung empfangen. »Die sollen sich dahin verpissen, wo sie hergekommen sind!«, »die können wir bei mir in den Keller stecken!«, »die sollte man alle vergasen!« und ähnliche Aussagen waren an diesem Tag zu hören.

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hatte zur Bürgerversammlung geladen – und zwei Hundertschaften Polizei zum Schutz der Besucher aufgeboten. Thema war eine Notunterkunft für rund 200 syrische Flüchtlinge, die im Juli im ehemaligen Max-Reinhardt-Gymnasium in der Carola-Neher-Straße in Wuhletal eröffnet und in den kommenden Monaten zu einer festen Gemeinschaftsunterkunft ausgebaut werden soll (jW berichtete). Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD), ein Vertreter vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (­LAGeSo) sowie Vertreter des lokalen Polizeiabschnitts versuchten, Verständnis für die Situation der Flüchtlinge zu schaffen und Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Rund 800 Menschen waren gekommen – zumeist allerdings nicht um zu diskutieren, sondern um niederzubrüllen. »Nein zum Heim!« schallte es immer wieder aus der Menge, unter ihnen, feixend und grinsend, Kader von »Pro Deutschland«, »Die Freiheit« und NPD. Die Kernbelegschaft des »Nationalen Widerstands Berlin« und NPDler aus den Berliner Bezirken waren zugegen, um die Stimmung für ihre Zwecke zu nutzen. Während das Mikrofon bei NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke noch rechtzeitig abgedreht werden konnte, durfte dessen Lebensgefährtin Maria Fank, Landesvorsitzende der NPD-Unterorganisation »Ring Nationaler Frauen«, ungehindert statistische Zahlenspiele zum Thema Zuwanderung zum besten geben.

Allerdings waren die Faschisten vor Ort gar nicht vonnöten, um eine derartige Haßstimmung zu verbreiten. Den Bürgern wäre das wohl auch ohne das Zutun der Rechten gelungen. So waren zwischen den Aussagen der Nazis und denen vieler ganz gewöhnlicher Deutscher während der Versammlung kaum Unterschiede zu spüren. Geeint zeigten sie sich in der irrationalen Angst vor den Fremden, die angeblich bald die Atmosphäre im Viertel prägten. Auf die Frage, was sie am meisten fürchte, wenn das Heim eröffne, entgegnet eine Mittvierzigerin: vergewaltigt zu werden, da ihr wasserstoffblondes Äußeres »Asylanten« besonders anspreche.

...

Die NPD-Tarnorganisation »Bürgerinitiative Marzahn/Hellersdorf« hatte zu der Veranstaltung mobilisiert. Vor dem Eingang wurden »Nein zum Heim!«-T-Shirts verkauft, die bereits via Facebook vorbestellt werden konnten. Andere wiederum hatten sich eigene Shirts mit der Aufschrift »22.–26.8.1992« bedrucken lassen. Gemeint ist der Zeitraum des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen.“

Der ganze Artikel: Rasender Mob in Hellersdorf

 

zuvor:

Auf Grund steigender Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen werden derzeit in verschiedenen Berliner Bezirken ehemalige Schulen und Verwaltungsgebäude für die Nutzung durch Asylsuchende hergerichtet. In Berlin-Hellersdorf sollen im Juli 200 Flüchtlinge ihre zukünftige Unterkunft in der ehemaligen Max-Reinhardt-Schule beziehen.

Eine »Bürgerinitiative Marzahn Hellersdorf« macht seit nunmehr zwei Wochen dagegen mobil. In einem Flugblatt der Initiative heißt es »Touristen sind herzlich willkommen – kriminelle Ausländer und Asylbetrüger sind konsequent in ihre Heimat abzuschieben«. Weiter schreibt die Gruppe, daß durch die Unterkunft zukünftig ein Hort von »Müll, Drogenhandel, Zwangsprostitution und schwersten Gewaltausbrüchen« entstünde. Während sich rechte Wutbürger in anderen Berliner Bezirken wie Rudow und Westend wenigstens Mühe geben, ihren Rassismus gegenüber Flüchtlingsheimbewohnern zu kaschieren, verdeutlicht die »Bürgerinitiative«, aus welcher politischen Ecke sie kommt. ...“ in Rassistische Panikmache

 

Fast aktueller Kommentar:

„...Wachschutzmann erlitt beim Löschversuch eine Rauchgasvergiftung. (…) Einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Brandstiftung schließt die Kriminalpolizei derzeit aus …« meldet am Freitag die Berliner Regionalausgabe von bild.de.

Nach wie vor brennen in Deutschland regelmäßig Asylbewerberheime. Regelmäßig schließt die Polizei einen fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Regelmäßig berichten – wenn überhaupt – nur noch die Lokalzeitungen darüber. Das war schon mal anders: Als in den ersten 90er Jahren Flüchtlingsunterkünfte wie in Rostock-Lichtenhagen brannten, berichteten Medien überregional, auch über die applaudierenden Anwohner. Kaum aber über die Polizeibeamten, die von ihren Vorgesetzten daran gehindert wurden, den bedrohten Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen. Viele Medien suggerierten, daß solche faschistischen Umtriebe erst mit der Auflösung der DDR möglich gewesen seien. Dabei haben in der alten BRD Nazis schon in den ersten 80er Jahren Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt. Interessiert hat das damals, wenn überhaupt, gerade mal die Lokalpresse.

Wenn in Deutschland faschistisches Pack sein Unwesen treibt, darf es mit Milde von Richtern, Staatsanwälten, Politikern und Medien rechnen. Nachdem in Rostock-Lichtenhagen Asylbewerber nur knapp dem Feuertod entgangen sind, wurden die wenigen vor Gericht gestellten Täter weitgehend geschont. In Folge hat man nicht die Aktionsmöglichkeiten von Nazis eingeschränkt sondern das Asylrecht. Geheimdienste, Behörden, Politiker hatten und haben nicht nur beste Kenntnisse über solche und andere faschistische Umtriebe, sie befördern, steuern, finanzieren und decken sie auch des öfteren. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Nazis werden von ihnen gebraucht. Auch wenn sie den Herrschenden selbst gelegentlich – wegen Standortfragen und so – lästig sind.

Nazis finden auch unter den Normalbürgern immer wieder Dummbeitel, die deren menschenverachtende Gesinnung teilen. In der Berliner Zeitung vom Freitag liest sich das dann so: »Andererseits gibt es auch unter SPD-Wählern Abneigung gegen Fremde, was ein Wahlkreisabgeordneter (der SPD, dk) berücksichtigen muß.« Im Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf soll eine Schule, die wegen Schülermangel geschlossen wurde, zur Asylbewerberunterkunft umgebaut werden. Dagegen regt sich Protest, sichtbar befeuert von NPD- und anderen Nazis. Die Kritik an von CDU geführten Bezirken wie Zehlendorf oder Reinickendorf, die sich erfolgreicher gegen solche Unterkünfte wehren konnten, erbost den christdemokratischen Integrationspolitiker Burkard Dregger. »Nur drei von zehn Asylbewerber würden ja überhaupt nur anerkannt, ›und wenn wir die anderen nicht konsequent abschieben, werden wir bei den Menschen keine Akzeptanz für die Flüchtlingsproblematik gewinnen‹, sagt Dregger. Der Zorn der Bürger dürfe sich aber nicht gegen die Flüchtlinge richten, ›sondern gegen die Politiker, die ständig fordern, daß alle eingereisten Asylbewerber hierbleiben können.‹« (Berliner Zeitung, 12.07.13) Handgreiflicher Volkszorn ist also durchaus gewünscht, Nazis und andere, die sich unter deren Maulführung aus der Deckung trauen, sollen ihn aber weniger gegen anerkannte Asylanten, sondern mehr gegen linke Politiker und abgelehnte Asylbewerber richten. Dann hat alles seine christlich-soziale Ordnung. “ in Christlicher Volkszorn

 

Und bei solchen Nachrichten fühle ich mich eher zu Hause: In Kreuzberg, wo die NPD ihre erste Kundgebung in der Nähe des Flüchtlingscamps am Oranienplatz abhalten wollten, verhinderten 500 Gegendemonstranten die Zufahrt für die NPD. In Hellersdorf waren es fast doppelt so viele Demonstranten. Zwar konnte, durch die Polizei eskortiert, der NPD-LKW seinen Stellplatz erreichen, aber die Reden gingen im Pfeifkonzert unten. Und Anhänger der NPD hatte sich erst gar nicht hingetraut. Auch an den 3 weiteren Kundgebungsorten wurde die NPD von Hunderten Gegendemonstranten empfangen.

 In Hellersdorf hatten sich schon früh die Gegendemonstranten auf dem Alice-Salomon-Platz eingefunden. An der Alice Salomon Hochschule Berlin hatten Studenten das Transparent „Gemeinsam Nazis und Rassismus entgegentreten – Hier & überall“ angebracht. Antifa-Gruppen beschallten mit mehreren Lautsprechern den Platz. „Hellersdorf ist bunt – Solidarität, Toleranz, Menschlichkeit“, dieses Transparent war die Antwort auf die von der NPD geschürte rassistische Stimmung gegen die geplante Unterbringung von Asylsuchenden. Bei der Bürgerversammlung am 9. Juli waren über 50 bekannte Neonazis aus Berlin und Brandenburg angereist und konnten dort, auch unter Applaus vieler AnwohnerInnen, ihre rassistischen und menschenfeindlichen Parolen skandieren. … Und diesmal gab es eine breite Gegenbewegung von SPD, Die Linke; Grünen, Piratenpartei und DKP, von den verschiedenen Antifa-Gruppen und der Solidaritätsbewegung mit den Flüchtlingen. Hellersdorf bleibt bunt – fast 1000 Demonstranten haben diese Losung unterstützt. Und die Facebook-Gruppe „Hellersdorf hilft Asylbewerbern“ (https://www.facebook.com/HellersdorfhilftAsylbewerbern) hat in den wenigen Tagen bereits 6.000 Unterstützer gefunden.(eine sehr linke Quelle)



 

 

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