Mittelalter (3) Die Entwicklung des feudalen Bodeneigentums im Zusammenhang mit dem fränkischen Staat.

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  1. Während unter den Merowingern noch die freie bäuerliche Gemeinde, die Mark, dominierte, änderte sich das im 8. (Karl Martell) und 9. Jahrhundert. Die Veränderungen, die sich nun in der Gesellschaftsordnung vollzogen, waren eine Folge der tiefgreifenden Umwälzungen in der Besitzverhältnissen. Die meisten fränkischen Bauern wurden ruiniert, während gleichzeitig das Eigentum der Großgrundbesitzer, die das kleien bäuerliche Eigentum aufsaugten, anwuchs. („Ehe also freie Franken Hintersassen irgend jemandes werden konnten, mußten sie ihr bei der Landnahme erhaltenes Allod auf irgendeine Weise verloren, mußte sich eine eigne Klasse landloser freier Franken gebildet haben“ MEW Bd. 19 S. 480)

  2. Infolge des niedrigen Entwicklungsniveaus der PK war der Kleinbauer völlig außerstande, den ihm erst als Eigentum zugefallenen Landanteil für sich zu erhalten. Die Masse der Bauern hatte nicht die Möglichkeit seine Wirtschaft zu erweitern. Zugleich entwickelten sich einzelne Bauern zu kleinen und mittleren Feudalherren, indem sie Ländereien ihrer verarmten Nachbarn an sich rissen.

  3. Neben dem Entwicklungsniveau der PK, also der noch sehr unvollkommenen landwirtschaftlichen Technik, spielten weitere Faktoren ein Rolle: Naturkatastrophen, innere Kriege der Feudalherren, Reichsexpansion und langer Kriegsdienst, drückende Abgaben an weltliche und klerikale Herren.

  4. Es bildeten sich in diesem Zusammenhang die Prekarie und die Benefizien heraus.

  5. Prekarie ist die Bezeichung (schon im römischen Recht bekannt) für die Vergabe von Boden an Bauern. Eine Form war, dem landosen Franken Boden zur Nutzung zu geben. Eine andere Form war, der Bitte eines Bauern zu entsprechen und sein Land in Besitz zu nehmen, um es dann an ihn zu verleihen und der Klerus lieh dem Bauern sein Land zurück und gab häufig noch eine Bodenparzelle dazu. Alle Formen führten natürlich zur Abhängigkeit, die in unterschiedlichen Formen zwar, doch aber generell als Fron bezeichnet werden kann.

  6. Das Benefizum (Wohltat / erstmals nachgewiesen nach der Schlacht von Poitiers 732) strukturierte die adelige Klasse durch, indem das Lehnswesen seine Blütezeit begann. Die Einführung des Benefiziums, das zusammen mit den auf dem übertragenen Boden lebenden Bauern verliehen wurde, brachten eine weiter verstärkte Abhängingkeit der Bauern mit sich. Zugleich konzentrierte sich die militärische Macht in den Händen der herrschenden Klasse nach außen und nach innen.

  7. Das Benefiz- oder Lehenswesen ist für das Mittelalter Typisch. Die PK waren aber noch nicht so entwickelt, dass es eine andere Variante der Herrschaft hätte geben können. Es führte regelmäßig zur Schwächung der mittelalterlichen zentralen Staatsmacht (König) und zu unendlichen Auseinandersetzungen innerhalb von Staaten. Klassisches ältestes Beispiel dafür ist der Untergang des Merowingerdynastie.

  8. Durch die fehlende eigenen ökonomische Basis, durch die ständigen Eroberungskriege und die völlig unterschiedlich entwickelten Reichsteile des Karolingerstaates, ging dieser schließlich unter. Der Vertrag von Verdun 843 besiegelte den Verfall in die drei Reichsteile (Karl der Kahle Frankreich, Ludwig der Deutsche und Lothar Italien und Lothringen) was nicht zuletzt auch eine Anpassung an die sozialökonomischen Verhältnisse war.  




    (copyright: Herbert Driebe)

 

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