Nagelprobe für den Marxismus (2)

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... Dass ein „gesellschaftlicher Charakter der Produktion“ seiner „privatkapitalistischen Aneignung“ gegenübersteht, war ja bereits geburtsgegeben. Also natürlich waren wesentliche Faktoren für den Untergang des Kapitalismus schon mit seiner Geburt gegeben. Vulgarisierend ausgedrückt: Ein Zusammenleben, dessen Regeln die kleine Klasse der Kapitalisten den unzähligen Nichtkapitalisten vorschreibt, muss zu Kollisionen führen, die in Revolutionen kulmulieren. Aber allein das Bestehen des Proletariats als potentiellem Totengräber des Systems als Grundlage für dessen Untergang anzusehen, war voreilig. Unter anderem vernachlässigt eine solche Sicht, dass sich eben nicht nur die „Arbeiterklasse“ entwickelt, sondern auch die bildungsprivilegierte Kapitalistenklasse. Unter gegebenen Bedingungen wachesen auch deren Potenzen zum Systemerhalt. Und … oh Wunder! … so faulend der „Imperialismus“ auch sein mag – die privatkapitalistische Aneignung de Produktion im weitesten Sinn blieb trotz und mit Krisen die mögliche positive Option in der Entwicklung der Produktivkräfte. So menschlich ein auf sozialistischen Eigentumsverhältnissen beruhendes System auch sein konnte – die Produktivkräfte vermochte es nicht besser zu entfalten als das kapitalistische. Ergo sah man im untergegangenen Wirtschaftssystem zwei Hauptlösungen: Kommandoordnung oder „Mehr Markt“, wobei letzteres auf die Frage hinauslief, wie man die privatkapitalistischen Entfaltungsbedingungen der Produktivkräfte am besten simulieren könnte … weil sie offenbar die effektiveren waren.

http://4.bp.blogspot.com/-tEpx8tnzDHQ/UXZDMUHCj4I/AAAAAAAAAVA/R_e5SzzUzxc/s390/GdG.JPGBei allem Schmerzgebrüll über die gesellschaftliche Katastrophe der eurasischen Konterrevolution übersahen die meisten, dass sich inzwischen Veränderungen auf dem Gebiet der Produktivkräfte vollzogen, die grundlegend neu waren und durch die privatkapitalistische Aneignung ein echtes Entwicklungshemmnis geworden ist:

Im Wesentlichen ist die Geschichte der Produktivkräfte eine Geschichte des Anteils der geistigen Tätigkeit des Menschen. Ohne das richtig wahrzunehmen haben wir gerade eine neue Dimension erreicht.

Ursprünglich waren zu befriedigende Bedürfnisse, die materielle Tätigkeit zu deren Befriedigung und der Anteil „geistiger Arbeit“, der in dieser materiellen Tätigkeit steckte, eine untrennbare Einheit. Plump ausgedrückt: Wer sich nicht genug Mühe gegeben hatte, wie ein Jagdwerkzeug am zweckmäßigsten auszusehen hatte, um zu funktionieren, der hungerte nachher, weil das Wild nicht erlegt wurde.

Es folgten immer mehr Teilungen der Arbeit als solche, die die Teilung der Menschheit in Klassen bewirkte. Die erste Verselbständigung geistiger Tätigkeit schuf dabei die ersten zu dauerhafter Herrschaft „fähigen“ Klassen.

Eine neue Entwicklung wurde mit dem Übergang von der per Hand festgehaltenen Schriftsprache zum Buchdruck eröffnet. Nunmehr war erstmals technisch möglich, dass jeder Mensch hätte am geistigen Weltpotential der Menschheit hätte teilhaben können. In erster Linie stand dem natürlich entgegen, dass nur ein geringer Teil der Menschheit lesen konnte.

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