ND-"Zeitgeist" und ein Topf mit SS, FDJ und HJ ...

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Nein, ich bin kein DDR-Nostalgiker. Jener zwischenzeitliche Staat auf deutschem Boden hatte auch Erscheinungsstücke, die keine Heldenstücke zum Stolzsein waren. Manche "Kommunisten" tun dem gesellschaftlichen Fortschritt einen Bärendienst, wenn sie reflexartig alles verteidigen, was DDR war. Die folgende Erklärung des Bundessprecherrats der Kommunistischen Plattform der PDL berührt aber eine Frechheit, die an Goebbels-Propaganda erinnern sollte.

Es ist ein Problem psychologischer Kriegführung. Beständig wird eine Behauptung wiederholt, bis sie sich ins Unterbewusstsein der normalen Menschen eingeschlichen hat. Die Erfahrung DDR verändert allmählich ihren Charakter. Die Generationen, die mehr oder weniger bewusst die DDR-Wirklichkeit miterlebt hatten, fällt der "biologischen Lösung" zum Opfer. Immer mehr anständige Augenzeugen sterben weg, die wissen, dass in der DDR eben in Sinn und Form keine offiziellen Hallen gefüllt worden von Verbrechern in Staatsdienst, die auf Regieanweisung zu "Wollt ihr den totalen Krieg?!" jubelten.

Die Nachwachsenden erhalten eine Verbildung verpasst, die ihnen gedankliche Verknüpfungen vorgibt, die sie eigentlich zu reflexgesteuerten Hunden degradiert. Ein Naziaufmarsch sehen und dazu eingebläut bekommen, dass man doch die Wiederkehr der zwei totalitären Diktaturen verhindern müsse.

Zu der Infamie einer offen ausgesprochenen, aber auch der unterschwellig mitgedachten Gleichsetzung / auf-eine- Ebene-Stellung von praktiziertem Faschismus und ansatzweise versuchtem Sozialismus ist eigentlich wenig zum Abgeschriebenen hinzuzufügen. Aber mir graut es vor dem geistigen Sarin, das da freigesetzt wird. Ich kann nur bitten, die Opfer einer solchen Hirnvergiftung vorsichtig zu behandeln, die Psychokriegführer mit aller Schärfe in die Schranken zu weisen. Wenn ein ND-Journalist da Abstriche macht, erinnere ich an den Spruch zum Zeitgeist:

"Fresst Scheiße - sie ist lecker, denn Millionen Fliegen können nicht irren!"

 

 

junge welt 31.12.2013 / Abgeschrieben / Seite 8Inhalt

Zwei Ungeheuerlichkeiten in nur drei Sätzen

Der Bundessprecherrat der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke äußerte sich am Freitag aus aktuellem Anlaß zur Gleichsetzung von deutschem Faschismus und DDR:

Aus der Weihnachtsausgabe der Berliner Zeitung erfuhren wir, daß 260 alte Autokennzeichen zurückgekehrt sind. »Mit einem Comeback vertrauter Buchstabenkombinationen auf dem Nummernschild«, so heißt es, »wollen Kommunen die regionale Identität stärken«. Und weiter: »Das Bundesverkehrsministerium genehmigt die Kürzel in der Regel – vorausgesetzt sie sind nicht vergeben und verstoßen nicht gegen gute Sitten. Tabu sind etwa Abkürzungen mit Bezug auf den Nationalsozialismus wie SA, SS und HJ. Abkürzungen aus der DDR-Zeit werden ebenfalls nicht wiederbelebt.« Das sind zwei Ungeheuerlichkeiten in nur drei Sätzen. SA, SS und HJ werden in einem Atemzug mit der DDR genannt. Zudem sollen Abkürzungen aus der DDR-Zeit gegen die guten Sitten verstoßen.

(...) Knapp 25 Jahre nach der Wende wird die DDR mit dem Schlimmsten, was es in der deutschen Geschichte je gab, mittlerweile nicht nur verglichen, sondern immer häufiger schon gleichgesetzt: mit dem Massenmörderregime der Nazis. Wir hören schon den Vorwurf, es handle sich nur um Autokennzeichen und nicht um ein ganzes Land. Aber – es handelt sich um Autokennzeichen und ein Land ist gemeint, noch genauer gesagt: ein System, das nichtkapitalistisch war. Und das wird nolens volens mal eben mit den schlimmsten Ausgeburten des deutschen Faschismus in eine Reihe gestellt: mit SS und SA! SS – das ist das Synonym für Konzentrationslager, für Auschwitz und Sobibor, für mehr als 600 niedergemachte belorussische Dörfer, für Oradour-sur-Glane und Lidice, für bestialische Folterkeller in allen besetzten europäischen Ländern, für Menschenversuche und Massenerschießungen in Babi Jar und andernorts. SS – das ist das Synonym für uneingeschränkte Unmenschlichkeit, für Barbarei. Und diese Verbrecherorganisation hatte beste Kontakte zur deutschen Wirtschaft und dem dazugehörigen Finanzkapital. Auschwitz war für Kapital und SS das, was man heute eine Win-win-Situation nennt: höchstmöglicher Grad an Ausbeutung als Teil und Vorbereitung millionenfachen Mords im Namen irrsinniger Rassen»theorien«.

Mit denen wird die DDR in einen Topf geworfen. Wieder und wieder. Es ist an der Zeit, daß Die Linke gegen diese Art Vergleiche und Gleichsetzungen hörbarer ihre Stimme erhebt.
 
Und – niemand in unserer Partei sollte den Zeitgeist bedienen. »Die zwei Schulen vom Großen Ziegenberg« war am 27. Dezember 2013 ein ND-Artikel überschrieben. Zwei Schulen waren auf dem Ziegenberg: eine für die zukünftige Nazielite und eine für SED-Bezirksparteischüler. Man wolle »keinen verurteilen«, zitiert das ND den Chef der Linken-Fraktion von Ballenstedt. Immerhin, so der Fraktionschef, seien die jeweiligen Schüler »allesamt Kinder ihrer Zeit gewesen«. So sind sie denn alle freigesprochen: jene, die vielleicht irgendwann Dienst in Auschwitz taten oder mordend durch Europa zogen und jene, die Parteisekretär einer Schule wurden. Welch treffender Vergleich durch die Formel, sie seien alle Kinder ihrer Zeit gewesen. ... .

Veröffentlicht in Taktik des Gegners

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