Neujahrsgruß der Brandenburger Kommunisten ... Kommunismus (5)

Veröffentlicht auf

Der "Rote Brandenburger"  Januar 2012 ist da! Unter anderem setzt H. St. seine kleine Serie über den Kommunismus fort. Ich finde den folgenden Artikel gut - er passt auch ausgezeichnet zu meinen Artikeln. Allerdings konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen:

1. Sein Schlussatz über das "Muster" ist natürlich zugleich unausgesprochene Kritik an dem früheren Umgang mit dem sowjetischen Modell.

2. Sein Vermeiden einer Aussage, wo China im Moment wirklich steht, ist eine diplomatische Meisterleistung. So ausgedrückt ist es unanfechtbar (In meinen Ausführungen versuche ich zu begründen, dass ich die Anfangsfrage mit "nirgendwo" beantworte):

 

Auch in der Gegenwart streben mehrere Völker und Staaten zum Sozialismus. Er ist jedoch derzeit noch in keinem Land als Gesellschaftsordnung Realität. Wenn künftig ernsthafte Erforschung der Geschichte des Sozialismus bis 1990 an die Stelle offenen oder hinterhältigen Antikommunismus getreten sein wird, könnte durchaus die Frage eine Rolle spielen: In welchen Ländern konnte zwischen 1917 und 1990 der Schritt von

der Eroberung der politischen Macht und von der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus („Diktatur des Proletariates“) zur sozialistischen Gesellschaftsordnung tatsächlich verwirklicht werden? Das

ist keineswegs eine schlechthin „akademische“ Fragestellung.

Man braucht nur an die aktuellen Hemmnisse zu denken, die selbst manchen Kommunisten die Akzeptanz des „chinesischen Weges zu Sozialismus“ bereitet.

Nur Feinde Chinas und beschränkte Politikaster reden von einer in diesem Land herrschenden sozialistischen Gesellschaft.

Die dort politisch führende Kommunistische Partei spricht von einem Niveau, welches kürzlich das eines „Entwicklungslandes“ überschritten hatte. Bis das große chinesische Volk im Sozialismus leben wird, sind noch Jahrzehnte schöpferischer Arbeit erforderlich. Es muss sich auch des Kalten Krieges der USA und all seiner Vasallen erwehren und zudem einer heißen Aggression gewärtig sein. Dafür und erst recht für die Gestaltung einer tatsächlich sozialistischen Gesellschaft bedarf es einer Wirtschaftskraft, die sich das Milliardenvolk in diesen Jahrzehnten erarbeitet.

Wohin der Versuch führt, Sozialismus ohne entsprechende ökonomische Voraussetzungen herbei zu zwingen, hatte die „Kulturrevolution“ allen erschütternd vor Augen geführt. Partei und Volk haben daraus weitgehende

Schlussfolgerungen gezogen - ohne aus dem schweren Fehler einen noch weit schlimmeren zu machen, nämlich das sozialistische/kommunistische Ziel aus den Augen zu verlieren und unter die Gewalt von Kapitalismus/ Imperialismus zurück zu fallen. Richtig peinlich sind die Belehrungen Chinas durch manche „Linke“, deren dröges Lehrbuchwissen nicht einmal zur Analyse der Klassenlage im eigenen Land ausreicht, geschweige denn zu irgendeiner Veränderung. Selbst wenn man miesepetrig von der Erwartung ausgeht, der „chinesische Weg zum Sozialismus“ könnte nicht gelingen, müsste allein schon die heutige Rolle Chinas im Widerstand der Völker gegen die Globalisierung der Macht von USA und NATO jeden friedliebenden

Menschen zu positiver Haltung veranlassen.

Heute haben die folgenschweren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verwerfungen, die das finanz- und monopolkapitalistische System weltweit verursacht hat, dazu geführt, dass eine längere Übergangsperiode zwischen Kapitalismus/Imperialismus und Sozialismus selbst da unvermeidlich wird, wo die politische Macht in einem kapitalistisch hoch entwickelten Land übernommen würde. Im Übrigen vollzog und vollzieht sich der „chinesische Weg zum Sozialismus“ unter bestimmten internationalen und nationalen Umständen und Bedingungen. Zu lernen ist da gewiss vieles. Nur wird kein Mensch mit einigermaßen politischem Verstand auf die Idee kommen, diesen Weg als Muster oder gar einzigen Weg aller Völker zum Sozialismus und Kommunismus zu bestimmen.

H. St.

Veröffentlicht in Kommunismus

Kommentiere diesen Post