Nichtwähler sind auch Wähler ... aber Wähler sind auch Nichtwähler ...

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Wenn in Deuschland insgesamt nur 1000 Menschen zur Wahl gingen und alle wählten die CDU, dann würden alle Bundestagsmandaten an die CDU gehen und winw 100%ige Zustimmung für deren Politik festgestellt. Zugespitzt ausgedrückt. Die Nicht-Stimmen der Nichtwähler werden also in dem Verhältnis der Stimmen, die im Bundestagswahlergebnis zum Tragen kommen, diesen zugeschlagen. Also jeder, der nicht wählen geht, vergibt damit automatisch etwa 0,5 Stimmen an die CDU und 0,1 Stimme an die Partei Die Linke.

Das dürfte bekannt sein. Diese Entscheidung haben die Nichtwähler unterschiedlich bewusst selbst getroffen. Vielleicht auch, weil man ihnen erfolgreich eingeredet hat, es wäre eigentlich nur eine Wahl zwischen Steinweich und Ferkel, was eh gehüpft wie gesprungen ist.

Weniger bewusst ist den meisten Menschen die Vielfalt der Manipulationen, der sie bei der Abgabe (!) ihrer Stimme technisch unterworfen sind. Also ich meine hier nicht die ideologische Kriegführung, dass eben BLÖD "Gewinner" und "Verlierer" präsentiert, worunter sich überproportional FDP-Gewinner (haha) und Linke-Verlierer (brrrrr) finden, oder wenn eine Krankenkasse perverse Wahlempfehlungen gibt. Es geht um den Mechanismus der technischen Manifestation des Alten.

Wären wir eine richtige repräsentative Demokratie, dann müssten Entwicklungen und Veränderungen im Denken der Menschen in den Ergebnissen einer Wahl widergespiegelt werden. Das bedeutete sehr große Wählerwanderungen und das häufige Ausprobieren von Neuem.

Dem steht ein Mehrheitswahlrecht fast unüberwindlich gegenüber, das deutsche Verhältniswahlrecht mit Sperrklausel aber auch. Beim Mehrheitswahlrecht ist es klar. Da pro Wahlbezirk nur der Sieger seine Wählerstimmen tatsächlich in ein Mandat umwandeln kann, ist damit zu rechnen, dass eine Gruppierung weit mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen muss, um Berücksichtigung finden zu können. Da keine neue Gruppierung von Null auf 45 Prozent springt, sondern sich mit Taten Bekannt- und Beliebtheit erst erarbeiten muss, erstickt normalerweise jede Partei, die nicht schon auf einem der ersten beiden Rängen gelegen hatte, in den normalerweise vergeblichen Mühen bis zwischen diese zu kommen. Üblicherweise entscheiden eine Wahl nicht die fanatisch überzeugten Anhänger einer jeweiligen Partei sondern die schwach sympathisierenden Massen. In dieser Situation reichen ein paar "Umfrageergebnisse", denenzufolge die neue Partei erst auf etwa 10 % Zustimmung gekommen sei, um einen Teil ihrer zu dem Zeitpunkt vielleicht 30 % Sympathiebereiten zur Frage des geringeren Übels bei den beiden Großen zurück wandern zu lassen. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, diesie Umfrage.

Dieses Spiel funktioniert leicht abgemildert bei einer 5-Prozent-Klausel auch. Phänomenalstes Opfer in jüngster Vergangenheit waren sicher die Piraten. Nicht, dass es nicht eine Reihe innerer Gründe auch gäbe. Aber man kann ihre "Sonntagsfragen"-Linie gut verfolgen: Erst eine Weile Herumdümpeln, dann ein Sprung ... und der führte nicht etwa zu einem realistischen Level von etwa 5 Prozent, sondern als der Einzug in den Bundestag wahrscheinlich erschien, zog allein dieser Sachverhalt solche Massen an, dass mehr als 10 Prozent Wählerzustimmung prognostiziert wurde - innerhalb kurzer Zeit. Inzwischen wurden sie als doch wohl nur störend abgepfiffen. Nun geht es um das Geldsack-Klüngel der AfD. Nicht, dass ich für diese Gestrigen die geringste Sympathie empfände. Ich billige ihnen aber zu, dass sie ein Opfer von psychologischen Machtspielen geworden sind. Es gibt genügend Dumpfbacken, die sie normalerweise in den Bundestag geschoben hätten.

Für Kommunisten ist dieser Mechanismus besonders problematisch: Sie erfahren nie wirklich ihr echtes "Wählerpotential". Da sie als disqualifiziert eingestuft sind, würden ihnen nur besonders Hartgesottene ihre Stimme opfern. Man kann im Moment nur DIE LINKE wählen. Die aber zeigt sich wenig jugend- und massenfähig. Fast CDU-nahe Selbstdarsteller nehmen nur zu gern ihnen zugeworfenen bürgerlichen Leckerlis zu, für "Vordenkerschaft" in Medien Präsens eingeräumt zu bekommen.

Traurig. Aber um nicht als Herde Kälber, die ihre Schlächter selber wählen, zu verkümmern, sollte "man" DIE LINKE als Friedens- und Sozialalternative wählen gehen!

Veröffentlicht in politische Praxis

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