Noch immer in der Defensive ...

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Eine Weile habe ich gebraucht, um mir klar zu werden, was mich an diesem jW-Artikel gestört hat. Er beschreibt doch eigentlich einen Erfolg, also dass der Versuch von "Aktivisten" gesellschaftlicher Regression, Thälmann und Lenin aus dem Stadtbild einer ostdeutschen Kleinstandt zu entfernen, vorerst gescheitert ist. Und eigentlich zeigt der Artikel ja auch die Lächerlichkeit und Perversion dieser neuen Gestrigen. Doch dann wurde es mir klar: Vom Ansatz her spiegelt er eine gesamtgesellschafliche Situation wieder, in der ein paar Links-Gallier  von Anlass zu Anlass hecheln, Relikte einer umstrittenen Zeit zu verteidigen - und diese umstrittene Zeit sind die praktischen Mühezeiten, eine Welt von Frieden und Sozialismus zu schaffen.

Das darf nicht sein! Ernst Thälmann hat nicht nur keine Verbrechen an der Menschheit begangen, er hat auch sein Leben an führender Stelle dafür eingesetzt und letztlich verloren, dass Deutschland nicht zum Inbegriff der Unmenschlichkeit in der Welt hat werden sollen. Wer Hitler wählt, wählt Krieg ... war eine treffende Losung zu einer Zeit, als dieser Krieg noch zu verhindern gewesen wäre. Insofern müsste er sich in seiner Würdigung weit vor den Reagierenden vorm Untergang, also den Offizieren des 20. Julis wiederfinden. Dahinter müsste jede Frage der ästhetischen Umsetzung der Denkmale zurücktreten. Und Lenin sollte wohl eher nicht mit Stalin sondern mit den Dekreten über den Frieden und über Grund und Boden verbunden werden. (selbst Wikipedia sagt keinen totalen Unsinn dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Dekret_%C3%BCber_Grund_und_Boden, Friedensdekret: "... Dieses Dekret gilt als erstes von einem staatlichen Organ verfasstes Dokument überhaupt, welches Krieg als Mittel zur Lösung von Konflikten verurteilt.")

Also ganz klar: Wir müssen offensiver auftreten!

Dazu gehören Argumentationen, wie ... mit der Geldvernichtung durch Superkampfdrohnen umgegangen wären, mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker usw. (Wer weiß heute etwas über die Leninsche Nationalitätenpolitik? Solches Wissen würde auch unter Linken manche Eierei verhindern).

Wir sind keine Relikte, sondern wir sind die Hoffnung für eine überlebende Menschheit. ... Auch das allmächtige Römische Imperium ist untergegangen ...

 

http://www.jungewelt.de/2013/06-22/006.php?sstr=Templin

Lenin und Thälmann in Templin

Abriß abgewehrt: Stadtverordnete verweigern sich »liberalem« Bildersturm – vorerst

Von Rüdiger Göbel
Die antikommunistische Hysterie in Deutschland kennt keine Grenze. Was an Sozialismus oder DDR erinnert, soll möglichst weg. In Berlin trafen sich Mitte Juni etwa 20 Mitglieder der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, um das Denkmal des 1944 ermordeten KPDVorsitzenden Ernst Thälman im Berliner Prenzlauer Berg zu sprengen – zunächst einmal symbolisch, wie sie sagten. Sie trafen auf rund 120 Demonstranten, die lautstark ihren Unmut über die Aktion bekundeten. In Templin in der Uckermark will das »Liberale Bürgerbündnis«, früher FDP, Thälmann und Lenin entsorgen. Dem Antrag auf Abriß des Lenin-Denkmals im Bürgergarten, des Thälmann-Hains in der Prenzlauer Allee und nach Umbenennung der Ernst-Thälmann-Straße wollte die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung in dieser Woche allerdings nicht folgen – vorerst. »24 Jahre nach der Wende stehen die Namen Lenin und Thälmann immer noch für millionenfaches Leid des Kommunismus«, begründete Alexander Genschow seinen Bildersturm laut Nordkurier.

Das Liberale Bürgerbündnis sehe am Festhalten dieser Denkmäler und Straßennamen einen »Imageschaden für Templin«. Der »Verbrecher« Lenin habe schließlich ein nie dagewesenes Terrorregime aufgebaut, Thälmann habe Anteil am Untergang der Weimarer Republik und trage Mitschuld an Hitlers Machtergreifung. »In einer freien Gesellschaft hätten derartige Götzen nichts verloren«, sagte Genschow laut Nordkurier. Irene Pischelt (Die Linke) wies den Abrißantrag als »Geschichtsklitterung «, Verleumdung und Beschimpfung zurück. Es gebe keinen Grund, sinntragende Denkmäler und Straßennamen aus dem Stadtbild zu entfernen.

Noch sind Lenin und Thälmann in Templin nicht sicher. Am Ende wird ihr Verbleib eine Kostenfrage. Laut Nordkurier beauftragten die Stadtverordneten mehrheitlich die Stadtverwaltung, die Kosten für einen Abriß und den Aufwand einer inhaltlichen Neugestaltung von Lenin-Denkmal und Thälmann-Ehrenhain darzustellen. Mit der Tilgung der beiden Kommunisten wäre es längst nicht getan. Es gibt noch: Clara-Zetkin-Straße, Karl- Liebknecht-Straße, Rosa-Luxemburg- Straße, Friedrich-Engels-Straße, Straße der Jugend und Straße des Friedens. Und ganz schlimm: Weg der Solidarität.

 

 

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