Nur zum Bedenken: Warum heute vernünftiges, planmäßiges Umgehen mit der Natur wichtiger ist als in der Vergangenheit ...

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Was konnten Menschen vor 2000 Jahren vernichten. Im Krieg erschlug A den B oder umgekehrt. Damit war der Vorgang beendet. Nero konnte Rom anzünden. Gebäude waren niedergebrannt und mussten wieder aufgebaut werden. Wälder wurden abgeholzt, abgebrannt. An manchen Stellen lieferten die Menschentäter den fruchtbaren Boden der Ausspülung, der Entwertung, dem Verlust seiner Fruchtbarkeit aus. Teilweise zogen sie Schlussfolgerungen wie Dreifelderwirtschaft / Fruchtfolgen usw., teilweise verschlechterten sich Umweltbedingungen dauerhaft. Tendenziell verbesserten sich die Lebensbedingungen der Menschen, weil die Nebeneffekte des menschlichen Tuns überschaubar blieben.

Wenn heute auf Panzer oder verbunkerte Gegner mit abgereicherter Uranmunition geschossen wird, so hat dies auch eine beabsichtigte und überschaubare Wirkung. Im „Idealfall“ ist der Feind – wie früher der erschlagene Krieger – tot. Zu dieser unmittelbaren Folge kommen aber mittelbare. Feinste Staubpartikel verteilen für sich genommen geringe Radioaktivität. Die Partikel werden eingeatmet von den Siegern und von Unbeteiligten. Und nun geschieht das Unheimliche, das bei allen relativen Giftstoffen geschieht: Für im Rahmen der Evolution normale Giftmengen haben die Körper Abbaumechanismen, teilweise sogar funktionsverbessernde Mechanismen aufgebaut (vergleichbar mit den meisten Medizinen, die in ihrer „Giftigkeit“ andere Schadwirkungen bekämpfen). Aber die menschlichen / tierischen Körper sind meist naiv: Sie sammeln Stoffe an im Verhältnis zwischen deren Auftreten in der Natur und ihrer Nützlichkeit bzw. ihrem Abbauerfordernis. Steigt die Konzentration von Giftstoffen, ob nun Schwermetalle, organische Gifte oder eben radioaktives Material, lagern sich diese überproportional ab. Das kann zu Schäden „nur“ an einem Organ führen – zum Beispiel dem, das normalerweise zur Verarbeitung / Entgiftung verantwortlich ist, das kann besonders bei Radioaktivität aber auch zu genetischen Mutationen führen. Das heißt, in dem Moment der ersten Kontamination tritt der Schaden noch nicht auf, im peinlichsten Fall erst bei der nächsten Generation. Auf jeden Fall treten Folgen erst zeitversetzt auf. (Wer also Altölfässer in einen See kippt, hat damit noch keinen Schaden verursacht. Der tritt erst auf, wenn die Tiere darin atmen, die Menschen baden usw.)

Diese Trennung von Handlung und Wirkung hat natürlich Folgen für das Verantwortungsgefühl. Wer auf dem Feld mit dem Schwert einen Gegner erschlägt, erlebt dies direkt. Er weiß um die Logik, dass wenn er nicht schneller gewesen wäre, er erschlagen worden wäre. Wie aber sieht das aus, wenn man nicht dabei ist, wenn etwas Schlimmes passiert und man sich unterschiedlich überzeugend herausreden kann, dass schon nichts passieren wird / so schlimm wird es schon nicht werden …? Wenn auf der anderen Seite der Rechnung ein konkreter und garantierter Gewinn steht? Ob man das nun Profit nennt oder ob es um Arbeitslohn geht, ist egal. Ein kurzfristiger individueller Nutzen eben. Eine mögliche Strafbarkeit verschiebt höchstens die erforderliche „Profitrate“, die zum Verstoß gegen Vorschriften und ethische Vorbehalte erforderlich ist.

Deshalb rennt man innerhalb des bestehenden Systems auch der Regelung von erkannten notwendigen Maßnahmen hinterher wie ein Hamster im Laufrad. Einmal unterstellt, dass der Gesetzgeber, die Justiz und die restlichen Staatsdiener alle das Beste wollten – bei dem Gedanken ist Gelächter verständlich – werden sie ein derartiges Problem nicht lösen können. Da ist es „nur“ schlimm, wenn man staatlicherseits wie im Fall der Uranmunition die Schäden in Kauf nimmt – sadistisch im Fall der geschädigten eigenen Soldaten(familien), menschenverachtend zynisch im Fall der normalen Bevölkerung der Kriegsgebiete.

 

 

Veröffentlicht in Zukunft denken

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