Ob ich mich für den Vorsitz der Partei die LINKE bewerbe?

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Wohl eher nicht. Die dafür nötige Selbstüberschätzung bekomme ich dann doch nicht so schnell zusammen.

Aber ich erinnere mich irgendwie gut an eine leicht alkoholisierte Debatte der drei Fast-Männer innerhalb einer künftigen Lehrerinnen-Seminargruppe. Wer sollte unserer Meinung FDJ-Sekretär werden. Fest standen nur zwei Dinge: Die aktuelle Sekretärin sollte weg, die schleimte zu viel, und uns selbst ins Spiel zu bringen wäre lächerlich. Also wurde durchgehechelt, welche Kommilitonin welche Eignungen mitbrachte. Letztlich einigten wir uns auf eine Kandidatin, für die aus Sicht meiner beiden Gesprächspartner fast allein eines sprach: Sie wäre ein graues verschüchtertes Mäuschen, der wir am leichtesten unsere Vorstellungen unterschieben könnten, sodass wir bestimmen würden, was in und um die Gruppe heum geschähe, ohne dafür verantwortlich gemacht werden konnten.  Als sich die Damen in der Vesammlung ausreichend gegenseitig zerfetzt hatten, präsentierten wir unseren "Kompromissvorschlag", der widerstandslos durchgewunken wurde. Ich war dann sehr stolz auf meine Psychologie, denn es kam letztlich ganz anders: Wir hatten den Ehrgeiz des eigentlich kreativsten Mädchens geweckt, die in den drei folgenden Jahren die beste und resoluteste FDJ-Seketärin wurde, die wir uns hätten wünschen können.

Sollte die Wahl eine LINKE-Parteivorsitzenden das Produkt derartiger Hinterzimmer-Diplomatie sein oder eher eine Entscheidung über klare inhaltliche Ausrichtung?! Eigentlich wohl das zweite. Ich wünschte mir in dieser Beziehung eben Sahra Wagenknecht, die sich durch sehr konsensorientierte Äußerungen in den vergangenen Monaten ihre Eignung zum Integrieren unter Beweis zu stellen versuchte. Man hofft ja trotzdem, dass sie die klar kämpferische Sahra geblieben ist, die aus der Partei nicht den künftigen "Arbeitnehmerflügel" der SPD macht. Sollte jedoch eine farblose "Kompromisskandidatin" durch das Kräftepatt rutschen, hoffen wir darauf, dass sie mit der Aufgabe wächst. ...

 

"Warum Sahra Wagenknecht die Richtige ist"

"Linke Massenbewerbung"

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