Psychologisches im "Rotfuchs"

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Über Schafherden-Instinkte

Oft fragen wir uns, wie können die Massen nur den größten Unfug glauben, wie funktioniert der Krieg gegen die Köpfe? Die Antwort ist erstaunlich alt.

Gehirnwäsche zeigt Wirkung, weil Denken anstrengt. Schon 1895 schrieb Le Bon in „Psychologie der Massen“: „Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und ohne jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. 

Je bestimmter die Behauptung, je freier sie von Beweisen und Belegen ist, desto mehr Ehrfurcht erweckt sie.

Die Behauptung hat aber nur dann wirklichen Einfluß, wenn sie ständig wiederholt wird, und zwar möglichst mit denselben Ausdrücken. Das Wiederholte festigt sich so sehr in den Köpfen, daß es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird. Es setzt sich am Ende in den tiefen Bereichen des Unterbewußten fest, in denen die Ursachen unserer Handlungen verarbeitet werden. Nach einiger Zeit, wenn wir vergessen haben, wer der Urheber der wiederholten Behauptung ist, glauben wir schließlich daran. Lesen wir täglich in derselben Zeitung, A sei ein ausgemachter Schuft und B ein Ehrenmann, so werden wir schließlich davon überzeugt. 

Unter den Massen übertragen sich Ideen, Gefühle, Erregungen und Glaubenslehren mit ebenso starker Ansteckungskraft wie Mikroben. Diese Erscheinung beobachtet man auch bei Tieren, wenn sie in Scharen zusammen sind. Ein Schreck, die wirre Bewegung einiger Schafe greift bald auf die gesamte Herde über. Wie die Tiere ist der Mensch von Natur ein nachahmendes Wesen. Nachahmung ist ihm Bedürfnis, doch wohlgemerkt unter der Bedingung, daß sie leicht ist. Aus diesem Bedürfnis wird die Macht der Mode geboren. Mag es sich um Meinungen, Ideen, literarische Äußerungen oder einfach um die Kleidung handeln, wie viele wagen es, sich ihrer Herrschaft zu entziehen? Nicht mit Beweisgründen, sondern durch Vorbilder leitet man die Massen. … Deshalb haben Menschen, die ihrer Zeit zu sehr überlegen sind, keinerlei Einfluß. Der Abstand ist zu groß.“

Wie es scheint, hat nicht nur Goebbels das Buch studiert. Auch die aktuellen Meinungsmacher scheinen es gelesen zu haben.

Gefunden und kurz kommentiert von Horst Neumann ("Rotfuchs" März 2013, Seite 14)

Veröffentlicht in Taktik des Gegners

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