Randnotizen - Rituale zum 1. Mai an der Peripherie

Veröffentlicht auf

Da waren sie also in den Randbezirk Hellersdorf verdrängt worden die extremen Rechten von der NPD und Co. "Und wenn mein Deutschland stirbt, dann sterb ich auch!" So ungefähr hörte sich der Slogan an, den da eine Aufpeischerin ins Mikro rief. Durchgeknallte Typen, vielleicht 30 Leute - so leicht war das nicht auszumachen, weil entschieden mehr Polizisten (ich hätte beinahe Soldaten gesagt ) die sich Zusammenrottenden hermetisch abschotteten.

Gegendemo. 

Also aufgerufen hatten alle Parteien, die sich gegenseitig fsmit bescheinigten "demokratische" zu sein.  Praktisch fehlte allerdings ein Anwesenheitsbeleg von einer: Nichts deutete darauf hin, dass jemand von der CDU dabei war. Der neue SPD-Bürgermeister freute sich , ein junger Linke-Vertreter (Björn Tiedemann) durfte die gemeinsame Stellungnahme verlesen, die Stadtbezirksvertreterin der Piraten hielt eine kurze, emotionale aber inhaltslose Rede (in der vorkam, dass sie die Nazis hasse). Das Spottlied von Sascha, dem Deutschen wurde mindestens viermal abgespielt. Es waren ca. 100 Antifaschisten zusammengekommen. Die jungen Antifas stellten dabei die stärkste Fraktion.

Der Auftritt der Polizei war bestens organisiert. Weiträumig waren Truppen zusammengezogen. Es waren genügend "Wannen" aufgefahren, bis auf die Anti-Konfliktteams schwirtzten die Pinguine in denbar extremstster martialischer Ausrüstung. Aus der Gruppe derer, die mir räumlich besonders nahe standen fiel mir ein Typ besonders auf. So ein Gehirn eingeschmolzener Napoleon (bisher vier schwerste Lebensjahre: Klasse zwei), der sich an seinem Schlagstock festhielt, lauernd, ob er ihn nicht endlich einsetzen konnte. Zumindest in der Nähe der "Bunten" sahen die Pinguine aus wie der rechten Szene zuzurechnen ...

Es war nicht einfach einen Gesamteindruck zu bekommen. Irgendwie gründlich verhinderten die Einsatzkräfte der Polizei, dass sich die Gruppen einander auf direkte Sicht- oder Hörweite nahe kamen. Abgesperrt. So weit herabsinken wollte ich nun auch nicht, mich zu den Teilnehmern der NPD-Versammlung rechnen zu lassen, um ihnen (wie Exoten) nahe zu kommen. Immerhin hörte ich die Androhung, dass am nächsten Tag noch eine Briefkastenaktion geplant sei.

Meine weiße Friedenskleidung (der Lesungsdress) half mir wenig.

Insgesamt fragte man sich am Schluss "Wozu das Ganze?". Die rechten Demo-Touristen zogen weiter, um nachher in Marzahn "Präsenz zu zeigen". Ein lächerlicher Haufen. Bei aller Berechtigung eines Verbotsverfarens ist die Bedrohung der "Zivilgesellschaft" durch faschistisches, rassistisches, sozialdarvinistisches Gedankengut in den "etablierten Parteien" und über die Verblödungsmedien dann in den Massenköpfen wichtiger (Sarrazin ist noch in der SPD, die die meisten Parteiflaggen dabei hatte.)

Die Masse der uniformierten Prügelknaben hätte zu Hause bleiben können. Die Rechten hatten mehr Beachtung gefunden, als ihnen zustand. In Hellersdorf  haben sie sich als Fremdkörper erwiesen, als Pickel, der des Kratzens nicht wert war.

Auf dem Heimweg. Die Polizisten sicherten, dass die Rechten sicher und geschlossen auf den U-Bahnhof kamen. Der Bahnsteig ist überirdisch, von draußen einsehbar.  Zwei schmächtige Jungen ohne spezielle Zugehörigkeitszeichen sprachen mich an, ob ich mitbrüllen würde, wenn die Restpolizisten draußen es nicht mehr  verhindern konnten. Drei sind lauter als zwei. Also brüllten wir "Nazis raus!" Es war zwar ziemlich sinnlos ... aber uns tat es gut. Ach ja: Mich hatten die beiden auf "unser" Seite der Absperrung bemerkt.  Ansonsten hatte das Ereignis wohl kaum jemand wahrgenommen. Polizei ... hat nicht viel gestört ...

Veröffentlicht in politische Praxis

Kommentiere diesen Post