Rotfuchsisch oder nicht?

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Das Erscheinen des Mai-Rotfuchs liegt schon Wochen zurück und doch liegt ein Beitrag noch immer aufgeschlagen an der Seite, damit ich ihn nicht vergesse. Es ist die, in der eine Verbindung zwischen dem verstorbenen Philosophen Hans Heinz Holz und dem neuen DKP-Vorsitzenden gezogen wird.

Richtig. Ich war nicht immer einer Meinung mit dem großen Holz. In einem sollten wir ihn aber alle als Meister ansehen: Die Dialektik als Methode und Kern einer modernen marxistischen Weltauffassung.

Zur Dialektik gehört auch die Notwendigkeit, dass die Kräfte, die inhaltlich eng zusammengehören, dies auch organisatorisch tun sollten. Als die Position der DKP mit ihrem neuen Vorsitzenden sich wieder schärfte, war der letzte Rest taktischer Zweckmäßigkeit einer neuen kommunistischen Partei, wie ernst das Adjektiv "vereinigende" auch immer gemeint ist, dahin. Anstatt eines weiteren Splitters bedarf es vorzeigbarer Starke. Das wiederum bedeutet Verständigung von Personen, die sich gerade zu profilieren versuchen ...

 

Ermutigendes aus der DKP und Erinnern an HHH

Hans Heinz Holz hätte sich gefreut

Als bekannt wurde, daß der zur jüngeren Generation zählende standhafte Kommunist Patrik Köbele – früher Vorsitzender der Bezirksorganisation RuhrWestfalen und bisheriger Partei-Vize – auf dem 20. DKP-Parteitag in Mörfelden-Walldorf zum Vorsitzenden der zwar erheblich geschrumpften, doch immer noch größten kommunistischen Partei in Deutschland gewählt worden war, sagte mir, selbst aufatmend, eine Genossin: „Hans Heinz Holz hätte sich bestimmt darüber gefreut.“

Dieses Urteil dürfte wohl zutreffen, sorgte sich doch der am 11. Dezember 2011 verstorbene herausragende marxistisch-leninistische Denker um den verheerenden Absturz seiner einstmals im linken Spektrum durchaus einflußreichen Partei. In deren Führung hatten sich nach der auch die DKP mit in die Tiefe reißenden konterrevolutionären Zerstörung von DDR und SED immer deutlicher ausgeprägte reformistische Einflüsse bemerkbar gemacht. Sie gingen vor allem von einer Gruppierung um den langjährigen Siemens-Betriebsrat und bekannten bayerischen Parteifunktionär Leo Mayer (München) aus. 

Von ihr war die DKP gegen den Willen nicht weniger Genossen der durch Lothar Bisky, den inzwischen ausgeschiedenen früheren Vorsitzenden der Partei der Kommunistischen Neugründung Italiens Bertinotti und die FKP-Spitze gegründeten, bisher aber de facto tatenlos gebliebenen Europäischen Linkspartei mit Beobachterstatus zugeführt worden. Auf dem 20. DKP-Parteitag strebten die Kreise um Mayer sogar die Vollmitgliedschaft an.

Patrik Köbele war ein Freund, Schüler und Kampfgefährte des bedeutenden marxistisch-leninistischen Philosophen, Publizisten und Kunstkritikers Hans Heinz Holz. Der hatte Ende der 60er Jahre, als der Zugang zu BRD-Universitäten auch linksorientierten Gelehrten zeitweilig nicht ganz verwehrt wurde, eine Professur in Marburg erhalten. Später wirkte HHH als Ordinarius an der niederländischen Reichsuniversität Groningen.

A ls 20 07 anläßlich seines 80. Geburtstages zu Ehren des Jubilars in Berlin ein wissenschaftliches Kolloquium stattfand, hatten sich namhafte Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland eingestellt. Neben früheren Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften der DDR, die jetzt in der Leibniz-Sozietät ihre geistige Heimat gefunden haben, sah man den damaligen Rektor der Universität Lissabon, Prof. José Barata-Moura, den profilierten italienischen Historiker und Philosophen Prof. Domenico Losurdo sowie prominente marxistische Wissenschaftler aus Kuba und anderen Ländern, zugleich auch mehrere Botschafter. In diesem honorigen Feld einen anerkannten Platz einnehmen zu dürfen, empfanden wir als ehrenvoll, zumal Hans Heinz schon vor Jahren aus Erwägungen solidarischer Verbundenheit mit den beim „RotFuchs“ versammelten Kommunisten und Sozialisten um Aufnahme in dessen Autorenkreis gebeten hatte.

Unvergeßlich bleiben uns seine begeisternden Vorträge bei Regionalgruppen, vor allem die per Video eingespielte Rede auf der großen Chemnitzer „RotFuchs“- Festveranstaltung aus Anlaß des 190. Geburtstages von Karl Marx. Eine besonders pikante Szene ergab sich im mecklenburgischen Städtchen Waren. Unser couragierter erster Neubrandenburger Regionalgruppenvorsitzender, der leider früh verstorbene Oberst a.D. der NVA Günter Schmidt, hatte Hans Heinz in eine Abiturientenklasse „eingeführt“, vor der dieser dort völlig unbekannte Professor zum späteren Entsetzen der Schulbehörde den jungen Leuten marxistische Grundkenntnisse vermittelte.

Anläßlich des 85. Geburtstages von HHH, den er schon nicht mehr erleben konnte, fand am 25. Februar 2012 im überfüllten Münzenberg-Saal des Berliner ND-Gebäudes ein von Mitgliedern und Sympathisanten linker Parteien aus allen Teilen der Bundesrepublik besuchtes, von zwei DKPBezirksorganisationen, der Tageszeitung „junge Welt“ und dem RF-Förderverein ausgerichtetes Symposium statt. Mehr als 200 Anwesende hörten die Hauptreferate von Dr. Hans-Peter Brenner, der auf dem 20. Parteitag der DKP zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde, und Prof. Domenico Losurdo, der gemeinsam mit HHH Herausgeber der marxistischen Zeitschrift „Topos“ war.

Patrik Köbele stellte seinen Vortrag unter das Motto: „Ein Unentbehrlicher fehlt uns“. Der Dresdner Kommunist Prof. Wolfgang Triller, Gäste aus Kuba und der Türkei, der infolge von Krankheit verhinderte Dr. Friedrich-Martin Balzer aus Marburg, dessen Rede durch den Österreicher Alfred J. Noll verlesen und interpretiert wurde, sowie der Philosoph Dr. Arnold Schölzel, Chefredakteur der „jungen Welt“, hielten fundierte Vorträge.

Das schöpferische Wirken von HHH wurde keineswegs pauschal, sondern äußerst differenziert und unter verschiedenen Aspekten gewürdigt, wobei in einigen Reden die Sorge anklang, seine in den Sog eines Abwärtstrends geratene Partei möge wieder unter volle Segel gelangen.

Während sich andere Redner eher der theoretischen Abstraktion zuwandten und in einer dem Kolloquium spontan folgenden Debatte auch Fragen ohne direkten Zusammenhang mit dem Thema aufgeworfen wurden, beschränkte ich mich im Schlußbeitrag darauf, meinem engen Freund Hans Heinz und seiner Frau Silvia eher sehr persönliche Bemerkungen zu widmen.

Inzwischen liegt das Protokoll des Symposiums in einer vom Berliner Verlag edition ost besorgten, attraktiv gestalteten und 142 Seiten umfassenden Broschüre vor, die für 8,30 Euro unter ISBN 978-3-360-01848-9 erhältlich ist. 

Sie vermittelt einen informativen Überblick zu Leben und Werk des herausragenden Gelehrten und standhaften deutschen Kommunisten Hans Heinz Holz. Aufmerksame Leser werden dann noch besser verstehen, warum HHH über die Wahl Patrik Köbeles zum Vorsitzenden der DKP Freude und Genugtuung empfunden hätte.

Klaus Steiniger.

Veröffentlicht in Theorie

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