Scheiß 17. Juni ... aber wichtig in der Kunst ...

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Wer den Beitrag über die Schriftstellerreaktionen auf den 17. Juni 1953 in der DDR aufmerksam liest, erfasst dabei das wilde Gemenge von Zusammenhängen, die ein Ereignis betrifft, das die vorübergehenden Sieger der Geschichte kraft ihrer Deutungshoheut zum "Volksaufstand" verfälschen.

Wichtig: Von propagandistischer Einseitigkeit wird in linken Kreisen inzwischen Abstand genommen - ein wohltuendes Unterscheidungsmekmal. Aktuelle Ereignisse wie z. B. die in Syrien legen auch ein dialektisches Herangehen nahe, das VERSTANDesleistungen voraussetzt: Ansatzpunkt ist anfangsein tatsächliches Missverhältnis zwischen Volk und Macht. Fehler, die aus unterschiedlich gut gemeinten Gründen die Herrschenden gemacht haben. Auch Menschen, die den Sozialismus aufbauen wollen, sind Menschen und deshalb von Fehlern nicht frei und als Partei- und Staatsführung 1953 noch im Besonderen: Die meisten aus der Führungsriege waren 1953 objektiv volksfremd, weil sie die Überreste einer antifaschistischen Bewegung waren, die ihrer physischen Vernichtung meist nur durch die Flucht aus dem "deutschen Volk" entgangen waren, das irgendwie den Faschismus zumindest geduldet, meist für sich angenommen hatte. Der Tod Stalins bedrohte nun die guten "Soldaten" des "Kommunismus" mit der Anforderung eigenständige Entscheidungen treffen zu müssen. Eigentlich logisch, dass da falsche dabei sein mussten. Beeindruckend die Bemühungen, solche Fehler rechtzeitig zu erkennen und zu korrigieren.

Und hier haben wir sozusagen unser heutiges Syrien: Obwohl und weil die Hauptgründe des Volksunmuts schon beseitigt waren, traten die äußeren Feinde dazu, stachelten auf, bezahlten die Provokateure, die eine Eskalation der Ereignisse vorsätzlich anstrebten. 

Was dann geschah war offensichtlich genauso wenig ein "Volksaufstand" wie der Sturm aufs Winterpalais für sich genommen eine sowjetische Revolution gewesen wäre. Ein paar Panzer, meist offenbar ohne Kampfhandlungen und die Hitzköpfe zogen sich zurück. Die Forderungen der Arbeiter waren sowieso schon vorher erfüllt, nur dass die das erst erfahren mussten.

Dass dabei viele widersprüchliche Entwicklungen zu betrachten wäen, zeigt die "junge Welt" recht umfassend. Dass auch einige Chancen vergeben wurden, zeigt besonders der Absatz über Erich Loest.

Aus der Warte eines später Geborenen hätte ich eine sicher "ahistorische" Schlussfolgerung gezogen: Es war eine für die Entwicklung von Grundlagen des Sozialismus verheerende Fehlentscheidung, den 17.6.1953 und den 13.8.1961 so weit voneinander zu trennen. Der "Mauerbau" wäre die logisch vernünftige Konequenz aus den Juniereignissen gewesen. Viele andere Maßnahmen wären mit mehr Gelassenheit durchführbar gewesen. Okay ... Ob man das im Juni 1953 an den Entscheidungsstellen hätte so erkannt worden sein können - und sei es nur (!!!) als Drohoption, um die Stalinnote von 1952 noch einmal aus der Schublade zu holen, ist zu bezweifeln. 

 

" Darstellung eines Tages"

"Rückwärts immer"

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