Sind wir immer noch Papst?

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Nein, ich möchte mich nicht in Diskussionen um Illusionen einmischen. Ich kenne den bisherigen argentinischen Kardinal in seinem Wirken nicht. Ob es ein gutes Zeichen ist, wenn er sich "Franziskus" nennt? Oder dass er aus Lateinamerika kommt?

Ich gebe nur zu bedenken, dass der erlesene Kreis der Wahlmänner ... pardon: wahlberechtigten Kardinäle ... ihren Rang nicht von Gott sondern überwiegend von einem der historisch besonders reaktionären Papst erhalten haben, einem, der offene Faschisten und Holocaust-Leugner selig sprach. Ist denen zuzutrauen, dass sie einen fortschrittlichen Oberhirten zu ihrem Chef küren? Dann ... Die Jesuiten haben sich in der Geschichte als besonders extrem reaktionär verhalten, waren beispielsweise führend in der Gegenreformation.

Der Glaube an das Gute kann die Tat für das Gute nicht ersetzen. Eigentlich aber brauchte die Welt Anregungen, die wachsenden Ungerechtigkeiten zu bekämpfen ...

Der März-"Rotfuchs" lässt auf Seite 24 eine australische Marxistin indirekt hierzu zu Wort kommen:

Nachsinnen über drei Religionen

Der von Papst Benedikt XVI. bekräftigte Erlaß der deutschen katholischen Bischöfe vom 21. September 2012 will dem Zwist um die Zahlung der Kirchensteuern ein Ende bereiten. 

Obwohl in der BRD Staat und Kirche formell voneinander getrennt sind, erhebt der Staat die Kirchensteuern und verteilt das Eingenommene an offiziell geförderte Religionsgemeinschaften. Was Wunder, daß hier und dort neue Gebetshäuser errichtet werden, selbst wenn sie – von traditionellen Feiertagen, Hochzeiten oder Begräbnissen abgesehen – oftmals leerstehen.

Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz sank 2010 die Zahl der Katholiken in der BRD um 181 000. So ist kaum zu erwarten, daß der neue Erlaß, der Steuerverweigerern das Abendmahl und ein kirchliches Begräbnis vorenthält, was einer Exkommunikation gleichkommt, die Zahl der Abtrünnigen verringern dürfte. 

Die „heiligen“ Schriften der drei monotheistischen Religionen – Judaismus, Christentum und Islam – sind erklärtermaßen keine Quellen wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern verlangen von den Gläubigen Unterwerfung, gedankenloses Nachbeten von Psalmen oder Suren, wobei deren Fabeln ebensowenig himmlische Offenbarungen wie Märchen oder Sagen sind.

Ist die Torah so alt wie die Tradition es will, dann diktierte Jahweh nichts an Moses, denn dieser hätte ja alles in ägyptischen Hieroglyphen auf seine Tafeln hämmern müssen, da die hebräische Schrift zu jener Zeit noch gar nicht existierte. 

Keiner der vier Evangelisten kannte Jesus persönlich. Ihre Fabeln stammten vom Hörensagen. Zu Zeiten Jesu befand sich Kanaan unter römischer Oberhoheit, und es erscheint kaum glaubwürdig, daß der des Lateinischen unkundige Fischer mit Pontius Pilatus hätte reden können, zumal dieser kein Aramäisch verstand. Die 27 bis dahin im Umlauf befindlichen Evangelien wurden auf Befehl Kaiser Konstantins zu Beginn des 4. Jahrhunderts von den Kirchenvätern auf vier reduziert, während man den Rest verbrannte. 

Mohammed schrieb nicht den Koran, da das Buch erst 25 Jahre nach seinem Tode zum Vorschein kam. Und der zweite Quell islamischer Autorität – Hadith –, datiert vom 9. Jahrhundert, erschien 200 Jahre nach dem Tod des Propheten. Der Koran – ein Buch, das auf das Jahr 630 zurückgeht und theoretisch einem des Schreibens unkundigen Kameltreiber „diktiert“ wurde, 

regelt bis ins kleinste Detail das tägliche Leben von Milliarden Menschen. All das geschieht im Zeitalter der Raumschiffahrt, der Nuklearenergie und des Internets. Das bezieht sich gleichermaßen auf die torah-und talmudbesessenen Lubavitscher und deren Verkennung historischer Zeitspannen. Heute aber beansprucht jede der drei monotheistischen Religionen, im Alleinbesitz des wirklich „heiligen“ Buches zu sein, das alles enthält, was man auf seinem Lebensweg lernen und wissen muß.

Der vom Christenhasser Saulus auf dem Weg nach Damaskus zum Paulus Bekehrte versuchte, seine Zuhörer davon zu überzeugen, daß Jesus der Messias sei, wie es im Alten Testament vorausgesagt wurde. 

Da aber die Kinder Jahwehs die Fabel vom Gottessohn, der am Kreuz für das Heil der ganzen Menschheit gestorben sei, nicht akzeptieren wollten, wurden die Juden sofort zu Feinden gestempelt. So ist das Neue Testament voller antisemitischer Passagen in bezug auf das Volk der Gottestöter.

Diese Verblendung trieb die Giftblüten des Nazismus und seiner aktiven Zusammenarbeit mit dem Vatikan. Vom Konkordat 1933 an schwieg Rom zum Boykott jüdischer Unternehmen ebenso wie zu den rassistischen Nürnberger Gesetzen des Jahres 1935. Der Vatikan erteilte der französischen Vichy-Regierung, die mit den deutschen Faschisten kollaborierte, 1940 die Absolution und unterstützte das auf Hitler eingeschworene kroatische Ustascha-Regime. Obwohl der Vatikan seit 1942 über die Vernichtung von Juden und Kommunisten voll im Bilde war, gab es keine öffentliche Verurteilung dieses kriminellen Regimes. Im Gegenteil: Rom schuf nach Kriegsende für die Naziverbrecher ein eigenes Netzwerk, über das sie ins Ausland entkommen konnten.

Was indes den Marxismus betrifft, hat der Vatikan eine Militanz ohnegleichen unter Beweis gestellt. 1949 exkommunizierte Pius XII. sämtliche Kommunisten der Welt. Dabei war Hitler durch ihn nie in solcher Weise aus der Kirche ausgestoßen worden. Sein Machwerk „Mein Kampf“ steht nicht auf dem vatikanischen Index, wohl aber sind dort die Schriften von André Gide, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre verzeichnet!

Der Heilige Augustinus, Bischof von Hippo, wußte zwischen „gerechten“ und „ungerechten“ Kriegen zu unterscheiden. Im Namen Gottes rechtfertigte er die Kreuzzüge wie die Inquisition. Die Aggressionen in Korea und Vietnam, in Irak und Afghanistan wurden nicht verurteilt. Papst Johannes Paul II. sagte 1982 sogar, die Atombombe öffne den Weg zum Frieden.

Wohl lernen Christen „Du sollst nicht töten“, doch Pater Georg Zabelka segnete die Besatzung der „Enola Gay“, bevor sie am 6. August 1945 die erste USAtombombe auf Hiroshima warf und mehr als 100 000 Menschen den Tod brachte. 

Nur drei Tage später forderte eine zweite US-Kernwaffe in Nagasaki weitere 80 000 Opfer. Doch der Christengott ließ die neuen Kreuzzügler unversehrt heimkehren. 

Der französische Philosoph Michel Onfray, Autor des Buches „Das atheistische Manifest“, vertritt den Standpunkt, die Leiden der Menschheit sollten nicht dem Atheismus, sondern der Gottesvorstellung zugeschrieben werden. Theisten unternähmen die unglaublichsten metaphysischen Verrenkungen, um die Existenz des Bösen auf der Welt zu rechtfertigen, obwohl sie an eine allwissende und allmächtige Gottheit glaubten, der nichts entgehe. Nach 2000 Jahren des Zwanges zu fraglosem Gehorsam sei es nicht leicht, den Durchbruch zu selbständigem Denken zu erreichen.

Dr. Vera Butler, Melbourne

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