Verdammt doch mal, das sind doch Menschen!!!!!!!!!!!!!

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Es gibt Augenblicke, da muss ich betonen, dass ich zuerst einmal einfach MENSCH bin. ... und ich schäme mich für meine Mit-Deutschen, diedas zulassen, vor allem aber jene Un-Menschen, die so etwas anordnen.

Wenn ich mir dann vorstelle, dass es Mitbürger gibt, die über "Wirtschaftsflüchtlingen", "Scheinasylanten" u.ä. abwertend bezeichneten Bürger dieser Erde herziehen, sich für etwas Besseres halten, sich vor denen "schützen" wollen, dann wird mir übel. Die können genausowenig für ihre Geburt wie wir ... und damit für die Entwicklungschancen, die uns eingeräumt sind ... oder eben nicht sind.

Wem darf man verdenken, dass er auch für sich gleiche Chancen wünscht?

Wem kann man verdenken, dass er sich sträubt, wenn er deswegen wie ein Verbrecher behandelt wid?

Morgen werde ich wohl ans Brandenburger Tor kommen können.

Ob diese Menschen dort Wasser von mir annehmen?

 

»Wir werden unseren Hungerstreik fortsetzen«

Trotz Polizeischikanen: Flüchtlinge am Brandenburger Tor in Berlin halten aus. Ein Gespräch mit Ashkan Khorasani

Interview: Gitta Düperthal in "junge Welt" vom 29.10.2012
Der Iraner Ashkan Khorasani und 16 andere Flüchtlinge befinden sich seit Mittwoch in Berlin im Hungerstreik

Am Mittwoch sind 17 Teilnehmer des Flüchtlingsmarschs gegen die Asylpolitik, der von Würzburg nach Berlin führte, vor dem Brandenburger Tor in den Hungerstreik getreten. Seither werden sie ständig von der Polizei attackiert. Wie konnte es dazu kommen?

Das fragen wir uns auch. Was hier gerade passiert, hätten wir in Deutschland nie für möglich gehalten. Seitdem wir unsere Proteste gegen die unwürdigen Lebensbedingungen für Flüchtlinge in Deutschland intensiviert haben, geht die Polizei mit brutaler Härte gegen uns vor. Es begann in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag, nachdem wir unser Zelt aufgebaut und unseren Hungerstreik gerade begonnen hatten: Gegen 22 Uhr umzingelte die Polizei uns mit mehr als 20 Mannschaftswagen. Kurz darauf stürmten Uniformierte auf uns zu, nahmen unser Zelt weg und traktierten uns mit Faustschlägen und Tritten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir 17 Hungerstreikende und etwa 20 Unterstützer. Mehrere von uns sind verletzt.

Wie ging es danach weiter?

In der Nacht von Donnerstag zu Freitag ging der Streß gegen 22 Uhr schon wieder los. Wieder versuchten Uniformierte, uns unsere Sachen wegzunehmen, bis sie nach einigem Hin und Her endlich genehmigten, daß wir in unseren Schlafsäcken übernachten dürften. Ihre Worte waren allerdings nicht viel wert. Um ein Uhr nachts kamen sie erneut und schreckten uns aus dem Schlaf. Dieses Mal haben sie uns alles weggenommen: Schlafsäcke, Decken, Isomatten sowie Sitzunterlagen aus Pappe oder Plastik. Sie erlaubten uns nicht einmal, auf unseren Taschen zu sitzen oder auf unseren Kleidern zu schlafen. Sie haben behauptet, das sei gegen das Versammlungsrecht. Die Temperatur lag bei sieben Grad, es war also ziemlich kalt auf dem steinigen Boden. Wir hatten uns dann eng aneinander gelegt und versucht zu schlafen. Um acht Uhr morgens, am Freitag, haben sie uns wieder attackiert. Selbst Wasserflaschen und Schirme haben sie uns weggenommen.

Es hat auch Festnahmen gegeben?

Ja, mich und zwei andere Flüchtlinge haben sie ins Gefängnis mitgenommen. Während sie uns in die Wanne verfrachtet haben, haben sie wieder zugeschlagen. Sie haben mich als »Bin Laden« beschimpft, verspottet und ausgelacht. Wir wußten gar nicht, wohin sie uns bringen, weil wir uns in Berlin nicht auskennen. Daß wir in Moabit waren, haben wir erst erfahren, als wir gegen Mittag entlassen wurden. Unterstützer, die davor demonstriert und gerufen hatten »Laßt unsere Freunde frei«, haben uns dort in Empfang genommen. Auch bei dieser Spontankundgebung haben die Polizisten wieder auf Aktivisten eingeschlagen. Einer konnte sich kaum mehr bewegen – erneut gab es drei Festnahmen. Auch diese Freunde von uns mußten stundenlang in den Knast und sich wie Verbrecher Fingerabdrücke abnehmen lassen.

Hat während all dieser Attacken keiner der Polizisten mit Ihnen sachlich gesprochen?

Nein, sie sprechen mit uns nicht englisch, obwohl sie es könnten. Schließlich haben sie uns sehr wohl verstanden, wenn wir etwas gesagt haben, aber selber immer nur auf deutsch geantwortet.

Lassen Sie sich nicht kleinkriegen?

Nein, wir werden unseren Hungerstreik fortsetzen. Wir werden, wenn es sein muß, den Winter hier in der Kälte ausharren, weil wir unbedingt unsere politischen Forderungen durchsetzen wollen. Erstens: Zwangsdeportationen von Flüchtlingen müssen aufhören. Ständig werden Menschen in Flugzeuge gesetzt und in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt, aus denen sie unter beschwerlichen Bedingungen und unter Gefahr für Leib und Leben geflohen sind. All das passiert oft mit polizeilicher Gewalt. Zweitens: Die Flüchtlingslager müssen geschlossen werden, weil die Zustände dort menschenunwürdig sind. Drittens: Es darf keine Residenzpflicht mehr geben. Wir werden nicht mehr zulassen, daß man unsere Bewegungsfreiheit einschränkt. Deshalb sind wir am 8. September von Würzburg aufgebrochen, um nach Berlin zu kommen. Wir werden unsere Ziele jetzt nicht aufgeben, für die wir seit sieben Monaten hart kämpfen.

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